Drei Monate ohne - und ich bin ein neuer Mensch

Adios, Anti-Baby-Pille: Mir reicht's mit den Hormonen!

© Jasmin Bergmann/RTL

8. März 2019 - 17:06 Uhr

von Jasmin Bergmann

Ich habe die Anti-Baby-Pille abgesetzt. Nicht etwa, um schwanger zu werden – nein. Sondern um mich selbst kennenzulernen. Um herauszufinden: Wer bin ich eigentlich ohne Hormone? Acht Jahre schluckte ich jeden Abend die kleine weiße Pille, ohne mir über ihre Nebenwirkungen Gedanken zu machen. Wieso auch? Schließlich war es damals als 16-Jährige das Normalste der Welt, mit der Pille anzufangen. Ich hinterfragte es nicht und auch keine meiner Freundinnen tat es. Denn wir alle versprachen uns viel von den Hormonen: Ein schöneres Hautbild, größere Brüste, keine überraschenden Blutungen mehr und natürlich eine sichere Verhütung. All das trat ein, doch auch leider noch so viel mehr.

Ohne triftigen Grund fühlte ich mich an manchen Tagen abgrundtief unglücklich

Ich nahm zu und wurde leicht übergewichtig. Doch am meisten störte mich, was aus mir geworden war. In der einen Stunde konnte ich lachend und voller Freude durchs Haus hüpfen – und in der nächsten hätte mein Blick eine Blume zum Welken bringen können. Stimmungsschwankungen. Und was für welche. Ohne triftigen Grund fühlte ich mich an manchen Tagen abgrundtief unglücklich. Manchmal verstand ich mich selbst nicht mehr.

Und das wollte ich ändern. Ich wollte wissen: Wer bin ich wirklich? Wer bin ich ohne den ganzen Hormonzusatz? Ich ließ mich von meiner Frauenärztin beraten, doch die riet mir nur zu einer niedriger dosierten Pille. Sei sie doch unbedenklich und das absolut sicherste Verhütungsmittel. Ich ließ mich darauf ein – die Ärztin musste es ja wissen. Und so schluckte ich weitere zwei Jahre die Pille, nun aber immerhin mit weniger Hormonen. Und siehe da: Bereits durch diese leichte Verringerung merkte ich einen Unterschied. Ich nahm ab – ganze fünf Kilogramm – ohne mich öfter ins Fitnessstudio zu zwingen oder nur auf einem Salatblatt zu knabbern.

Auch mein Stimmungsbild verbesserte sich. Ich fühlte mich leichter und zufriedener. Doch mein Zyklus ging flöten. Zwei Wochen am Stück meine Periode zu haben, das war von nun an Alltag – absolut nicht wünschenswert. Ich probierte deshalb in Absprache mit meiner Frauenärztin verschiedene Pillen aus, doch mein Rhythmus normalisierte sich nicht. Und da entschied ich: Mir reicht's! Ich setzte die Pille ab – und pfiff auf die Meinung meiner Frauenärztin.

Die unausstehliche und zickige Person in mir lässt sich immer seltener blicken

Bereits in den ersten Wochen merkte ich, wie befreit ich mich auf einmal fühle. Nicht mehr jeden Tag um 19 Uhr vom Handywecker daran erinnert zu werden, die Pille zu nehmen. Da ich keine Ahnung hatte, wie mein Körper auf diesen Hormonentzug reagierte, rechnete ich jeden Tag damit, meine Periode zu bekommen. Der Luxus des geregelten Zyklus blieb mit verwehrt – bis heute. Ich bekam zwei Wochen später als errechnet meine Blutung. Die befürchteten schlimmen Schmerzen blieben aus. Und auch die Verblutungsängste. Dafür kamen die Pickel: Nicht nur zwei oder drei – oh nein. Mein Gesicht gleicht einem Streuselkuchen. Nicht falsch verstehen, ich liebe Kuchen, auch gerne mit Streuseln drauf. Aber halt dann doch lieber auf dem Teller als auf meiner Stirn. Oder meiner Schulter. Oder meinem Dekolleté. Ein Hoch auf Make-up und andere Helferlein.

Dafür purzelten in den bisherigen drei Monaten ohne Hormone weitere zwei Kilos. Doch es kommt nicht nur darauf an, was die Waage mir anzeigt. Ich fühle mich einfach wohler in meiner Haut. Mehr eins mit meinem Körper, selbstsicherer und was am wichtigsten ist: Die unausstehliche und zickige Person in mir lässt sich immer seltener blicken. Ich hoffe, es geht ihr gut, da wo sie jetzt ist.

Bis zu sechs Monate braucht der Körper, um alle von der Pille hinzugefügten Hormone abzubauen

Was mich am meisten überrascht hat, war die Reaktionen meiner Mitmenschen. Viele meiner Freundinnen finden meine Entscheidung super. Denn auch sie stellen das Mysterium Pille in Frage. Kein Wunder eigentlich, denn die meisten Pillen enthalten unter anderem die Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen, wodurch der Eisprung verhindert wird. Der Körper befindet sich also quasi im Dauerschwanger-Zustand (es kommt auf die Art der Pille an, welche und vor allem wie viele Hormone enthalten sind). Doch einige fragten auch erschrocken: "Wie, du hast die Pille abgesetzt? Willst du schwanger werden? Wie verhütest du denn jetzt?" Vor allem sind es ältere Frauen, die diese Entscheidung nicht so ganz nachvollziehen können. "Ich hab' doch auch jahrelang die Pille genommen und es war alles in Ordnung."

Wie der weibliche Zyklus ohne die Einnahme von Hormonen normalerweise abläuft und was in den vier Zyklus-Phasen jeweils passiert, sehen Sie im Video.

Bis zu sechs Monate braucht der Körper für den Abbau der Hormone

Jetzt gerade bin ich 40 Tage drüber und warte, dass es jeden Moment losgeht. Dass mein Zyklus nach dem Absetzen so durcheinander ist, hätte ich nicht gedacht. Und vor allem nicht, dass meine Periode einfach ausbleibt. Diese Kontrolllosigkeit und Ungewissheit ist wohl einer der größten Nachteile. Bis zu sechs Monate braucht der Körper, um alle von der Pille hinzugefügten Hormone abzubauen. Es gibt also noch Hoffnung auf einen einigermaßen geregelten Zyklus – irgendwann. Eventuell. Vielleicht. Hoffentlich!