„Hilfe! Hilfe! Gewalt!“: Nach Polizeieinsatz: Pedro (30) liegt im Wachkoma
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Nach einem Polizeieinsatz in Köln liegt Pedro (30) mit schweren Hirnschäden im Wachkoma. Ein Handyvideo, das er selbst aufgenommen hat, wirft nun neue Fragen zum Einsatz auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt gegen zwei Polizeibeamte.
Dieses Handyvideo hat Pedro selbst aufgenommen. Erst vor Kurzem finden es seine Angehörigen auf seinem Handy. Darauf ist zu sehen, wie Polizeikräfte Pedro zu Boden drücken, statt ihm zu helfen.
„Warum? Entschuldigung. Hilfe! Hilfe! Gewalt!“
„Er hat im Grunde genommen um sein Leben geschrien.“
Seitdem liegt der 30-Jährige mit schweren Hirnschäden im Wachkoma. Haben die Polizisten verhältnismäßig gehandelt? Freunde beschreiben Pedro als hilfsbereiten Menschen. Vor acht Jahren kommt er nach Deutschland, arbeitet als Erzieher und ist seit einem Jahr mit seinem Partner zusammen.
„Er hat Obdachlosen auf der Straße Essen gebracht. Er hat sich auf Partys um Leute gekümmert, denen es nicht gut ging, hat sie teilweise bis zur Bahn begleitet, obwohl er sie nicht kannte. Aggressiv? Im Leben nicht.“
Pedro befindet sich wegen ADHS, einer Psychose und Depressionen in therapeutischer Behandlung. Am 8. April gerät er nach dem Tod einer nahestehenden Person in eine Ausnahmesituation. Weil sie sich Sorgen machen, rufen Freunde den Notruf. Als eine Notärztin und ein Polizist vor seiner Wohnung in Köln eintreffen, weiß Pedro davon offenbar nichts.
„Aber warum muss ich aufmachen? Das ist meine Frage. Können Sie mir bitte antworten, bevor Sie Gewalt anwenden?“
Die Situation in seiner Wohnung in Köln eskaliert.
„Ja, aber warum? Warum? Aber warum bitte? Warum? Entschuldigung. Hilfe! Hilfe! Gewalt!“
Dann bricht die Aufnahme ab. Pedros Anwalt beantragt Akteneinsicht und sieht sich die Bodycam-Aufnahmen an.
„Man sieht auf den Bodycam-Aufzeichnungen, dass zwei männliche Polizisten mit ihrem gesamten Körpergewicht auf dem oberen Rücken knien – jeweils mit einem Bein von jeder Seite. Zusätzlich zu dieser langen Bauchlage und dem Druck von oben wurde zwangsweise ein Narkotikum über die Nase verabreicht.“
Wurde vorschnell zu viel Gewalt angewendet? Laut Pedros Anwalt existieren nur einzelne Ausschnitte der Bodycam-Aufzeichnungen.
„Sie haben ihn als ,Spacko‘ bezeichnet, während er fixiert am Boden lag. Sie haben sich überlegt, ihm die Haare abzuschneiden, damit die Spuckhaube besser passt. Beamte im Staatsdienst haben so etwas nicht zu tun. Sie müssen neutral sein und dürfen sich nicht über Menschen lustig machen, die fixiert am Boden liegen.“
Pedro soll einer Polizistin in die Hand gebissen und mehrfach gespuckt haben. Als er aus der Wohnung gebracht wird, macht sein Partner eine schockierende Beobachtung.
„Dann ist aufgefallen, dass der Körper rückseitig die Farbe verliert, weil er bauchseitig fixiert war. Dann musste alles ganz schnell gehen. Von den Sanitätern wurde gerufen: ,Wir brauchen die Schlüssel für die Handschellen. Wir müssen reanimieren.‘“
23 Minuten steht Pedros Herz still. In der Klinik werden irreparable Hirnschäden festgestellt – offenbar infolge eines Sauerstoffmangels. Pedro ist heute schwerstbehindert und wird nach Einschätzung der Ärzte sein Leben lang im Wachkoma bleiben.
Die Staatsanwaltschaft Köln hat Ermittlungen gegen zwei Polizeibeamte aufgenommen. Geprüft wird unter anderem, ob die Fixierung in Bauchlage unverhältnismäßig war und welche Medikamente die Notärztin verabreicht hat.
„Nach Durchsicht dieses Videos haben wir Anlass gesehen, nunmehr ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung im Amt einzuleiten.“
Auf Social Media kämpfen Pedros Freunde für eine lückenlose Aufklärung des Polizeieinsatzes. Ihr größter Wunsch: Gerechtigkeit für Pedro, der nie wieder ein Leben führen kann wie zuvor.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche
