Regenbogen-Zoff in München

"Supertalent"-Sieger Marcel Kaupp: Die UEFA hat ein gründliches Eigentor geschossen

Marcel Kaupp siegte 2014 bei der RTL-Castingshow "Das Supertalent".
Marcel Kaupp siegte 2014 bei der RTL-Castingshow "Das Supertalent".
© RTL / Stefan Gregorowius

23. Juni 2021 - 23:03 Uhr

Keine Regenbogenfarben an Allianz-Arena bei Fußball-EM-Match

Darf die Münchner Allianz-Arena am Mittwoch in Regenbogenfarben erleuchten oder nicht? Von der UEFA gab's ein klares Nein: Die Statuten würden dies nicht erlauben, man sei eine politisch und religiös neutrale Organisation, teilte der europäische Fußballverband mit. Travestiestar Marcel Kaupp hat dafür kein Verständnis. "Die UEFA hat sich ein gründliches Eigentor geschossen", erklärt der RTL-"Supertalent"-Gewinner von 2014.

Stadt München wollte gegen umstrittenes Ungarn-Gesetz protestieren

Aus Protest gegen ein umstrittenes Gesetz in Ungarn wollte die Stadt München dem Stadion zum Fußball-EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn die bunte Beleuchtung verpassen. Als "Zeichen im Sinne der Weltoffenheit und Toleranz", wie es in einem offenen Brief von Oberbürgermeister Dieter Reiter an UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hieß. Das Gesetz schränkt die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität ein. Ungarns Parlament hat es letzte Woche gebilligt.

Eine Dragqueen erzählt, wie die betroffene LGBT-Community in Ungarn mit dem Gesetz umgeht.

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Marcel Kaupp redet sich in Youtube-Video in Rage

Dass Sport und Politik getrennt werden müssen, kann Marcel Kaupp nicht nachvollziehen. Der 33-Jährige, der schwul ist und unter dem Künstlernamen Marcella Rockefeller auftritt, redet sich in einem auf Youtube veröffentlichten Video in Rage. "Für mich ist diese Regenbogenflagge kein politisches Statement", sagt Kaupp. "Sie steht für Diversität, für Gleichberechtigung, für Vielfalt. Und für Menschenrechte, und die sollten selbstverständlich sein."

"Supertalent"-Sieger von 2014 setzt auf Dialog

In den Diskussionen um die Regenbogenbeleuchtung sei ihm aufgefallen, "dass viele gar nicht wissen, was abgeht", erzählt der 33-Jährige in seinem Video. "Und auch die eigene Community oftmals gar nicht weiß: Warum gehen wir denn überhaupt auf die Straße?"

Nur die Regenbogenflaggen zu zeigen, sei zu wenig. "Wir müssen auch die Heterosexuellen aufklären", fordert Marcel Kaupp. "Wir müssen miteinander reden." Er habe so in Facebook-Diskussionen auch mit jenen Menschen einen gemeinsamen Nenner gefunden, die zuvor "echt mies kommentiert" hatten.

Werden Regenbogenfarben für kommerzielle Zwecke missbraucht?

Der "Supertalent"-Gewinner von 2014 warnt aber auch vor denjenigen, die die Regenbogenfarben vor allem für kommerzielle Zwecke nutzen. "Erkundigt euch bitte erst mal, wofür diese Firmen stehen", appelliert er an seine Fans. Jeder solle prüfen, ob mit Einnahmen zum Beispiel gemeinnützige Organisationen unterstützt würden. "Nur weil Pride-Kollektion draufsteht, ist noch keine Pride-Kollektion drin", sagt Marcel Kaupp.

Im Kampf für Weltoffenheit und Toleranz setzt der 33-Jährige nicht nur auf die Unterstützung seiner Community. "Wir können jeden Heterosexuellen gebrauchen, der uns in diesem Kampf unterstützt", erklärt Kaupp. "Wir pflastern heute die Wege für die Kinder von morgen, damit die ein unbeschwerteres Leben haben."

Travestie-Star dankt Nationalkeeper Manuel Neuer

Manuel Neuer
Manuel Neuer trägt bei der EM eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben.
© imago images/ULMER Pressebildagentur, ULMER via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Am Ende seines Videos dankt Marcel Kaupp dem deutsche Keeper Manuel Neuer. Der Kapitän der Nationalelf will auch im Match gegen Ungarn mit einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben auflaufen. "Du bist der einzige Mann, der in diesem ganzen Pulk Eier beweist und diese Binde weiterhin trägt", sagt Kaupp. Und hofft, dass dies auch bei der Fußball-WM 2022 in Katar passiert. "Denn dort steht auf Homosexualität die Todesstrafe." (bst)

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