Tot im Plattenbau, mit der Schrotflinte erschossen

Fünf Morde in sechs Wochen – seltsame Häufung von Tötungsdelikten im Raum Chemnitz

20. März 2021 - 15:01 Uhr

Tötungsdelikte im Raum Chemnitz: Meist waren es Personen aus dem nahen Umfeld

Fünf Morde in sechs Wochen in einer Region – es ist eine seltsam anmutende Häufung von Tötungsdelikten in Chemnitz und Umgebung. Die Täter? Mal ist es der Ehemann, mal der Nachbar – immer Menschen aus dem nahen sozialen Umfeld.

Ein Mann erschießt sich nach der Tat

Spurensuche nach der Bluttat in Limbach- Oberfrohna.
Spurensuche nach der Bluttat in Limbach- Oberfrohna.
© imago images/HärtelPRESS, Harry Haertel via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der jüngste Fall ereignet sich Anfang der Woche in Crimmitschau. Dort wird eine 62 Jahre alte Frau von ihrem Ehemann getötet. Der 63-Jährige gesteht laut Polizei, seine Frau umgebracht zu haben. Die Menschen in der sächsischen Kleinstadt seien völlig überrascht von der Tat, sagt RTL-Reporter Frank Vacik. Ein Nachbar, der das Ehepaar gut gekannt haben will, sagt ihm, die beiden hätten sehr gut zusammengepasst, er habe nie etwas von Problemen oder Streit mitbekommen. Die Polizei bestätigt, dass der Mann in der Vergangenheit psychisch auffällig gewesen sein soll.

Das erste der Tötungsdelikte ereignet sich am 7. Februar im Chemnitzer Stadtteil Furth. Dort wird ein 34 Jahre alter Mann umgebracht. Er wird tot in einem Plattenbau in dem sozialen Brennpunkt gefunden. Genaue Umstände oder ein mögliches Motiv sind nicht bekannt.

Wenig Tage darauf eskaliert in der Kleinstadt Lichtenstein ein Nachbarschaftsstreit, als Gerd H. einen Mann mit einer Schrotflinte erschießt. Anschließend tötet H. sich selbst. Zwischen den beiden "herrschte Krieg", heißt es in lokalen Medienberichten.

Anfang März tötet in Limbach-Oberfrohna der Rentner Julius Z. (73) seinen 41 Jahre alten Stiefsohn. Medienberichten zufolge ist es der letzte Akt eines jahrelangen Streits in der Familie. Z. habe jahrzehntelang mit einer Frau zusammengelebt. Nachdem sie im Februar starb, soll der Sohn den Rentner zum Auszug aus dem Haus gezwungen haben, um es schnell verkaufen zu können.

In Chemnitz-Markersdorf finden Mitarbeiter eines Pflegedienstes am 12. März die Leiche einer 89-Jährigen in einem Mehrfamilienhaus. Dringend tatverdächtig ist ihr 84 Jahre alter Ehemann. Die Hintergründe sind unklar, der Mann wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Mehr Gewalt wegen Corona-Pandemie?

In der Coronazeit kommt es häufiger zu häuslicher Gewalt.
In der Coronazeit kommt es häufiger zu häuslicher Gewalt.
© dpa, Frank May, fm kde rho

In einem aktuellen EU-Bericht heißt es, die Pandemie habe zu mehr häuslicher Gewalt gegen Frauen geführt. So sei etwa die Zahl der Meldungen dazu in der ersten Lockdown-Woche in Frankreich um 32 Prozent und den ersten drei Wochen in Litauen um 20 Prozent gestiegen. "Irland verzeichnete einen Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt um das Fünffache, und die spanischen Behörden meldeten einen Anstieg der Meldungen um 18 Prozent in den ersten zwei Wochen des Lockdowns", so die EU-Kommission.

Nach dem ersten Lockdown hatte die Opferorganisation Weißer Ring gemeldet, dass in Deutschland die Hilferufe wegen Gewalt um zehn Prozent gestiegen seien.

Die Chemnitzer Psychologin Jane König sagt: "Sobald ein Mensch das Gefühl hat er ist irgendwie eingesperrt. Er kann sich nicht so verhalten wie er möchte, das kann natürlich zu Aggressionen führen." Es sei nicht auszuschließen, dass ein Mensch viel gestresster auf Situationen reagiere, als es unter normalen Umständen der Fall wäre.