Schockierende Studie

Migräne-Patienten haben ein verändertes Gehirn!

Migräne
Migräne gilt als eine DER Volkskrankheiten Deutschlands.
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Migräne bedeutet für die Betroffenen meist unerträgliche und wiederkehrende Kopfschmerzen und kann zudem zu Sehstörungen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Schwindel führen. Migräne gilt als eine der Volkskrankheiten in Deutschland. Nach Angaben der „American Migraine Foundation“ leiden weltweit bis zu 148 Millionen Menschen an chronischer Migräne. Eine neue Studie hat jetzt herausgefunden, dass Menschen, die regelmäßig unter Migräne leiden, signifikante Veränderungen im Gehirn aufweisen. Diese Veränderungen können ein Anzeichen für eine zugrunde liegende Erkrankung der kleinen Hirngefäße sein, was erheblichen Einfluss auf die Funktion des Gehirns haben kann.

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"Diese Änderungen wurden noch nie zuvor gemeldet"

Zum ersten Mal haben Forscher den Zusammenhang zwischen vergrößerten perivaskulären Räumen und Migräne im Gehirn von Betroffenen untersucht. Ein perivaskulärer Raum ist ein Raum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist und bestimmte Blutgefäße in verschiedenen Organen, sowie die Blutgefäße im Gehirn umgibt.

Durchgeführt haben die Studie Fachleute der University of Southern California. Die Ergebnisse werden auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America (RSNA) präsentiert.

Teilnehmer der Studie waren zehn Patienten mit chronischer Migräne, zehn mit episodischer Migräne ohne Aura und fünf gleichaltrige gesunde Kontrollpersonen. Alle Patienten, die an der Studie teilnahmen waren zwischen 25 und 60 Jahre alt.

„Bei Menschen mit chronischer Migräne und episodischer Migräne ohne Aura gibt es signifikante Veränderungen in den perivaskulären Räumen einer Gehirnregion namens Centrum Semiovale“, erklärte der Co-Autor der Studie, Wilson Xu in der Pressemitteilung der RSNA. Und weiter: "Diese Änderungen wurden noch nie zuvor gemeldet."

Für die Untersuchung setzte das Forscher-Team die sogenannte 7 Tesla-Magnetresonanztomographie (7T-MRT) ein. Somit war es ihnen möglich, schon sehr kleine Veränderungen im Hirngewebe nach dem Auftreten von Migräne festzustellen.

„Unserem Wissen nach ist dies die erste Studie, die ultrahochauflösende MRT verwendet, um mikrovaskuläre Veränderungen im Gehirn aufgrund von Migräne zu untersuchen, insbesondere in perivaskulären Räumen“, sagte Xu.

Das 7T-MRT sei, anders als herkömmliche MRT-Typen, in der Lage, Bilder des Gehirns viel höher aufzulösen und in besserer Qualität darzustellen. Dadurch könnten, laut dem Experten, viel kleinere Veränderungen sichtbar gemacht werden, die nach einer Migräne im Gehirngewebe auftreten.

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„Perivaskuläre Räume sind Teil eines Flüssigkeitsreinigungssystems im Gehirn“

Die Analyse ergab, dass die Anzahl der vergrößerten perivaskulären Räume bei Migränepatienten signifikant höher war als bei Personen aus der Kontrollgruppe.

„Perivaskuläre Räume sind Teil eines Flüssigkeitsreinigungssystems im Gehirn“, erklärt Xu. Sie werden durch unterschiedliche Faktoren, wie beispielsweise Anomalien der Blut-Hirn-Schranke und Entzündungen beeinflusst.

"Die Untersuchung, wie sie zur Migräne beitragen, könnte uns helfen, die Komplexität der Entstehung von Migräne besser zu verstehen", so Xu.

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Sind diese perivaskulären Räume vergrößert, kann dies ein Anzeichen für eine zugrunde liegende Erkrankung der kleinen Hirngefäße sein, so die Forscher.

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Ob solche Veränderungen die Entstehung von Migräne beeinflussen oder eine Folge der Migräne sind, ist nicht klar

Zudem stellen die Wissenschaftler die Hypothese auf, dass signifikante Unterschiede in den perivaskulären Räumen von Migränepatienten im Vergleich zu nicht belasteten Personen auf eine Störung des glymphatischen Systems im Gehirn hindeuten könnten. Das glymphatische System ist ein Abfallbeseitigungssystem, das sogenannte perivaskuläre Kanäle nutzt, um lösliche Proteine und Stoffwechselprodukte aus dem zentralen Nervensystem zu entfernen.

Ob solche Veränderungen jedoch Einfluss auf die Migräneentwicklung haben oder aber aus der Migräne entstehen, ist laut den Forschenden nicht bekannt. Daher seien nun weitere Studien notwendig, um den Zusammenhang zwischen strukturellen Veränderungen des Gehirns und der Entwicklung und Art der Migräne besser zu verstehen.

„Die Ergebnisse unserer Studie könnten dazu beitragen, zukünftige, größere Studien anzuregen, um weiter zu untersuchen, wie Veränderungen in den mikroskopisch kleinen Gefäßen und der Blutversorgung des Gehirns zu verschiedenen Migränetypen beitragen“, sagte Xu. „Letztendlich könnte uns dies helfen, neue, personalisierte Wege zur Diagnose und Behandlung von Migräne zu entwickeln.“ (kko)

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