Prozess zum Attentat auf den niederländischen Investigativ-Journalisten startet

Wer hat Peter R. de Vries ermordet?

Der Prozess um den Mord an Peter de Vries ist gestartet.
Der Prozess um den Mord an Peter de Vries ist gestartet.
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18. Oktober 2021 - 14:36 Uhr

Wie weit reicht der Einfluss der holländischen Drogenmafia inzwischen?

Es ist der 6. Juli 2021, als Peter de Vries gegen 19:30 Uhr in Richtung seines in einem Parkhaus abgestellten Autos in der Amsterdamer Innenstadt läuft. Erreichen wird er es allerdings nie. Mehrere Schüsse treffen den Journalisten, mindestens einer davon im Kopf. De Vries wird ins Krankenhaus gebracht. Neun Tage später stirbt er an seinen Verletzungen.

Der Anschlag auf den 65-Jährigen ist der dritte Mord in Zusammenhang mit dem bislang größten Prozess gegen organisierte Kriminalität in den Niederlanden. Im Zentrum der Gewalt steht ein mutmaßlicher Kokain-Pate, Ridouan Taghi, geboren in Marokko, der nicht nur den Mord an Peter de Vries in Auftrag gegeben haben soll. Der Journalist, der sich unter anderem für unschuldig Verurteilte einsetzte und im Mafia-Milieu recherchierte, betreute im Verfahren gegen Taghi zuletzt einen Kronzeugen, dessen Anwalt und dessen Bruder auch schon erschossen wurden.

Mafiastrukturen wie in Kolumbien

Mittlerweile habe die organisierte Kriminalität in den Niederlanden besorgniserregende Ausmaße angenommen, sagt Vito Shukrula. Er arbeitet seit 2014 als Strafverteidiger in Amsterdam, zu seinen Mandanten zählten immer wieder auch angebliche Mitglieder der Drogenmafia um Taghi. "Journalisten werden angeschossen, Nachrichtensender werden bombardiert, Anwälte getötet: Wo ist der Unterschied zwischen Kolumbien und den Niederlanden, außer dass wir Fahrrad fahren?", erzählt der Anwalt im RTL-Interview.

Auch darum wird es im Verfahren um den Tod von de Vries gehen. Wie weit reicht der Einfluss der holländischen Drogenmafia? Wie radikal und selbstverständlich wird Druck auf Behörden und Zeugen ausgeübt. Wie brutal werden Menschen, die sich Ihnen widersetzen, ermordet?

"Es gibt hier viele Jugendliche, wenn du denen 5.000 Euro oder eine gebrauchte Rolex gibst, dann erschießen sie einen Menschen – und es ist ihnen egal, wer das ist", so Shukrula.

Video: Hier fasst die Polizei einen Drogenequipment-Produzenten

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Erste Befragung der Angeklagten - Der mutmaßliche Mörder schweigt

Die beiden Angeklagten im Mordprozess um de Vries könnten demnach "kleine Fische" im Drogennetz von Ridouan Taghi sein. Kamil E., ein zuvor bereits per Haftbefehl gesuchter Pole, der das Fluchtauto gefahren haben soll und Delano G. ein ebenfalls polizeibekannter 22-Jähriger aus Rotterdam, der für die tödlichen Schüsse verantwortlich gemacht wird.

Bei der ersten öffentlichen Sitzung in Amsterdam berief sich Delano G. auf sein Schweigerecht. Kamil E. beteuerte seine Unschuld - er habe von dem Mord nichts gewusst.

Wichtig wird auch sein, den beiden Angeklagten ihre Verbindung zu Taghi nachzuweisen. Es wäre ein erster Schritt, die möglichen Drahtzieher zu verurteilen.(kri)