Das müssen Tierbesitzer in Zeiten von Corona beachten

"Es gibt keinen Grund, Heimtiere aus Angst auszusetzen"

Können sich auch Hunde und Katzen mit dem Coronavirus anstecken?
© dpa, Sven Hoppe, shp sja dna

25. März 2020 - 12:02 Uhr

Viele Tierbesitzer sind angesichts des Coronavirus besorgt

In Zeiten der Corona-Pandemie sind einige Tierhalter unsicher, wie sie mit ihren Haustieren umgehen sollen. Viele fragen sich: Ist mein Haustier auch gefährdet? Und wenn ja, können Hund und Katze uns dann auch mit dem Coronavirus anstecken? Die Panik ist unnötig und nicht hilfreich: "Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht bislang keinen Grund, Heimtiere aus Angst vor Ansteckung auszusetzen oder ins Tierheim abzugeben", sagt Dr. Stefan Hetz, Biologe und Fachreferent Heimtiere beim ZZF.

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Können Haustiere das Coronavirus übertragen?

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, gibt es keine Hinweise darauf, dass Hunde oder Katzen ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen oder eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen. Demnach müssen gesunde Personen den Kontakt zu Haustieren nach derzeitigem Stand nicht einschränken.

Experten des European Centre for Disease Control (ECDC) und der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) bestätigen diese Einschätzung. In ihren Stellungnahmen betonen sie, dass es keine Hinweise auf Infektionen von Haus- und Nutztieren mit SARS-CoV-2 gibt. Allerdings fehlen derzeit noch tiefergehende wissenschaftliche Untersuchungen. 

Hygienemaßnahmen dennoch notwendig

Vor diesem Hintergrund raten die Wissenschaftler des FLI dazu, dennoch die grundlegenden Prinzipien der Hygiene zu beachten, wenn Sie mit Tieren in Kontakt kommen. So sollten Sie sich regelmäßig mit Seife die Hände waschen und es vermeiden, dass Ihnen Ihr Hund beispielsweise durchs Gesicht schleckt. Auch wenn es von dem Tier als Liebesbeweis gemeint ist und von den meisten Besitzern auch als solcher gewertet wird, ist davon – nicht nur in Zeiten von Corona – zum Schutz vor Krankheiten abzuraten.

„Schwach positiv“ getesteter Hund in Hongkong sorgte für Unsicherheit

Vor einigen Wochen hatte der Fall eines Hundes, der in Hongkong "schwach positiv" auf das Coronavirus getestet wurde, für Unsicherheit und Bedenken bei Tierhaltern gesorgt. Der Erreger wurde jedoch lediglich an Nase und Schnauze des Tieres gefunden. Laut Friedrich-Loeffler-Institut ist aber nach wie vor unklar, ob es sich um eine aktive Infektion oder eine passive Verunreinigung durch die Virusmengen in der Umgebung handelte. Denn der Besitzer des Hundes war mit dem Coronavirus infiziert. Und auch der Virologe Jonathan Ball von der University of Nottingham betont, dass es bisher keine Nachweise gebe, dass Hunde das Virus übertragen. Dazu müsse sich der Erreger in den Zellen der Tiere vermehren und dann wieder auf den Menschen überspringen. Er teilt die Einschätzung, dass sich der Erreger vermutlich zufällig auf der Schnauze des Hundes befand. Der Hund zeigte im übrigen keine Krankheitssymptome und wurde in einer Quarantänestation weiter untersucht.

Für Hunde und Katzen werden derzeit keine Maßnahmen wie Absonderung oder Quarantäne empfohlen. Eine Trennung von Ihrem Haustier ist also nicht notwendig. "Allerdings kann im Einzelfall und bei Auftreten von Symptomen bei den Tieren eine Beprobung und Testung auf eine SARS-CoV-2-Infektion ratsam sein, um weitere Informationen zu Ansteckungsszenarien zu gewinnen", heißt es weiter. In diesem Fall müsse sich das zuständige Gesundheitsamt mit dem Veterinäramt in Verbindung setzen. Der Nachweis beim Tier folgt dem gleichen Testverfahren wie beim Menschen.

Kann der Mensch ein Tier mit dem Coronavirus anstecken?

Viele Haustierhalter sind angesichts des Coronavirus verunsichert.
Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen im Umgang mit Tieren ist - nicht nur in Zeiten von Corona - unabdingbar.
© Getty Images, RyanJLane

Auch bei der Frage, ob Menschen das Coronavirus auf Tiere übertragen können, gibt das FLI Entwarnung: Bisher gebe es keinen wissenschaftlich belegbaren Hinweis auf eine epidemiologisch relevante Infektion von Haustieren durch infizierte Personen. Dennoch sollten sich Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden und sich in Quarantäne befinden, den engen Kontakt zu ihren Haustieren vermeiden.

Da sich das Geschehen sehr dynamisch entwickelt, wird die Entwicklung vom FLI weiterhin intensiv beobachtet.

Muss ich aufpassen, wenn mein Hund erkrankt? Welche Vorsichtsmaßnahmen kann ich treffen?

"Man muss seinen Hund und seine Katze gut kennen und Verhaltensauffälligkeiten gleich feststellen und sich dann auch ärztlich beraten lassen. Wenn man verhaltensauffällige Wildtiere findet, sollte man Abstand halten und diese nicht anfassen bzw. Experten rufen, wie zum Beispiel über das Wildtiertelefon in Berlin, um diese Tiere dann zu händeln", rät Dr. Christian Voigt vom Leibniz-Institut.

Gibt es auch bei Tieren Corona-Infektionen?

Grundsätzlich können sich auch Tiere mit Coronaviren infizieren. Bei Katzen kann beispielsweise die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) auftreten. Bei Schweinen wird die epizootische Virusdiarrhoe (engl. porcine epidemic diarrhea; PED) ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelöst.

Das FLI stellt aber klar: "Diese Erreger stellen für den Menschen allerdings keine Gefahr dar und sind klar von SARS-CoV-2 zu unterscheiden."

Gassi gehen trotz häuslicher Quarantäne?

Viele Hundebesitzer, die sich aufgrund einer möglichen oder nachgewiesenen Coronavirusinfektion in häuslicher Quarantäne befinden, fragen sich, ob sie mit Ihren Hunden noch Gassi gehen dürfen. Die Antwort auf diese Frage und wie es sich bei einer verordneten Ausgangssperre verhält, erfahren Sie hier.