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Ukraine-Russland-Konflikt: Als ihr Dorf beschossen wird, fließen bei Susanna (10) Tränen der Angst

RTL-Reporterin an der Ukraine-Front

Als ihr Dorf beschossen wird, fließen bei Susanna (10) Tränen der Angst

Mädchen erzählt RTL-Reporterin von Schüssen auf Schule "Ich habe geweint"
01:45 min
"Ich habe geweint"
Mädchen erzählt RTL-Reporterin von Schüssen auf Schule

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von Kavita Sharma

In dem ostukrainischen Dorf Wrubiwka ist normalerweise nicht viel los. Die Schule liegt leer und verlassen da, als wir ankommen. Es dauert eine Weile bis sich vier neugierige, aber gleichzeitig etwas schüchterne Kinder einfinden. Die zehnjährige Susanna ist eins von ihnen. Sie hält die Hand ihrer Cousine Swetlana fest. Susanna erinnert sich ganz genau an die Angst und den Schock als ihr Dorf am 17. Februar beschossen wurde. „Ich habe geweint,“ erzählt sie uns.

Lese-Tipp: Alle Entwicklungen im Ukraine-Konflikt lesen Sie auch in unserem Live-Ticker.

Pro-russische Separatisten sollen Susannas Dorf beschossen haben

Von ukrainischer Seite heißt es, von Russland unterstützte Separatisten feuerten Artillerie in Richtung des Dorfs und andere Orte in der Region ab. „Sie trafen das Fenster - es kam von dort hierher, das Haus wurde getroffen, es gab verschiedene Einschläge, hier und dort,“ sagt Susannas älterer Bruder Sergiy.

Dabei wurde niemand im Dorf Wrubiwka verletzt, aber die Sorge geht nun unter den Bewohnern um, dass weitere Angriffe folgen könnten, denn entlang der Front eskalieren die Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und den Kreml-treuen Separatisten.

Immer wieder Schüsse zwischen Separatisten und ukrainischen Soldaten

Als wir an die Front fahren, hören wir mehrmals Beschuss während wir durch den matschigen Schützengraben laufen. Seit 2014 bekämpfen sich die Separatisten und die Armee hier, obwohl eigentlich eine Waffenruhe herrscht. Die ist aber ohnehin brüchig. Nun sorgt die jüngste Eskalation inmitten des massiven russischen Truppenaufmarsches entlang der ukrainischen Grenze für Alarm.

„Bis zum 16 Februar war es ruhig, dann begann es. Die Separatisten beschossen uns ziemlich heftig,“ erzählt uns Soldat Dmytro, den wir bei seiner Stellung treffen. Es hängen Patronengürtel an der Wand. Ein kleiner Welpe kommt etwas verschlafen unter einer Bank hervor, das Bild einer Ikone ist neben einen Durchgang geheftet. Es gibt auch einen Ofen, der mit Holzscheiten befeuert wird. Am meisten vermisse er seine Frau hier an der Front, sagt er uns.

RTL-Reporterin an der ukrainischen Front Kavita Sharma
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Kavita Sharma
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Nachts flammen die Kämpfe an der ostukrainischen Front auf

Wir laufen weiter durch den Schützengraben. Die Stellungen der ukrainischen Armee und der Separatisten sind hier nah beieinander. Nachts sollen die Kämpfe hier noch heftiger aufflammen, erzählt uns ein Soldat auf einem Beobachtungsposten. Auf dem Boden liegen Patronenhülsen. Die ukrainische Seite betont immer wieder, man würde nur schießen, wenn man angegriffen werde. Die von Russland unterstützten Separatisten beschuldigen ihrerseits die ukrainische Armee, die Situation eskalieren zu lassen.

Als wir eine Übung des ukrainischen Militärs in der Ostukraine besuchen, wollen wir von den Soldaten wissen, ob es denn überhaupt eine Chance für Frieden mit den pro-russischen Separatisten geben könnte. Soldat Andriy glaubt, da sind nun die Politiker gefragt, mit Gewalt könne man nichts erreichen, als Resultat würde nur die Zivilbevölkerung leiden.

Ostukraine: Susanna weiß, was sie tun muss, wenn wieder geschossen wird

Sollte der Konflikt erneut aufflammen, könnten wieder einmal die Dörfer in Frontnähe in die Schusslinie geraten. Susanna sagt uns, sie wisse zumindest was dann zu tun sei: „„Man muss sich auf den Boden legen und mit den Händen den Kopf bedecken,“ erklärt sie uns. Aber das Mädchen hofft natürlich vor allem, dass sie das nicht erleben muss.

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