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RKI, EMA, STIKO & Co.

Wer hat eigentlich was zu melden bei Corona?

RKI, STIKO, EMA & Co. - durch Corona sind viele Abkürzungen aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber wer oder was steckt eigentlich dahinter?
RKI, STIKO, EMA & Co. - durch Corona sind viele Abkürzungen aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber wer oder was steckt eigentlich dahinter?
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11. März 2021 - 14:46 Uhr

von Anna Kriller

Die EMA empfiehlt, die STIKO irgendwie auch und alle richten sich nach dem RKI – oder so ähnlich? Im Zuge der Corona-Pandemie haben wir richtig viele neue Abkürzungen gelernt, hinter denen sich wiederum viele wichtige Institutionen verbergen, die etwas zum Thema Coronavirus beizutragen haben. Aber was eigentlich genau? Und wer steckt hinter den ganzen Begriffen? Ein Überblick.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Was macht eigentlich das RKI?

Aus unserem Corona-Alltag kaum mehr wegzudenken, sind vor allem drei Buchstaben: RKI. Was sich dahinter versteckt, ist das Robert Koch-Institut. Täglich veröffentlicht es die aktuellen Zahlen zu Corona-Neuinfektionen, Inzidenzwerten und Todeszahlen, ist auf Pressekonferenzen zum Thema Corona präsent, und und und.

Warum das RKI dabei so wichtig ist? Das Robert Koch-Institut ist DIE zentrale Einrichtung des Bundes im Bereich der Öffentlichen Gesundheit. Es bewertet, analysiert und erforscht Krankheiten von hoher Gefährlichkeit, weitem Verbreitungsgrad oder großer öffentlicher oder gesundheitspolitischer Bedeutung wie zum Beispiel HIV/AIDS, Influenza, Krebs, Allergien – oder eben Covid-19.

Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse berät das RKI dann die zuständigen Bundesministerien, insbesondere das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), bei gesundheitspolitischen Entscheidungen. Zusätzlich informiert und berät das RKI die Fachöffentlichkeit und immer mehr auch die breitere Öffentlichkeit.

RKI übernimmt "Antennenfunktion" - Information über Corona-Fallzahlen, Risikogebiete & Co.

Tauchen neue gesundheitliche Risiken auf – wie beispielsweise das Coronavirus – übernimmt das RKI eine Art "Antennen­funktion", quasi wie ein Frühwarnsystem. Das ist auch der Grund, warum wir schon recht früh in der Corona-Pandemie so viel seitens des RKI gehört haben. Das Institut hat unter anderem die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, eingeschätzt und Empfehlungen zu Maßnahmen wie zum Beispiel zum Tragen von Masken gegeben.

Benannt ist das Robert Koch-Institut – wer hätte es gedacht – nach Robert Koch. Der Mediziner und Mitbegründer der Mikrobiologie erforschte im 19. Jahrhundert Krankheiten und entdeckte damals, dass Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera oder Diphtherie durch Bakterien verursacht werden. 1891 wurde Koch Direktor des neu gegründeten Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten, dem heutigen Robert Koch-Institut. 1905 erhielt er den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung der Tuberkulose-Bazillen.

Wer verbirgt sich hinter der STIKO?

Beim RKI angesiedelt ist unter anderem die Ständige Impfkommission (STIKO). Sie besteht aus einem unabhängigen, ehrenamtlich arbeitenden Expertengremium mit aktuell 18 Mitgliedern aus unterschiedlichen Fachbereichen der Wissenschaft und Forschung, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und der niedergelassenen Ärzteschaft. Die Mitglieder werden alle drei Jahre vom Bundesgesundheitsministerium berufen.

Wie der Name schon vermuten lässt, gibt die STIKO Impfempfehlungen für jegliche Krankheiten, gegen die es einen Impfstoff gibt. Sie empfiehlt also zum Beispiel, wer wann gegen welche Krankheit geimpft werden sollte, um bestmöglich geschützt zu sein. Dabei stützen die Experten der STIKO ihre Impfempfehlungen auf aktuelle, wissenschaftliche Erkenntnisse und wägen sowohl den Nutzen für geimpfte Menschen als auch für die gesamte Bevölkerung ab – so auch bei der Impfung gegen das Coronavirus.

Impfplan, AstraZeneca & Co. - die STIKO in der Corona-Krise

Während der Corona-Pandemie begegnet uns die STIKO immer häufiger, seit die ersten Impfstoffe zugelassen sind. Hier haben die Experten der STIKO unter anderem empfohlen, ob ein Wirkstoff schon für Menschen ab 16 oder erst ab 18 Jahren verimpft werden sollte. Bei dem Impfstoff von AstraZeneca hatte sich die STIKO wegen fehlender Daten zu einer Wirksamkeit bei Älteren zum Beispiel zunächst für eine Altersbegrenzung von 18 bis 64 Jahren entschieden. Weil mittlerweile Daten aus England und Schottland vorliegen, die eine gute Wirksamkeit auch bei Älteren bestätigen, empfiehlt die STIKO den Impfstoff von AstraZeneca inzwischen auch für Menschen über 65 Jahre.

Weil der Impfstoff für das Coronavirus aktuell noch knapp ist, können nicht alle Menschen gleichzeitig geimpft werden. Auch hier kommt die STIKO ins Spiel. Sie überlegt sich, für wen eine frühe Impfung wichtig ist und erstellt Priorisierungsgruppen nach Alter, Vorerkrankungen und Berufsgruppen. Ihre Impfempfehlung gibt die STIKO dann an die Bundesregierung weiter. Diese wiederum orientiert sich an den Empfehlungen der STIKO bei der Erstellung ihrer offiziellen Impfverordnung.

Die Impf-Empfehlungen der STIKO gelten als medizinischer Standard und sind seit 2007 Grundlage für die Schutz­impfungs­richtlinie (SI-RL) des Ge­mein­samen Bundes­aus­schusses (G-BA). Die Folge: Die Impfungen, die die STIKO empfiehlt, werden von den ge­setzlichen Kranken­ver­sicherungen (GKV) in Deutschland übernommen, Kassenpatienten müssen dafür also nicht selbst bezahlen.

Wofür ist die EMA zuständig?

Viermal haben wir im Laufe der Corona-Pandemie schon auf Empfehlungen der Europäischen Arzneimittelagentur, englisch European Medicines Agency (EMA), gewartet – und es werden noch weitere kommen. Denn die EMA ist in der Europäischen Union (EU) zuständig für die wissenschaftliche Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln für Mensch und Tier - unter anderem eben auch für die Corona-Impfstoffe.

Die EMA und die Zulassung der Corona-Impfstoffe

Bei den Wirkstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und nun auch Johnson & Johnson hat die EMA bereits die Zulassung empfohlen. Obwohl dieser Schritt meist nur Formsache ist, entscheidet die Europäische Kommission anschließend über die endgültige Zulassung.

So wie es aussieht, könnten wir bald erneut auf ein Go der EMA, die übrigens in Amsterdam sitzt, hoffen: Aktuell prüft sie den russischen Impfstoff Sputnik V.

Was macht die WHO?

Auf internationaler Ebene ist neben der EMA vor allem die Weltgesundheitsorganisation, englisch World Health Organization (WHO), wichtig – auch in der Corona-Pandemie: Hier koordiniert sie internationale Aktivitäten wie zum Beispiel die Zusammenarbeit in der Forschung oder auch die Entwicklung von Tests, Medikamenten und Impfstoffen.

Ende Januar 2020 hat die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand wegen des Coronavirus ausgerufen und griff damit zum äußersten Mittel, das ihr möglich ist. Diesen Schritt geht die WHO nur bei außergewöhnlichen Ereignissen, bei denen die Ausbreitung einer Krankheit über mehrere Staaten droht.

Wird der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen, werden zum einen finanzielle und andere Ressourcen freigegeben. Zum anderen können damit konkrete Handlungsempfehlungen an die Mitgliedsstaaten, wie zum Beispiel Quarantänemaßnahmen oder Reisebeschränkungen einhergehen.

Das Dilemma der WHO

Im März folgte dann die Erklärung zur Pandemie – für viele Kritiker deutlich zu spät. Auch die Abhängigkeit der WHO von Mitgliedsbeiträgen der Länder wird oft bemängelt. So kann ein Land oder auch ein Unternehmen beispielsweise bestimmen, wofür seine Spenden ausgegeben werden. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus wurde die WHO zudem für ihren zu zaghaften Umgang mit einem ihrer größten Geldgeber China kritisiert.

"Das Dilemma der WHO ist, dass sie kaum Handlungskompetenzen hat. Sie darf nur aktiv werden, wenn die Mitgliedsstaaten den konkreten Maßnahmen der WHO zustimmen", erklärt Politikwissenschaftler und Entwicklungshelfer Jan Steinmann im Interview mit RTL. "Legt ein Mitgliedsstaat ein Veto ein, darf die WHO nicht agieren. Wenn beispielsweise ein Virusverdacht in einem Land auftritt, darf die WHO ohne Zustimmung des Landes keine Untersuchungen einleiten. Die notwendige Zustimmung der Mitgliedstaaten verlangsamt so die frühe Erkennung von Epidemien."

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hatte die WHO darum bereits als "Marionette" Chinas bezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht das anders. Bei ihrer Videobotschaft zur WHO-Jahrestagung im Mai sagte sie: "Die Weltgesundheitsorganisation ist eine legitimierte globale Institution, bei der die Fäden zusammenlaufen" – und das tun sie bereits seit mehr als 70 Jahren.

Das Ziel der WHO

Am 7. April 1948 wurde die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Gesundheit mit Sitz in Genf gegründet. 194 Mitgliedstaaten gehören zur WHO – unter anderem auch Deutschland.

Das erklärte Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, allen Menschen zum bestmöglichen Gesundheitsniveau zu verhelfen. Um das zu erreichen, entwickelt die WHO unter anderem Leitlinien und Standards im Gesundheitsbereich, kämpft gegen übertragbare Krankheiten wie HIV/AIDS, Tuberkulose, Hepatitis und Grippe, leistet Soforthilfen bei Katastrophen, bewertet gesundheitliche Entwicklungen und unterstützt beim Aufbau von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern – und das alles weltweit.

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