Gefahr für Mensch und Umwelt

Studie: Alte Sonnencreme kann krebserregend sein

Französische Forscher warnen vor alter Sonnencreme. 
Foto: Sina Schuldt/dpa/illustration
Französische Forscher warnen vor alter Sonnencreme. Foto: Sina Schuldt/dpa/illustration
© deutsche presse agentur

09. März 2021 - 10:43 Uhr

Leberkrebs durch Sonnencreme

Eigentlich soll sie uns vor einem Sonnenbrand und Hautkrebs schützen, doch viele Sonnencremes erhöhen offenbar das Risiko auf andere, schwerwiegende Krankheiten. Ein Folge könnte sogar Leberkrebs sein, wie französische Wissenschaftler der Universität Sorbonne gemeinsam mit der nationalen Forschungsbehörde CNRS und amerikanischen Kollegen herausgefunden haben. Dies gilt allerdings nicht für neue Sonnencreme, sondern für Produkte, die schon etwas länger in Gebrauch sind.

17 Sonnencremes getestet

Die Wissenschaftler haben 17 Sonnencremes, teils namhafter Firmen, gekauft und künstlich ein Jahr altern lassen. Dabei haben sie festgestellt, dass in allen Sonnencremes mit dem Inhaltsstoff Octocrylen, der als Sonnenschutzfilter in Kosmetika verwendet wird, mit der Zeit die organische Verbindung Benzophenon entsteht, "während es in dem einzigen getesteten Nicht-Octocrylen-Produkt nicht in signifikanten oder nachweisbaren Mengen vorhanden war", heißt es in der Studie. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte Benzephenon bereits 2013 als krebserregend ein.

Unter anderem Leberkrebs als Folge

Dass die Konzentration von Benzephenon mit der Zeit steigt, kann folglich schwerwiegende Folgen haben. Das zeigten auch frühere Versuche mit Meerschweinchen. Es kann Leberkrebs und Lymphome hervorrufen, sowie die Schilddrüse und Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Eine verunreinigung durch Benzephenon sei bei der Herstellung der Produkte mit Octocrylen aber nicht vermeidbar. Deswegen müsse man sowohl Benzephenon als auch Octocrylen verbieten. Denn auch letzteres ist nicht ohne – nicht nur für den Menschen.

LESETIPP: Es ist nicht die erste Studie dieser Art. 2019 stellten US-amerikanische Wissenschaftler bereits fest, dass Chemikalien aus Sonnenschutzmittel direkt ins Blut gelangen können.

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Gefahr auch für die Umwelt

Unter anderem im Südseestaat Palau ist Octocrylen in Sonnenmilch seit 2020 verboten. Nicht etwa zum Schutz der Menschen, sondern um die Korallenriffe zu schützen. Auch in der aktuellen Studie heißt es, dass der Inhaltsstoff Korallen insbesondere in Badegebieten angreift und so die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel verringert. Trotzdem muss in der EU die Konzentration des Sonnenschutzfilters nichteinmal auf dem Etikett angegeben werden.

Forscher fordern Verbot

Durch die Studienergebnisse kommen die Wissenschaftler zu dem Entschluss, ein Verbot zu fordern. "Octocrylenprodukte, die Benzophenon enthalten, können eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit und sogar für die ökologische Gesundheit darstellen." Die in der Vergangenheit durchgeführten Sicherheitsbewertungen seien begrenzt gewesen.

Die Entscheidung der EU, Benzophenon als Aromastoff zuzulassen, könne als ungerechtfertigt und verantwortungslos angesehen werden.

Bevor es zu einem Verbot kommt, können Sie aber schon selbst darauf achten, Sonnencremes ohne diese Inhaltsstoffe zu kaufen. Den laut der französischen Forscher eignen sich diese ebenfalls für den Schutz vor der UV-Strahlung. Und bei allen Sonnencremes und anderen Pflegeprodukten gilt: Verbrauchen Sie die Produkte innerhalb von 12 Monaten nach Anbruch. Was Sie sonst noch zu Sonnencreme und Co. wissen solten, lesen Sie hier.