Hat der Lehrer Stefan T. getötet und gegessen?

"Kannibale von Pankow" bricht sein Schweigen vor Gericht

Der 42 Jahre alte Lehrer muss sich wegen mutmaßlichem Mord verantworten.
Der 42 Jahre alte Lehrer muss sich wegen mutmaßlichem Mord verantworten.
© dpa, Paul Zinken, sb

28. September 2021 - 22:49 Uhr

Kannibale in Berlin? Stefan R. gibt eine Erklärung ab

Ein 42-jähriger Mathelehrer soll letztes Jahr einen Mann getötet und dann Teile von ihm gegessen haben. Laut Anklage lernte Stefan R. sein Opfer Stefan T. im September 2020 über ein Dating-Portal kennen. Seine Leiche soll er wenige Stunden später in seiner Wohnung zerteilt und die übrigen Leichenteile in ganz Berlin verstreut haben. Bislang hatte Stefan R. zu den Vorwürfen geschwiegen. Heute dann der Paukenschlag: Stefan R. wies vor dem Berliner Landgericht die Vorwürfe zurück. Es treffe nicht zu, dass er seinen 43 Jahre alten Sexualpartner getötet habe.

Anwältin liest Erklärung vor: "Die Leiche muss weg"

Er habe Stefan T., der nach einem Sex-Date bei ihm übernachtet habe, am Morgen tot auf der Couch gefunden. In Panik sei er zu dem Schluss gekommen, "dass die Leiche weg muss", hieß es weiter in der Erklärung, die seine Verteidigerin vorlas. Seine sexuellen Chats kannibalistischer Art seien "reine Fantasien" gewesen.

Der Angeklagte Stefan R. soll im September 2020 in seiner Wohnung in Berlin-Pankow den 43 Jahre alten Stefan T. umgebracht haben, um durch die Tötung sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu essen. Der Deutsche habe das Opfer nur wenige Stunden zuvor über ein Dating-Portal kennengelernt.

Die Leiche soll der Lehrer anschließend noch in seiner Wohnung zerteilt und Leichenteile an verschiedenen Orten in ganz Berlin abgelegt haben. Das Opfer, ein Monteur, galt wochenlang als vermisst. Die Anklage geht von einer kannibalistisch geprägten sexuellen Tatmotivation aus.

Im Video: Was genau ist mit Stefan T. passiert?

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Stefan R. soll sein Sex-Date getötet haben. Er steht auch unter Kannibalismus-Verdacht.
© dpa, Paul Zinken, sb

Er habe den Tod des Mannes weder gewollt noch in Kauf genommen, so der Lehrer nach fast zweimonatigem Prozess. Sein Sex-Partner Stefan T. sei bereits alkoholisiert zu ihm gekommen und habe dann eine Substanz aus einem mitgebrachten Fläschchen konsumiert. Stunden später habe er ihn leblos aufgefunden und versucht, ihn zu reanimieren. Krankenwagen und Polizei habe er nicht gerufen, "weil herausgekommen wäre, dass ich homosexuell bin". Er sei bis heute nicht geoutet.

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Im Video: Was wir über den Tatverdächtigen wissen

Seit dem 18. November sitzt der in Rheinland-Pfalz aufgewachsene Verdächtige in Haft. Er war Lehrer für Mathematik und Chemie. Er galt als freundlicher und sozialer Kollege, hieß es am Rande der Verhandlung. Der Prozess ist bislang bis Ende Oktober terminiert. (dpa/kra)