Mutter unter Mordverdacht

Familie muss 2 Wochen in Covid-Quarantäne - dann sind ihre drei Kinder tot

22. September 2021 - 9:23 Uhr

Neuseeland: Zwillinge Maya und Karla (†2) und Schwester Liane (†6) tot aufgefunden

Als Graham D. an einem Donnerstagabend von der Arbeit in der neuseeländischen Hafenstadt Timaru nach Hause kommt, beginnt für den Orthopäden ein wahr gewordener Albtraum. Statt seinen drei kleinen Töchtern, den Zwillingen Maya und Karla (2) sowie Liane (6), einen Gute-Nacht-Kuss zu geben, findet der Familienvater nur die leblosen Körper seiner Töchter. Die mutmaßliche Täterin soll ausgerechnet ihre Mutter Lauren D. sein. Die 40-Jährige werde des Mordes beschuldigt, zitierten örtliche Medien die Polizei. Sie wurde bereits dem Haftrichter vorgeführt. Doch was ist hier genau passiert?

Neuseeland: Zwillinge Maya und Karla (†2) und Schwester Liane (†6) tot aufgefunden
Zwillinge Maya und Karla (†2) und Schwester Liane (†6)
© Facebook/Graham D.

Vater findet die Leichen seiner Töchter

"Sie waren eine ganz normale Familie, sie hatten das schönste und sauberste Haus in der Siedlung, es gab nichts Seltsames, selbst wenn sie miteinander sprachen, war es ruhig und freundlich", sagte eine Krankenhauskollegin, die mit Familie D. zusammengearbeitet hat, dem Nachrichtenportal "Stuff". Und auch sonst berichten Weggefährten der Familie nichts Auffälliges.

Nach Angaben der Polizei in der Region Canterbury, zu der Timaru gehört, stammt die Familie aus Südafrika und war erst kürzlich in Neuseeland angekommen. Der örtliche Polizeichef John Price sagte laut "Radio New Zealand", die Familie habe Freunde in dem Pazifikstaat, aber keine Verwandten. Auf der Arbeit seien Lauren und Graham jedoch beliebt gewesen. "Er ist das, was man einen wirklich netten Kerl nennen würde. Sie war eher introvertiert, ruhig, aber sehr bescheiden. Es war nicht verwunderlich, dass sie nicht viel sprach, das lag einfach in ihrer Natur." Und doch muss hier etwas gewaltig in Schieflage geraten sein. Denn die Tat ereignete sich eine Woche, nachdem sich die Familie einer zweiwöchigen Quarantäne wegen Covid-19 unterziehen musste, bevor die Familie in die Nachbarschaft ziehen konnte. Die neuen Nachbarn haben deshalb eine schlimme Vermutung: Hat der Stress in der Quarantäne mit drei Kindern Lauren D. so überfordert, dass sie zu so einer Wahnsinns-Tat fähig war?

Die Fünfköpfige Familie war erst im August aus Pretoria in den Süden von Neuseeland gezogen.
Die Familie war erst im August aus Südafrika nach Neuseeland ausgewandert.
© Facebook/Graham D.

Familie war erst im August aus Südafrika nach Neuseeland ausgewandert

Die Horror-Tat soll sich in einem Haus für Mitarbeiter des örtlichen Krankenhauses ereignet haben, für das die Eltern arbeiteten. Dem Nachrichtenportal "Stuff" zufolge soll Graham D. hier seine Töchter leblos aufgefunden und die Behörden alarmiert haben. Nachbarn in Timaru berichteten von verzweifelten Schreien, kurz nachdem er nach Hause gekommen war, und beobachteten, wie er von einem anderen Arzt, der nebenan wohnte, getröstet wurde. Wie die britische Zeitung "Daily Mail" berichtet, soll der Vater immer wieder gerufen haben: "Ist das wirklich wahr?"

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Ehemaliges Kindermädchen unter Tränen: Beide Eltern haben ihre Kinder geliebt wie niemand sonst

Mandy Sibanyoni passte auf die Kinder auf - und kann kaum fassen, was passiert ist.
Mandy Sibanyoni passte auf die Kinder auf - und kann kaum fassen, was passiert ist.
© AP

Ein ehemaliger Nachbar in Südafrika, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der "Daily Mail", das das Paar sehr "dankbar" für seine Kinder sei. "Sie liebten diese Kinder über alles. Sie waren so dankbar dafür, dass sie sie bekommen haben, weil sie Schwierigkeiten hatten, schwanger zu werden. Und als sie die Kinder schließlich bekamen, liebten sie sie", so der Nachbar. Dass die Mutter ihre Kinder getötet haben soll, passe für den ehemaligen Nachbarn nicht zusammen: "Ich weiß nicht, ob es der Stress in Neuseeland ist, der Umzug dorthin, die lange Quarantäne und all das".

Die Oma der getöteten Mädchen könne immer noch nicht begreifen, was passiert ist. "Wir sind in einem schrecklichen Schockzustand. Wir sind am Boden zerstört"; sagte sie dem Nachrichtenportal "Stuff".

Und auch das langjährige Kindermädchen des Paares in Pretoria, Mendy Sibanyoni, habe keine gestörte Familie kennengelernt – im Gegenteil: "Beide Eltern hätten ihre Kinder geliebt wie niemand sonst", sagte sie der britischen Zeitung "Daily Mail". Wie die Nanny die Kinder und ihre Eltern beschreibt, sehen Sie im Video oben.

Mysteriöser Facebook-Post der mutmaßlichen Kindermörderin

Eine Ungereimtheit dürften die Behörden jedoch in jedem Fall prüfen. Wie die "Daily Mail" berichtet, habe Lauren D. in einem Facebook-Post von März diesen Jahren auf die psychischen Erkrankungen der Hollywood-Stars Demi Lovato, Robin Williams und Carrie Fisher hingewiesen. Ein Abschnitt sei sogar rot unterstrichen gewesen: Leider leben wir in einer Welt, in der, wenn man sich einen Knochen bricht, alle kommen, um den Gips zu unterschreiben, aber wenn man den Leuten sagt, dass man depressiv ist, rennen sie weg."

Doch warum mussten Maya, Karla und Liane sterben? Hatten die 14 Tage Quarantäne tatsächlich mit dem Ableben der Kinder zu tun? Das müssen die Behörden nun herausfinden. Viele Details werden nach neuseeländischem Recht nicht an die Öffentlichkeit gegeben, so etwa die Todesursache der kleinen Mädchen. Trotzdem arbeiten die Behörden jetzt mit Hochdruck daran, diesen schrecklichen Fall aufzuklären– damit auch der Vater der drei kleinen Mädchen, Graham D., endlich Antworten für seine Fragen und damit Gerechtigkeit erfährt. (kra)

Hilfe bei Suizidgedanken

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