Ein Viertel hat sich noch nicht entschieden

Kurz vor der Wahl: Warum sind so viele Wahlberechtigte noch unentschlossen?

Viele sind auch kurz vor der Wahl noch unentschlossen.
Viele sind auch kurz vor der Wahl noch unentschlossen.
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14. September 2021 - 20:28 Uhr

Aktuelle RTL/ntv-Forsa-Umfrage

Knapp zwei Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl. Die Parteien haben ihre Positionen deutlich gemacht, die Kanzlerkandidaten für die Wahl sind gesetzt und erste Diskussionen über mögliche Koalitionen nach der Wahl laufen bereits. Doch die aktuelle Forsa Umfrage im Auftrag von RTL/ntv zeigt: Viele sind noch unentschlossen, wo sie ihre Kreuzchen spätestens am 26. September setzen wollen. Wer sind die, die noch nicht wissen, wen sie wählen und was ist der Grund dafür? Und wer kann davon am Ende vielleicht sogar profitieren?

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Ein Viertel aller Wahlberechtigten ist noch unentschlossen

Der Abwärtstrend der Union der letzten Wochen scheint erst einmal gebrochen zu sein. Im RTL/ntv-Trendbarometer geht es wieder leicht nach oben für Armin Laschet und die CDU/CSU. Doch die aktuelle Forsa-Umfrage bildet nicht nur die Stimmen derjenigen ab, die sich schon entschieden haben, sondern auch derer, die noch nicht wissen, wen sie wählen sollen.

Und das sind laut der repräsentativen Umfrage aktuell immerhin knapp ein Viertel aller Wähler. Und sollten gerade die sich in den letzten zwei Wochen noch für die eine oder andere Richtung entscheiden, könnten sie die Stimmenverteilung der aktuellen Umfragen noch einmal ganz schön durcheinanderbringen. Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt unter den 2.501 Befragten (Fehlertoleranz +/- 2,5 Prozentpunkte) bei 26 Prozent und damit über dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8 Prozent).

Peter Matuschek vom Meinungsforschungsinstitut Forsa erklärt, "dass wir einen Pool von Unentschlossenen haben oder auch Leuten, die dezidiert sagen, dass sie nicht Wählen gehen. Der lag immer so bei 25 Prozent, auch im Moment haben wir in etwa so diese Größenordnung in unseren Umfragen."

Warum so viel Unentschlossenheit?

Ein Lacher im Flutgebiet, Ungereimtheiten im Lebenslauf oder der Wirecard-Skandal – all das hat die drei Kanzlerkandidaten in den letzten Wochen nicht besonders gut da stehen lassen. Politik-Experte Thorsten Faas sieht auch in diesen Diskussionen einen möglichen Grund für die aktuelle Unentschlossenheit vieler Wähler: "Es geht um Personendiskussionen, es gibt die Frage: Welches Thema dominiert, die Koalitionsfrage ist sehr prominent: All das kann am Ende einen Einfluss haben, aber was es so genau sein wird am Ende, das wissen wir eben nicht und das macht es genauso spannend."

Für Parteien sei es laut Faas deshalb aktuell besonders wichtig in all der Unübersichtlichkeit Orientierung zu bieten. Gut mache das laut dem Experten im Moment vor allem Annalena Baerbock, die sich durch mögliche beziehungsweise ausgeschlossene Koalitionspartner klar positioniert hat, auch wenn ihre Chancen auf das Kanzleramt mittlerweile eher gering seien.

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Was können die Parteien noch tun?

Darüber hinaus ist es auch für den Experten schwierig vorauszusagen, wie man die Unentschlossenen noch begeistern könnte: "Da weiß man gar nicht so genau, was am Ende deren Kriterium sein wird, das sie verwenden werden, um deren Wahlentscheidung zu treffen."

Denn, dass auf der Zielgeraden jetzt nochmal etwas wirklich Neues von den Parteien kommt, sei laut Experte nicht mehr zu erwarten: "Alle Argumente sind eigentlich gemacht."

Schwierig sei es auch diese Menschen abzuholen "weil das nicht politisch – sagen wir mal - im höchsten Maße interessierte Bürgerinnen und Bürger sind." Wege wie von Tür-zu-Tür gehen, Trielle oder der Wahl-O-Mat könnten aber noch eine letzte Möglichkeit sein, um an diese Menschen heranzukommen.

Für den Politik-Experten stehen die Parteien jetzt vor der "Herausforderung zu mobilisieren, die eigenen Leute zu erreichen: Wer das auf der Zielgeraden schafft, […] für den sieht es eigentlich in knapp zwei Wochen gut aus."

Wer könnte am Ende profitieren?

Schwierig könnte das auf den letzten Metern aber auch werden, da ein Teil der Wahlberechtigten mit der Briefwahl bereits seine Entscheidung getroffen hat. "Der Kuchen, der jetzt noch zu verteilen ist über die letzten beiden Wochen, wird ja immer kleiner," sagt auch Meinungsforscher Matuschek von der Forsa.

Beide Experten sind sich einig: Unentschlossenheit führt nicht immer am Ende zu einer Wahlentscheidung, sondern manchmal auch zur Nichtwahl. Das zeigten auch die Erfahrungen aus den letzten Wahlen.

Eine Möglichkeit zur Entscheidungsfindung für die Unentschlossenen könnten aber auch die aktuellen Vorabumfragen sein. RTL-Politik-Chef Nikolaus Blome hat eine Vermutung, warum sich die Unentschlossenen am Ende dann doch schlicht auf die "Seite des Siegers" schlagen könnten, selbst wenn es den noch gar nicht gibt:

"Der Umfragestand in dem Rennen um die Kanzlerschaft hat natürlich einen Einfluss darauf, wie die Leute glauben, dass das Rennen ausgeht. Und zu einem gewissen Zeitpunkt gibt es dann viel Unentschlossene, die sich ganz instinktiv auf die Seite desjenigen schlagen, von dem sie glauben: Na, der wird schon gewinnen." (khe)

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