"Mach es trotzdem, München"

Regenbogen-Verbot löst Empörung aus

22. Juni 2021 - 15:07 Uhr

Viel Kritik für Absage an buntes Stadion

Der europäische Fußball-Dachverband UEFA hat Regenbogenfarben für die Münchner EM-Arena zum Gruppenfinale der Nationalmannschaft gegen Ungarn (Mittwoch, 21 Uhr) abgelehnt. Diese Entscheidung löste umgehend eine breite Protest-Welle aus. "Lasst das Stadion gefälligst leuchten!", fordert auch RTL-Politikchef Nikolaus Blome im Video oben.

Lineker: "Die können uns mal"

Die heftigen Reaktionen nach der UEFA-Mitteilung zum Regenbogen-Verbot ließen nicht lange auf sich warten. Die Botschaft von Englands Fußball-Legende Gary Lineker an die Elektrotechniker der Münchner EM-Arena war eindeutig: "Macht es trotzdem - die können uns mal", twitterte er. "Mach es, München. Mach es. Lasst das Stadion erstrahlen, damit es die ganze Welt sieht", schob er noch hinterher.

Hitzlsperger: "Sie brauchen eure Unterstützung"

Die britische Sturm-Ikone war bei weitem nicht der einzige, der mit Kopfschütteln auf die Entscheidung des europäische Verbandes reagierte.

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, der sich 2014 nach seinem Karriereende als homosexuell geoutet hatte, schrieb in Richtung UEFA: "Fühlt euch nicht vom Regenbogen beleidigt." Denkt lieber an die, die diskriminiert werden. Sie brauchen eure Unterstützung."

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Lauterbach und Böhmermann fassungslos

"Eine Enttäuschung mehr", schrieb Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD), der zuvor schon mehrmals die Austragung der Spiele in England wegen der Ausbreitung der Delta-Variante kritisiert hatte.

ZDF-Satiriker Jan Böhmermann staunte ungläubig: "Die UEFA kann Deutschland, Bayern und München die Meinungsfreiheit verbieten?"

Andere Stadien werden leuchten

Der Münchner Vorstoß richtete sich unmissverständlich gegen die Politik der rechtsnationalen Regierung Ungarns unter Ministerpräsident Viktor Orban. Diese hatte zuletzt ein Gesetz gegen "Werbung" für Homosexualität durch das Parlament gebracht und damit heftige Kritik ausgelöst.

Als Reaktion auf das Verbot der UEFA wollen nun Verantwortliche aus der Bundesliga in die Bresche springen und ihre Stadien in Regenbogenfarben leuchten lassen.

"Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga", twitterte Vorstandssprecher Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt: "Der Deutsche Bank Park schaltet zum Spiel gegen Ungarn den Regenbogen an. Das Waldstadion bleibt bunt!"

Das gleiche Vorhaben haben die Betreiber des Kölner und Wolfsburger Stadions beschlossen. "Wir begrüßen das sehr. Köln und der FC stehen für Vielfalt und Toleranz", sagte Geschäftsführer Alexander Wehrle: "Die Entwicklungen in Ungarn sind erschreckend – umso wichtiger ist es, ein Zeichen dagegen zu setzen."

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Das findet auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). "Wir als Verband finden es sehr befremdlich, wie die UEFA mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten", sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich: "Die UEFA hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt - und es ist klar zu erkennen, auf welche Seite sie sich mit ihrer Entscheidung stellt."

Die Arena in München soll trotz des UEFA-Verbots am Mittwoch bunt strahlen. Der Dachverband der deutschen Christopher Street Day's (CSD) wird mit Partnern wie Amnesty International den Fans 11.000 Fahnen zur Verfügung stellen. "Zeigen wir den LGBTIQ* in Ungarn, dass sie nicht alleine sind", hieß es in einer Erklärung: "Doch zeigen wir auch aller Welt, dass Menschenrechte für alle Menschen zu gelten haben." (msc/sid)

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