Ösi-Politiker preist Pferde-Entwurmungsmittel gegen Corona an

Experte Dr. Specht warnt vor Ivermectin: "Zu hoch dosiert kann es tödlich sein"

Wirre Theorie: Pferde-Medikament gegen Corona? Ärzte warnen
01:24 min
Ärzte warnen
Wirre Theorie: Pferde-Medikament gegen Corona?

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FPÖ-Chef Herbert Kickl hat selbst Corona

Geht es nach FPÖ Chef Herbert Kickl, hilft ein Entwurmungsmittel für Pferde beim Kampf gegen Corona. Inzwischen ist der Österreicher selbst infiziert – ob er das von ihm angepriesene Ivermectin nimmt, ist nicht bekannt. Doch nach Angaben der österreichischen Zeitung "Der Standard" liegt in der Oststeiermark eine Frau auf der Intensivstation, weil sie eine Überdosis des Mittels eingenommen hat. Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht widerspricht im RTL-Interview Kickls These, Ivermectin könne von Menschen als Medikament gegen das Coronavirus eingenommen werden.

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Herbert Kickl
Herbert Kickl ist Chef der österreichischen Partei FPÖ.
deutsche presse agentur

Große Nachfrage nach Ivermectin in Österreich

Zumindest in Teilen Österreichs ist die Nachfrage nach dem Medikament offenbar groß. "Ivermectin ist immer wieder ausverkauft – und das, obwohl es rezeptpflichtig ist", zitieren die "Oberösterreichischen Nachrichten" den Präsidenten der Oberösterreichischen Apothekerkammer, Thomas Veitschegger.

Dr. Specht kennt die Gründe für den Hype: "Am Anfang der Pandemie hat man alle Medikamente mal untersucht, ob sie antivirale Wirksamkeiten haben können." Darunter sei Ivermectin gewesen. "Und im Labor hat man gesehen, dass dieses Mittel Viren reduzieren kann."

Dr. Christoph Specht: Hohe Dosis Ivermectin kann für Menschen tödlich sein

Dr. Christoph Spech
Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht.
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Dennoch ist das Pferdemedikament für Menschen ungeeignet. "Es gibt viele Medikamente, die im Labor ganz toll wirken, aber leider nicht beim Menschen eingesetzt werden können", erklärt Dr. Specht. "Der Grund dafür ist meistens die Dosis: Im Labor, in der Zellkultur kann man die Substanz direkt auf die Zellen träufeln und erreicht dann auch einen Effekt. Wenn man den gleichen Effekt beim Menschen haben will, muss die Dosis meistens viel höher sein. Und diese Dosis ist dann für den Gesamtorganismus giftig."

Was bedeutet: Zu hoch dosiert, würde Ivermectin den Menschen letztlich "auf anderem Weg" umbringen, wie der Experte sagt.

Herbert Kickl präsentierte "Plan B" gegen Corona

Anfang November hatte Herbert Kickl einen "Plan B" gegen das Virus vorgestellt. Es solle auf die frühzeitige Behandlung von Covid-19 statt auf Impfungen gesetzt werden, die zu viele schwere Verläufe und Todesopfer produziert hätten. Dabei erwähnte der Politiker auch Ivermectin, das gegen Corona eingesetzt werden könne.

Mit der Kampagne gegen Impfungen und für nicht empfohlene Therapien stellte er sich deutlich gegen die medizinische Lehrmeinung. Ärzte und die Regierung kritisierten Kickl deshalb wiederholt scharf. (bst)