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Prozess um Kannibalen aus Berlin: Das Opfer ging offenbar von Sex-Date mit Stefan R. aus

Prozess gegen Stefan R. in Berlin

Mitbewohner des Kannibalen-Opfers: „Er hat sich gefreut und war bester Laune!“

Wurde Stefan T. Opfer eines Kannibalen?
Mit diesem Foto war nach Stefan T. gesucht worden.
Polizei Berlin

Bester Freund des Opfers sagte heute vor Gericht aus

Jeans, ein kariertes Hemd und Turnschuhe – so sah Jan S. seinen Mitbewohner Stefan T. zum letzten Mal. Er brach um Mitternacht herum zu einem Sexdate auf. „Er hat sich gefreut und war bester Laune!“, erzählt Jan S. vor Gericht. Weil Stefan T. danach nicht wie sonst nach Hause kam, schrieb ihm der Mitbewohner mehrere Nachrichten – alle bleiben unbeantwortet. Am 8. November 2020 wurden von Spaziergängern Knochenteile eines menschlichen Körpers an einem Waldstück gefunden. Nun steht sein damaliges Date Stefan R. wegen Mordes und mutmaßlichem Kannibalismus vor Gericht.

Berlin: Opfer wollte zu einem Sex-Date in Berlin

Der Deutsche habe am 6. September 2020 in seiner Wohnung in Berlin-Pankow das 43-jährige Opfer «auf bislang nicht bekannte Weise» getötet, heißt es darin.
Verdacht auf Kannibalismus
sb, dpa, Paul Zinken

Das Opfer Stefan T. und Jan S. kannten sich seit 25 Jahren. Jan S. muss am Dienstag vor Gericht in dem Mordprozess aussagen. Er sei Mitbewohner und der beste Freund des 43-Jährigen gewesen, sagt er. Jetzt ist Stefan T. tot, vermutlich umgebracht von Stefan R., einem mutmaßlichen Kannibalen in Berlin-Pankow.

Jan S. erzählt, Stefan T. habe die letzten Jahre viel durchgemacht. Die Trennung von seiner langjährigen Freundin Tina und Schulden hätten ihm sehr zu schaffen gemacht. Stefan T. soll aber sehr lebenslustig gewesen sein und viele Freunde gehabt haben, malte gern, fuhr Fahrrad und schnitzte Figürchen. Am Tatabend im September hatte Stefan T. vor, ein Sexdate aus dem Internet zu treffen.

Vor dem Sex-Date sah bester Freund das Opfer zum letzten Mal

Jan S. schaute seinem Kumpel Stefan T. beim Chatten mit seinem Handy zu und sieht, wie der sich verabredet, so seine Aussage vor Gericht. „Ich hab ihn nicht danach gefragt – aus der Erfahrung wusste ich ja, was er da macht.“ Das spätere Opfer chattete erst zwei bis drei Stunden, ging dann los und traf sich mit jemandem.

Über sein Sexleben redete Stefan T. nicht viel. Er soll laut Jan S. über die Plattformen „Tinder“, „Romeo“ und „EscortBerlin“ gedatet haben. „Er hat sich mit Frauen getroffen und mit Pärchen. Mit Männern nicht. Das war mir nicht bekannt“, so der Mitbewohner vor Gericht. „Was er genau gemacht hat, kann ich Ihnen nicht sagen, ich denke aber alles im normalen Rahmen.“

Verdacht auf Kannibalismus in Berlin
Stefan R. soll sein Sexdate getötet haben. Er steht auch unter Kannibalismus-Verdacht.
sb, dpa, Paul Zinken
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Eltern des Opfers wollen wissen, was ihrem Sohn passiert ist

Der Angeklagte Stefan R. schweigt bisher. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden belastende Beweise festgestellt: „Es sind Geräte zum Zerteilen von Leichen sowie Kühlanlagen gefunden worden“, so der Ankläger. Außerdem „viel Blut des Opfers.“

Fast der gesamte Körper des Toten Stefan T. sei gefunden worden. „Man konnte feststellen, dass die Leiche zersägt wurde und bestimmte Körperteile, die bis heute fehlen, entnommen wurden“, erklärte der Staatsanwalt nach dem ersten Tag.

Seit dem 18. November sitzt der in Rheinland-Pfalz aufgewachsene Verdächtige in Haft. Er war Lehrer für Mathematik und Chemie. Er galt als freundlicher und sozialer Kollege, hieß es am Rande der Verhandlung. Der Prozess ist bislang bis Ende Oktober terminiert. Über die Eltern des Opfers sagte Nebenklage-Rechtsanwalt Sven Peitzner: „Sie wollen wissen, was ihrem Sohn passiert ist.“ (mca)