Rechtsanwältin klärt auf

Mehr Schimmelbefall durch Spar-Heizen: Wer haftet eigentlich am Ende?

Schimmel am Fenster
Schimmel in den eigenen vier Wänden? Nein danke! Doch wird nicht richtig gelüftet, passiert das schneller, als man denkt.
picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke

von Vera Dünnwald

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und wir müssen uns warm anziehen – wortwörtlich. Denn ab Herbst 2022 sollen wir Energie und Strom sparen, um möglichen Engpässen vorzubeugen. Also: Decken raus und Heizung runterschrauben. Doch dabei gibt es ein Problem: Gerade im Herbst und Winter sollte es im heimischen Wohnzimmer nicht ZU kalt sein, da sich so vermehrt Schimmel bilden kann. Was ist also zu tun, wenn sich die unschönen Flecken dank Spar-Heizens in den eigenen vier Wänden breit machen? Welche Rechte gibt es bei Schimmelbildung? Rechtsanwältin Nicole Mutschke liefert Antworten.

Lese-Tipp: Energiesparverordnung ab 1. September: Das müssen Sie jetzt wissen!

Temperatur in Innenräumen gesenkt? Das kann Schimmelbildung begünstigen!

Wegen der Energiekrise hat die Bundesregierung bereits gemahnt, dass Bürger Energie sparen sollen, indem die Temperaturen in Innenräumen – sowohl im Privatbereich als auch in Büros – um ein bis zwei Grad gesenkt werden.

Gegenüber dem Tagesspiegel gab Dr. Heinz-Jörn Moriske, langjähriger Innenraumhygieneexperte am Umweltbundesamt, allerdings zu bedenken, dass solche starken Temperaturabsenkungen auch ein Gesundheitsrisiko darstellen können.

Denn: Es sieht nicht nur unschön aus, wenn sich im Schlafzimmer plötzlich schwarze Sprenkel oder Flecken bilden – es kann mitunter auch ganz schön gefährlich werden, wenn Sie Schimmel in Ihrer Wohnung oder im Haus haben. Experten bringen den Pilzbefall mit Lungen- und Allergieerkrankungen in Verbindung, unter anderem mit der Lungenfibrose, einer lebensgefährlichen Erkrankung, bei der das Lungengewebe vernarbt. Betroffene sollten daher stets schnell handeln, wenn Sie Sporen des lästigen Pilzes entdecken und einem weiteren Befall vorbeugen.

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Schimmel bildet sich durch fehlendes Lüften und Heizen

Oft bildet sich Schimmel, wenn nicht richtig gelüftet wird. Dann kondensiert die Feuchtigkeit aus der Raumluft an Wänden und Fenstern. Die erhöhte Feuchtigkeitsbildung resultiert beispielsweise aus trocknender Wäsche, Pflanzen – oder aber auch aus unzureichender Beheizung. Und genau DAS sollen wir kommenden Herbst und Winter tun: weniger heizen. Das Dilemma ist perfekt.

Rechtsanwältin Nicole Mutschke erklärt im RTL-Interview: „Mit der beginnenden Heizperiode tritt in vielen Wohnungen wieder vermehrt Schimmel auf. Damit verbunden ist in vielen Fällen auch der Streit, ob die Ursache dafür im Verhalten des Mieters wie durch fehlendes Lüften oder Heizen liegt – oder eben nicht. Die Lage wird sich vermutlich in diesem Jahr noch einmal deutlich verschärfen, denn Schimmel entsteht durch Feuchtigkeit und kann daher natürlich durch geringere Raumtemperaturen begünstigt werden.“

Doch ab welcher Raumtemperatur wird es problematisch? Wann muss ich damit rechnen, dass sich vermehrt Schimmel bildet? In Jahreszeiten, in denen geheizt wird, die Temperaturen auf unter 16-18 Grad Celsius zu senken, erhöht das Risiko für Schimmelbildungen in Wohnungen unter Umständen massiv. Es wird empfohlen, dass Wohnungen tagsüber nicht die Raumtemperatur von 19-20 Grad Celsius unterschreiten, nachts kann sie 18 Grad Celsius betragen.

Welche Temperaturen sollte man einhalten? Das raten Experten

Auf das potenzielle Schimmel-Problem durch weniger Heizen wurde auch vom Gesetzgeber bei der gerade beschlossenen „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch kurzfristig wirksame Maßnahmen“ aufmerksam gemacht, die seit dem 1. September 2022 und bis zum 28. Februar 2023 gilt, erklärt Mutschke. Gehe man danach, müssen Mieter zwar eine gegebenenfalls im Mietvertrag vorgesehene Mindesttemperatur nicht mehr gewährleisten und können dadurch Heizkosten sparen, aber: „Parallel dazu ist ganz klar geregelt, dass Mieter weiterhin durch angemessenes Heiz- und Lüftungsverhalten sicherstellen müssen, dass keine Schäden an der Mietsache wie durch Schimmel entstehen.“ Für Mieter ein Dilemma, das letztlich doch als eine Art Verpflichtung zum Heizen gesehen werden kann, da sie am Ende haften.

Auch Rechtsanwalt Arndt Kempgens sagt gegenüber RTL: „Ob und wie weit Vermieter überhaupt reduzieren dürfen, ist sehr umstritten. Bisher gilt bei den meisten Gerichten als Faustregel für die Heizperiode (1.10. bis 30.4.): Im Tagesverlauf mindestens 20 Grad, Nachtabsenkungen (23.00 – 06:00 Uhr) mit einer Mindesttemperatur von 18 Grad. Wenn diese Grenzen nun unterschritten werden und es zu mehr Schimmel kommt, ist der Ärger auch bei Gericht vorprogrammiert. Bereits jetzt gibt es bereits zahlreiche Gerichtsverfahren um Schimmelprobleme in Wohnungen.“

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So beugen Sie Schimmel vor

Generell gilt: Im Winter sollten Sie mehrmals am Tag lüften. Öffnen Sie die Fenster weit und versuchen Sie Kipplüftung zu vermeiden, da es zu stärkeren Energieverlusten führt. Wenn es draußen richtig kalt ist und Sie viele Stunden nicht in Ihrer Wohnung oder sogar tagelang weg sind, sollten Sie die Heizung auf gar keinen Fall komplett ausstellen, sonst kühlt die Wohnung zu stark aus und Sie brauchen viel mehr Energie, um die Zimmer am Ende wieder warm zu bekommen. Besser: Stellen Sie Ihre Heizung auf Stufe 1.