Druck auf Impfzögerer - nicht nur in der Politik

Söder zu seinem Vize Aiwanger: „Am besten sagst du selber, warum du dich nicht impfen lässt“

01. Juli 2021 - 8:47 Uhr

Hubert Aiwanger will sich (noch) nicht impfen lassen

Angefressen – das ist wohl der Gefühlsstand, den Markus Söder auf dieser Pressekonferenz beim Thema Impfen am ehesten vermittelte. Ausgerechnet sein Vize, der Chef der Freien Wähler, lässt sich Stand jetzt noch nicht impfen. Vor versammelter Presse lässt Söder dann lieber Hubert Aiwanger selbst erklären, nicht ohne einen kleinen Seitenhieb. Die ganze Szene können Sie sich im Video anschauen.

Der gesellschaftliche Druck auf Impfzögerer oder sogar Verweigerer wächst. Angesichts der sich verbreitenden Delta-Variante kann sich inzwischen sogar jeder Vierte vorstellen, dass es eine Impfpflicht geben könnte.

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Aiwanger: Impfen persönliche Entscheidung

Söder hatte seine Kabinettsmitglieder dringend aufgefordert, sich impfen zu lassen. Danach bei der Pressekonferenz gefragt, sagte Söder zu Aiwanger: "Ich habe ihn heute morgen ehrlich befragt und vielleicht sagst du selber was dazu, warum du dich nicht impfen lassen willst." Und weiter dann: "Weil ich finde, jetzt ist eigentlich die Zeit, wo man alle dran sein könnten. Es ist kein Vordrängeln mehr, aber es entscheidet natürlich jeder selber."

Und Aiwanger, laut "Süddeutscher Zeitung" der einzig Ungeimpfte im Kabinett, kontert: "Ob sich jemand impfen lässt oder nicht, ist eine persönliche Entscheidung. Die nehme ich auch für mich in Anspruch." Er habe sich bisher nicht dazu entscheiden können, sich impfen zu lassen. Das hieße nicht, dass er sich generell niemals impfen lassen werde. "Ich schaue mir die Entwicklung jetzt etwa in den nächsten Wochen und Monaten an. Und ich glaube, wir sollten keinen öffentlichen Druck aufbauen. Das gilt jetzt auch nicht in erster Linie für mich, auf Menschen, die vom Impfen für sich als Person noch nicht überzeugt sind. Das gilt für Schüler. Dies gilt für diverse Berufsgruppen und Altersklassen, so Aiwanger. "Wir sollten hier nicht sagen. Du agierst falsch, weil du dich noch nicht impfen lassen. Es ist eine persönliche Entscheidung und dabei sollten wir es belassen."

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Jeder Vierte kann sich Impfpflicht vorstellen

Doch nicht alle Deutschen befürworten eine komplett freie Entscheidung beim Impfen, wie jetzt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL ergeben hat. Jeder Vierte kann sich inzwischen eine Impfpflicht vorstellen. Die Zahl der Geimpften steigt im Land, aber die Delta-Variante macht vielen Sorgen. Und vor diesem Hintergrund spricht sich fast jeder vierte Befragte (22 Prozent) für eine Impfpflicht für alle Bürger, bei denen keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen, aus.

Drei Viertel der Befragten (77 Prozent) allerdings sind der Meinung, die Impfung gegen Corona sollte weiterhin freiwillig bleiben. Bei der Delta-Variante wird eine Herdenimmunität erst bei einer höheren Zahl von Voll-Geimpften erreicht.

Für eine Impfpflicht sprechen sich am ehesten, aber immer noch nur mit einer Minderheit, die über 60-Jährigen und die Anhänger der Union aus. Gegen eine Impfpflicht sind insbesondere die Anhänger der FDP und der AfD. (eku)

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