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Omikron-Rätsel: Drei Theorien zur Entstehung der Virus-Variante

Im Tier, Mensch oder doch woanders?

Omikron-Rätsel: Drei Theorien zur Entstehung der Virus-Variante

Ein Symbolbild bzw. Fotomontage der Omikron-Variante des Coronavirus.
Die neue Coronavirus-Variante Omikron wurde im November erstmals in Südafrika und Botswana nachgewiesen - mittlerweile gibt es sie in vielen Ländern weltweit.
natatravel, ©natatravel 2021

Mehrere Theorien über die Entstehung der Omikron-Variante

Bislang ist noch immer nicht viel über die neue Coronavirus-Variante Omikron bekannt . Welche Folgen die Mutation für den Kampf gegen die Pandemie hat, ist noch nicht abzusehen. Zunächst in Südafrika zum ersten Mal entdeckt, hat sie sich nun in weiten Teilen der Welt ausgebreitet. Es gibt mittlerweile mehrere Theorien, wie die neue Variante entstanden sein könnte.

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Omikron wurde erstmals Anfang November nachgewiesen

Viele Wissenschaftler und Experten auf der Welt untersuchen, wie es zur Omikron-Mutation kommen konnte. Besonders der Aspekt, dass die Infektionszahlen in Südafrika so stark ansteigen, bereitet vielen Sorge. Die starken Veränderungen bei dieser Mutante in dieser Phase der Pandemie sei überraschend, sagte der Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, Jörg Timm, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Auf einmal hat das Virus einen großen Sprung gemacht. Das ist quasi ein Ausreißer."

Omikron ist aber nicht einfach so aufgetaucht. Der Stammbaum der neuen Coronavirus-Variante lässt sich mehrere Monate innerhalb der Pandemie zurückverfolgen. Das zeigen Daten der Nextstrain-Datenbank. In diese Datenbank werden die Ergebnisse von Sequenzierungen des Virus aus der ganzen Welt eingepflegt.

"Nach derzeitigem Kenntnisstand hat sich eine frühe Form von Omikron schon vor der Entstehung von Alpha und Delta als eigener Virustyp entwickelt", sagte Wolfgang Preiser von der Stellenbosch University in der Nähe von Kapstadt der Deutschen-Presse-Agentur. Er ist Mit-Entdecker der Variante. Dieser Virustyp habe sich vermutlich über viele Monate weiterentwickelt, ohne aufzufallen, so Preiser. Die ältesten bekannten Nachweise der Variante stammen aus der ersten Novemberhälfte.

Der genaue Ursprung der Omikron-Variante bleibt derzeit ein Rätsel. Es gibt allerdings verschiedene Theorien zur Entstehung:

Theorie 1: Omikron ist in einem infizierten Tier entstanden

Die erste Theorie geht davon aus, dass die Omikron-Variante schon im Frühjahr 2020, also noch zu Beginn der Pandemie, in einem infizierten Tier entstanden sein könnte. Beispielsweise könnte sich ein Nagetier mit dem Coronavirus infiziert haben. In diesem Tier konnte sich der Erreger dann festgesetzt und über einen längeren Zeitraum weiterentwickelt haben und mutiert sein.

Dass auch Tiere infiziert werden können, ist bereits seit längerem bekannt. In Dänemark wurde eine Mutation 2020 in Nerzen festgestellt. Auch viele Menschen infizierten sich mit dieser Variante. Möglicherweise verlief es bei Omikron nun ähnlich. Die Mutante wäre dann ebenfalls erst vom Menschen auf ein Tier und dann mutiert wieder zurückgesprungen.

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Theorie 2: Omikron ist in Langzeit-Infizierten entstanden

Neben der Tier-Theorie könnte die Omikron-Variante aber auch in einem Menschen entstanden sein. Forscher halten es für möglich, dass das Virus in einem über lange Zeit Infizierten entstanden und mutiert sein könnte. Der Grund: Durch die lange Infektion, ohne eine starke Immunantwort des Körpers, konnte das Virus sich in aller Ruhe weiterentwickeln und so starke Mutationen bilden. Vor allem immungeschwächten Personen werden als Möglichkeit in Betracht gezogen. Ein HIV-Erkrankter könnte das Virus beispielsweise monatelang in sich tragen. Über einen so langen Zeitraum besteht für das Virus ausreichend Zeit, um sich kräftig zu vermehren. Durch die Immunschwäche des HIV-Erkrankten wird das Virus in dieser Zeit nicht vollständig bekämpft.

„Das Virus wohnte die ganze Zeit in einer einzelnen Person“, mutmaßt Alex Sigal vom Africa Health Research Institute in Durban im „Spiegel“. Es habe sich weiterentwickelte, bis es ausreichend Mutationen hatte, „um andere Menschen infizieren zu können.“ Dann sei es ausgebrochen. Genau eine solche Entstehungsgeschichte wurde im Sommer im „British Medical Journal“ dokumentiert: Demnach habe eine 36-Jährige das Coronavirus ganze 216 Tage in sich getragen. Ihr Körper konnte es nicht besiegen, weil ihr Immunsystem durch eine schlecht behandelte HIV-Infektion geschwächt war. Gleichzeitig lernte das Virus die schwache Abwehrreaktion des Körpers kennen und stellte sich nach und nach darauf ein.

Für nicht besonders wahrscheinlich hält allerdings Adam Grundhoff vom Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie diese Theorie. Gegenüber dem RND sagte er, man könne in einem immungeschwächten Menschen, der im Krankenhaus behandelt wird, nicht diese große Zahl von Mutationen erwarten.

Theorie 3: Omikron ist weit abseits der Zivilisation entstanden

Als dritte Theorie halten es Forscher ebenfalls für möglich, dass Omikron weit abseits unserer Zivilisation entstanden sein könnte. Innerhalb einer Region, die weit weg vom Rest der Welt liegt. In einem Land mit einer stark zurückgezogenen lebenden Bevölkerung. Diese Annahme verfolgt Virologin Sandra Ciesek. In einer solchen Region werde weniger sequenziert. Das Virus sei einfach nicht entdeckt worden, so Ciesek im Gespräch mit dem „Spiegel“. „So etwas bildet sich nicht innerhalb von ein paar Tagen, sondern entsteht nach und nach“, erklärt sie im Hinblick auf die Mutationen. Virologe Christan Drosten von der Berliner Charité vermutet den Urspung von Omikron ebenfalls in dieser Theorie. Es sei eher irgendwo im südlichen Afrika entstanden und nur in Südafrika entdeckt worden, weil dort so viel untersucht werde, sagte Drosten im Science-Magazin.

 Symbolbild zur Corona-Variante Omikron
Zur Entstehung der Omikron-Variante gibt es viele Theorien.
www.imago-images.de, imago images/Martin Wagner, Martin Wagner via www.imago-images.de

Welche Theorie stimmt, ist nur schwer herauszufinden

Ob jetzt in einem Tier, einem immungeschwächten Menschen oder in einer weit abgelegenen Region – wo Omikron wirklich entstanden ist, lässt sich nur schwer herausfinden. Bislang handelt es sich bei allen Theorien um Spekulationen. Es könne auch noch ganz anders entstanden sein, so Omikron-Mitentdecker Preiser. Auch ein Mensch mit gesundem Immunsystem kann lange infiziert sein und Mutationen entstehen lassen.

Auch bei der Urspungsvariante des Coronavirus, das Ende 2019 im chinesischen Wuhan entdeckt wurde, ist noch immer nicht abschließend geklärt, auf was es zurückzuführen ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält es für "sehr wahrscheinlich", dass das Virus in Fledermäusen entstanden ist. Aber auch ein Labor-Unfall wird immer noch nicht ausgeschlossen. (evo)

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