Ex-Ermittler im Interview

Fall der vermissten Rebecca Reusch ist weit davon entfernt, zum „Cold Case“ zu werden

18. Februar 2020 - 9:25 Uhr

Ex-Ermittler erklärt wie die Polizei in solchen Fällen ermittelt

"Über 11.000 vermisste Personen gibt es derzeit in Deutschland", erklärt der ehemalige Ermittler Josef Wilfling. Eine davon ist die 15-jährige Rebecca Reusch aus Berlin. Die Jugendliche verschwand am 18. Februar 2019. Bis heute ist unklar, was mit ihr passiert ist. Doch der Fall ist weit davon entfernt zum "Cold Case" zu werden, wie Wilfling im Video erklärt.

Ex-Mordermittler Josef Wilfling: „Solche Fälle trägt man jahrelang mit sich herum“

Vermisste Rebecca Reusch aus Berlin
Von Rebecca Reusch fehlt seit rund einem Jahr jede Spur.
© Privat/RTL

Er war jahrelang Leiter der Münchener Mordkommission und weiß, wie in kniffligen Vermisstenfällen ermittelt wird. "Die meisten vermissten Personen werden ganz schnell wiedergefunden", erklärt er im RTL-Interview, das seien weit über 90 Prozent. Doch es gebe eben auch Fälle, in denen die vermissten Personen nicht wiedergefunden werden.

"Solche Fälle trägt man jahrelang mit sich herum", weiß der erfahrene Ermittler. "Die lassen einen auch nicht ruhen, weil man die unbedingt klären will." Wilfling weiß, dass es Möglichkeiten gibt, Menschen für immer verschwinden zu lassen, sodass man sie nie mehr wiederfindet. Aber die Ermittler täten ihr Möglichstes, um auch in schwierigen Fällen immer neue Ansätze zu finden. "Mord verjährt nicht und darum wird kein ungeklärter Fall endgültig zu den Akten gelegt."

Angehörige wollen Gewissheit, was passiert ist

Suche nach Rebecca Reusch
In kniffligen Vermisstenfällen versuchen die Ermittler, immer wieder neue Ansätze zu finden, um den Fall zu lösen.
© dpa, Patrick Pleul, ppl

Das sei auch im Fall der vermissten Rebecca Reusch so. "Solange dieser Fall in der ersten Bearbeitung ist, solange nicht die Akten geschlossen werden, ist er aktuell", erklärt der Ex-Ermittler. Oft gäbe es auch nach Jahren noch Zeugen, die sich gut an entscheidende Details erinnern könnten. Und genau das hilft der Polizei bei ihrer Arbeit. Wie man solche Erinnerungen wieder aktivieren kann, erklärt Wilfling im Video.

Rebeccas Familie geht fest davon aus, dass das Mädchen noch lebt. Alle polizeilichen Statistiken und Wahrscheinlichkeiten sprechen aber dagegen. Gerade das mache solche Fälle für die Ermittler auch so belastend, weiß Wilfling. Man wisse, wie sehr Eltern leiden, wenn ihr Kind vermisst sei. Und während die Polizei mit Wahrscheinlichkeiten und Statistiken arbeite, wollen die Angehörigen nur eins: Gewissheit. "Diese Ungewissheit ist eigentlich das Allerschlimmste. Nicht zu wissen, wie es dem Kind geht, ob es noch lebt", erklärt der Ex-Ermittler.

Fall der vermissten Rebecca Reusch kann noch aufgeklärt werden

Rebecca Reusch ist nun seit rund einem Jahr verschwunden. Doch auch jetzt besteht noch Hoffnung, dass der Fall irgendwann aufgeklärt werden kann. Der Ermittler erzählt, dass die Polizei "erstaunlicher Erfahrungen" gemacht habe, woran sich Leute auch nach vielen Jahren noch erinnern können. Gerade erst ist es einem RTL-Experten gelungen, Videos von Rebeccas Handy wiederherzustellen. Vielleicht taucht auch im Fall Rebecca irgendwann das fehlende Puzzleteil auf, das die Ermittler auf die richtige Spur bringt.

TVNOW Doku "Wo ist Rebecca? Ein Jahr vermisst"

Wie Rebeccas Eltern jetzt ca. ein Jahr nach dem Verschwinden ihrer Tochter den Alltag bewältigen, sehen sie in der Doku "Wo ist Rebecca? Ein Jahr vermisst" auf TVNOW.