Papier des Gesundheitsministeriums liegt RTL vor

"Flatten the curve 2.0": So will Spahn uns durch den Corona-Winter retten

05. August 2021 - 10:18 Uhr

Corona-Beschränkungen bleiben auch im Herbst und Winter

Wie geht es weiter mit den Corona-Maßnahmen? Welche können dank der fortschreitenden Impfkampagne bald ganz wegfallen und welche bleiben trotzdem erhalten? Jens Spahn und das Gesundheitsministerium haben nun ein Maßnahmen-Paket entwickelt, das uns sicher durch Herbst und Winter bringen soll. All das unter dem Motto "Flatten the curve 2.0". RTL liegt das Konzeptpapier vor. Einige Einschränkungen werden uns länger erhalten bleiben als viele vielleicht dachten.

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Bericht: Maskenpflicht bis Frühjahr 2022

Maskenpflicht ade dank Impfung? Dass diese Rechnung nicht aufgeht, wissen die meisten Deutschen mindestens schon seit ihrer eigenen Impfung. Weil ein Geimpfter nämlich immer noch das Virus übertragen kann, bleibt uns die Maskenpflicht vorerst erhalten. Aber wie lange?

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Dazu hat das Bundesgesundheitsministerium nun eine Einschätzung abgegeben und die hat es in sich. Die Experten im Ministerium gehen nämlich davon aus, dass die Maskenpflicht bis "ins Frühjahr 2022" – insbesondere im öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie im Einzelhandel - erhalten bleibt. Und das gilt auch für Geimpfte und Genesene.

Hotelübernachtungen und Innengastro nur noch mit Corona-Test

Und noch einen Hammer hält das Papier bereit: Impfen und Testen verhinderten mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Personen mit hoher und damit infektiöser Viruslast einen Raum betreten, so der Bericht. "Daher sollte unabhängig von der Inzidenz ab Anfang/Mitte September 2021 die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen in ganz Deutschland generell nur unter Einhaltung der 3G-Regel (3G: geimpft, genesen oder getestet) möglich sein."

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Heißt im Klartext: Alle, die sich nicht impfen lassen wollen, werden auch weiterhin regelmäßig zur Teststation müssen, wenn sie bestimmte Aktivitäten wahrnehmen wollen. Als Beispiele werden Innengastronomie, Hotelübernachtungen, körpernahe Dienstleistungen, Sport und Veranstaltungen drinnen, Großveranstaltungen drinnen und draußen genannt. Und das Testen wird laut Konzeptpapier nicht mehr kostenlos sein. (Ausnahmeregelungen gelten für diejenigen, für die es keine uneingeschränkte Impfempfehlung gibt.)

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Die Maßnahmen aus dem Papier, das RTL vorliegt, hier noch einmal im kompakten Überblick:

  1. Impfen! Hier verweist das Ministerium auf die zuletzt beschlossenen Angebote für Kinderimpfungen und Auffrischungsimpfungen. Außerdem sind niedrigschwellige Impfangebote "Impfen to Go" geplant.
  2. AHA+L bleibt: Überall, wo in geschlossenen Räumen viele Menschen zusammentreffen, bei denen der Impfstatus nicht bekannt ist oder besonders vulnerable Gruppen zusammentreffen. Die Maskenpflicht soll außerdem bis ins Frühjahr 2022 im Nah- und Fernverkehr sowie im Einzelhandel gelten, unabhängig davon, ob jemand geimpft ist oder nicht.
  3. Quarantäne: Infizierte müssen weiter in Quarantäne, außerdem auch enge Kontaktpersonen und Einreisende aus bestimmten Risikogebieten. Für Geimpfte und genesene Personen gilt die Quarantäne-Pflicht nicht, auch bei einer Infektion mit der Delta-Variante.
  4. Testen: In Kitas und Schulen – sowie trotz hoher Durchimpfung in Altenheimen – soll weiterhin regelmäßig getestet werden. Kostenlose Bürgertests soll es ab Mitte Oktober nicht mehr geben, da alle ein Impfangebot bekommen haben. Nur für Personen, für die keine allgemeine Impfempfehlung gilt, soll es weiterhin kostenlose Tests geben. Also zum Beispiel für Schwangere oder Unter-18-Jährige.
  5. 3 Gs sind der Türöffner: Unabhängig von der Inzidenz soll ab Anfang/Mitte September die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen an die 3-G-Regel angepasst werden. Nur wer getestet, geimpft oder genesen ist, darf dann in die Innengastro, im Hotel übernachten, körpernahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen, Sport im Innenbereich machen oder an Großveranstaltungen teilnehmen.
  6. Mehr Beschränkungen für Ungeimpfte: Ungeimpfte müssen damit rechnen, dass für sie bei steigenden Zahlen andere Regeln gelten als für Geimpfte. Hier werden im Papier zum Beispiel explizit Kontaktbeschränkungen genannt. Als Inzidenzwerte wird ein Mix aus Impfquote, Inzidenz (nach Altersgruppen) und die Covid-Hospitalisierungsquote genannt.

Ministerpräsidentenkonferenz tagt am 10. August

Ob die Regelung tatsächlich so durchgezogen wird, hängt in erster Linie von der Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche ab. Denn am 10. August beraten die Länderchefs nach längerer Pause wieder mit Kanzlerin Angela Merkel darüber, wie die drohende vierte Welle der Pandemie noch einzudämmen ist. Im Mittelpunkt sollen dabei vor allem die inzwischen stockende Impfkampagne und auch erneute mögliche Einschränkungen stehen. Denn es gilt: Ein erneuter Lockdown soll ebenso vermieden werden wie Unterrichtsausfall oder gar Schulschließungen.

Vor diesem Hintergrund hatten sich die Gesundheitsminister der Länder gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erst kürzlich auf ein Impfangebot für alle Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren geeinigt. Der Beschluss der Politik war vor allem bei Experten der Ständigen Impfkommission auf teils heftige Kritik gestoßen.(dpa, sst, eku)

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