RTL News>News>

Tinder-Profil zu freizügig für Bundeswehr: Das Urteil gegen Soldatin Anastasia Biefang

Bundesverwaltungsgericht fällt schlüpfriges Urteil

Zu freizügig für die Bundeswehr: So darf sich Soldatin nicht mehr auf Tinder zeigen

So darf sich Soldatin offenbar nicht zeigen Zu freizügig für Bundeswehr

30 weitere Videos

Was geht den Arbeitgeber eigentlich das Sexleben seiner Mitarbeiter an? Anscheinend gar nicht so wenig – denn eine hochrangige Bundeswehr-Kommandeurin muss ihren privaten Auftritt auf einem Dating-Portal im Internet zurückhaltender gestalten. Das entschied der 2. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig.

Kommandeurin Biefang geht bei Tinder auf Partnersuche - zum Missfallen der Bundeswehr

Screenshot des Tinder-Profils von Bundeswehrkommandeurin Anastasia Biefang
So darf sich Bundeswehrkommandeurin Anastasia Biefang nicht mehr auf Tinder zeigen.
privat

„Spontan, lustvoll, trans*, offene Beziehung auf der Suche nach Sex. All genders welcome“ - mit diesen Worten warb Kommandeurin Anastasia Biefang 2019 in ihrem Tinder-Profil für sich. Doch das ging der Bundeswehr zu weit, ihr Disziplinarvorgesetzter erteilte ihr einen Verweis. Biefang wehrte sich dagegen. Aber das Truppendienstgericht bestätigte den Verweis.

Darauf kam der Sachverhalt an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig: „Im Kern des Verfahrens steht die Frage, inwieweit das außerdienstliche Verhalten einer Bundeswehroffizierin, einer Kommandeurin im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung dem Dienstlichen Disziplinarrecht unterliegt“, fasste Michael Gladow, Anwalt der Soldatin, im RTL-Interview zusammen. „Also inwieweit der Dienstherr in diesen Bereich der privaten Lebensführung eingreifen darf oder eben auch nicht.“

Bundesverwaltungsgericht in Leipzig: Kommandeurin darf sich nicht so freizügig zeigen

Anastasia Biefang, Bundeswehr-Kommandeurin vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
Bundeswehr-Kommandeurin kam in Uniform vor das Bundesverwaltungsgericht.
RTL

Am Ende gab es dann eine erneute Schlappe für die Soldatin: Das Bundesverwaltungsgericht bekräftigte die Entscheidung des Truppendienstgerichts. Zwar werde durch das Verhalten der Kommandeurin nicht gleich das Ansehen der gesamten Bundeswehr beschädigt. Sie sei jedoch ihrer Pflicht zur Wahrung des eigenen Ansehens nicht nachgekommen. Biefang habe als Kommandeurin mit 1.000 Mitarbeitern eine besonders repräsentative Position innegehabt.

„Wir denken, dass ein Kommandeur auch im Internet seine Worte wählen muss“, sagte der Vorsitzende Richter Richard Häußler in der Urteilsbegründung. „Da müssen Formulierungen vermieden werden, die Zweifel an der charakterlichen Integrität wecken.“

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Ist das Urteil gegen die Soldatin gerechtfertigt?

Kommandeurin Biefang enttäuscht über Urteil von Bundesverwaltungsgericht

Michael Gladow vertritt die Soldatin vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
Michael Gladow, Anwalt der Soldatin
RTL

Biefang reagierte enttäuscht auf die Entscheidung. Sie wisse nach wie vor nicht, was genau an ihrer Darstellung „Zweifel an ihrer charakterlichen Integrität“ verursacht haben könnte, sagte die 47-Jährige. „In Zukunft werde ich wohl meine Profile durch meine Vorgesetzen prüfen lassen, ob das rechtmäßig ist.“ Biefang, die den Rang eines Oberstleutnants hat, ist inzwischen Referatsleiterin im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn. (dpa/jmu)