Auch an Schulen und im Impfzentrum

Gesundheitsminister beschließen Impfangebot für Kinder ab 12

03. August 2021 - 8:53 Uhr

Impfstoff für Jugendliche auch im Impfzentrum

Der Impfzug stockt und die Herdenimmunität ist noch weit entfernt. Deshalb wollen die Gesundheitsminister der Länder nun für alle Kinder ab 12 Jahren ein Impfangebot und das soll sich nicht nur auf die niedergelassenen Ärzte beschränken. Zusätzlich sollen die mobilen Impfteams nun auch gezielt Schulen und Universitäten aufsuchen. Das haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern heute einstimmig beschlossen.

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Niedrigschwelliges Impfangebot an Lernorten

Die Corona-Fallzahlen unter der jüngeren Bevölkerung steigen und steigen und das während in den ersten Bundesländern schon die Schule wieder losgeht. Um eine rasche Ausbreitung und eine vierte Welle doch noch abzuwenden, haben die Gesundheitsminister der Länder und der Bundesminister Jens Spahn heute einen strittigen Beschluss gefasst. Denn ab sofort sollen Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren auch an folgenden Orten geimpft werden können:

  • Impfzentren
  • bei Betriebsärzten (im Rahmen der Impfung Angehöriger)
  • wie bisher bei niedergelassenen Kinder-, Jugend- und Hausärzten

Junge Erwachsene sollen außerdem durch mobile Impfteams auch an ihren Ausbildungsstellen die Möglichkeit bekommen:

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  • Universitäten
  • Berufsschulen
  • Schulen
  • anderen Lernorten

Allerdings weisen die Gesundheitsminister explizit darauf hin, dass für eine Impfung von Kindern und Jugendlichen der entsprechenden Alterklassen „eine entsprechende ärztliche Aufklärung“ und eine „Zustimmung der Sorgeberechtigten“ notwendig ist.

 Alena Buyx, Vorsitzende Deutscher Ethikrat aufgenommen bei der Vorstellung des gemeinsamen Positionspapiers Wie soll der Zugang zu einem COVID-19-Impfstoff geregelt werden in der Bundespressekonferenz in Berlin. 09.11.2020. Thomas Mertens, Vorsitzen
Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission, ist gegen eine Impfung von Kindern unter 18 Jahren.
© imago images/photothek, Felix Zahn/photothek.net via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Beschlussvorlage trotz Ablehnung der Stiko

Der Beschluss der Gesundheitsminister kommt jedoch für einige Experten zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Denn trotz der Zulassung von Biontech und Moderna, hält sich die Ständige Impfkommission (Stiko) mit einer generellen Empfehlung aber noch zurück. Mehr noch: Erst am Morgen hatten sich die Impfexperten erneut gegen eine Impf-Empfehlung für 12- bis 17-Jährige ausgesprochen.

Es gebe noch zu wenige Daten zu möglichen Folgeschäden, sagt Stiko-Chef Thomas Mertens dem NDR. Ohne die notwendige Datensicherheit könne man keine generelle Impfempfehlung aussprechen. Man spüre aber den öffentlichen Druck: "Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben."

Meinung bei Kinder-Impfung gespalten

Ähnlich kritisch äußerte sich vor wenigen Wochen auch eine österreichische Medizinerin. Gegenüber "eXXpress" berichtet die Schulärztin aus Niederösterreich, dass bereits wenige Tage nach ihrer Corona-Impfung eine 15-jährige Schülerin mit Druck im Brustbereich zu ihr gekommen sei. Das Mädchen habe ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Auch ein 13-jähriger Junge hatte anscheinend schwere Impfreaktionen. Mit Atemnot und Schwäche sei auch er ins Krankenhaus gekommen. In einem Fall sei sogar eine Herzmuskelentzündung bereits bestätigt.

Als "Ausnahmefälle" bezeichnen andere Ärzte solche Reaktionen hingegen. "Ich finde die Impfung durchaus richtig. Die CDC, das amerikanische Pendant zur Stiko, sagt ganz klar, Kinder ab 12 dringend impfen, auch wegen der herannahenden Delta-Variante", so Dr. Christian Kröner.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert die Stiko auf ihre Empfehlung zu überdenken. "In Großbritannien sind bereits viele Kinder mit Covid in der Klinik. Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht", so Lauterbach in der "Rheinischen Post". Und weiter; "Die Angaben der Stiko beziehen sich immer auf alte Varianten. Die Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante ist zu riskant. Und Wechselunterricht ist keine Lösung."

23.01.2021, Baden-Württemberg, Ulm: Seniorin Ursula Neuberger hält ihren Impfpass, in dem eine Grippe-Impfung (oben) und ihre erste Corona-Impfung vermerkt sind. Die meisten Menschen über 80 Jahre leben in Deutschland zu Hause. Sie müssen sich selbst
Senioren sollen ein Angebot zur Impfauffrischung bekommen.
© dpa, Stefan Puchner, puc sab

Zusätzliche Auffrischimpfungen für Ältere

Neben der Erstimpfung für die Jüngeren haben die Gesundheitsminister heute außerdem über die ersten Dritt- oder Auffrischimpfungen für Ältere. Diese sollen wie schon im vergangenen Winter zuerst den Bewohnern von Senioren- und Pflegeeinrichtungen, sowie chronisch Kranken angeboten werden. Bisherige Studiendaten zeigten nämlich, dass "insbesondere diese Gruppen von einer Auffrischimpfung profitieren", so die Beschlussvorlage.

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Drittimpfung für Geimpfte mit AstraZeneca und Johnson&Johnson

Wer außerdem für die erste Immunisierung ausschließlich mit den sogenannten Vektorimpfstoffen – also 2x AstraZeneca oder 1x Johnson&Johnson – bekommen hat, soll ab September die Chance bekommen, sich mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Moderna) nachimpfen zu lassen. Diese Regelung soll zumindest vorerst aber nicht für diejenigen gelten, die bereits eine Kreuzimpfung (Erstimpfung: AstraZeneca + Zweitimpfung: Biontech/Moderna) bekommen haben.

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(sst)

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