Nach Tod von Queen Elizabeth II.

Von wegen eiskalt! Was wir von den Royals in Sachen Trauer lernen können

König Charles III. hält seine Ansprache an die Nation und das Commonwealth nach dem Tod seiner Mutter
Gefasst und ruhig: König Charles III. hält seine Ansprache an die Nation und das Commonwealth nach dem Tod seiner Mutter.
picture alliance / empics | Yui Mok

von Diana Heuschkel

Pflichtbewusst, stoisch und unterkühlt – dieser Ruf haftet den britischen Royals an. Denn selbst in Momenten größter Trauer, wie aktuell, nach dem Tod von Königin Elizabeth II., zeigen sich die Mitglieder des britischen Königshauses niemals weinend oder sichtlich aufgelöst in der Öffentlichkeit. Doch was wenige wissen: Die Royals haben ihre ganz eigene Weise zu trauern. Und von der können wir uns sogar einiges abschauen!

Lese-Tipp: Alle Entwicklungen zum Tod von Queen Elizabeth hier im Liveticker bei RTL.de

Trauer hat viele Gesichter

Momente wie diese sind in das kollektive Bewusstsein eingebrannt: Die Prinzen William und Harry, damals noch Kinder, vergießen keine Träne, als sie 1997 hinter dem Sarg ihrer verstorbenen Mutter Diana herlaufen. Auch Queen Elizabeth ging ihren royalen Verpflichtungen nur wenige Tage nach dem Tod ihres Mannes wieder nach – und das nach 73 gemeinsamen Ehejahren. Für viele unbegreiflich. Und erst vor wenigen Tagen sprach der neu gekrönte König Charles III. bei seiner Rede an das Volk zwar von seiner großen Trauer nach dem Tod seiner „liebsten Mama“, weinend oder aufgelöst zeigte er sich dabei jedoch nicht.

Dennoch: Wir sollten die Royals nicht vorschnell als gefühlskalt abstempeln, meint Christine Kempkes, Lebens- und Trauerbegleiterin aus Oberhausen. "Nur weil wir keine Trauer sehen, heißt das nicht, dass sie nicht trauern", gibt sie im Gespräch mit RTL zu bedenken.

„Trauer ist nicht immer nach außen mit dem sichtbar, was wir mit Trauer verbinden.“ Weinen, zusammenbrechen, sozialer Rückzug oder schlechte Laune – all das seien zwar häufige, aber längst nicht alle Gesichter der Trauer, so Kempkes. Sich zum Beispiel nach einem Todesfall direkt wieder in die Arbeit zu stürzen – so wie der neu gekrönte König Charles, der nun unweigerlich seine Geschäfte als Oberhaupt der Monarchie aufnehmen muss – könne etwas Wohltuendes sein. Die tägliche Arbeit gebe Stabilität und Halt in einer Zeit großer Unsicherheit.

Die Royals trauern mit Hingebung

Ein Brief mit der Aufschrift "Mummy" zierte den Sarg der 1997 verstorbenen Prinzessin Diana.
Ein Brief mit der Aufschrift "Mummy" zierte den Sarg der 1997 verstorbenen Prinzessin Diana.
picture-alliance / dpa | Joel_Robine

Bei den britischen Royals ist das Trauern mit Hingebung sogar tief in die Familiengeschichte eingebettet: Queen Victoria (1819-1901), die Ur-Ur-Oma von Königin Elizabeth II., trug 40 Jahre lang schwarze Kleidung, nachdem ihr Gemahl Prinz Albert starb.

Eine weniger bekannte Tradition wird im britischen Königshaus bis heute fortgeführt: privat geschriebene letzte Briefe an die Verstorbenen, die mit ins Grab gegeben werden. Zuletzt wurde die Öffentlichkeit bei der Beerdigung von Prinz Philip Zeuge dieser Tradition. Neben einem Blumenkranz, einer Marinekappe und einem Schwert war auf dessen Sarg auch ein Umschlag zu sehen, mit der Aufschrift „In loving memory“ (zu Deutsch: „In liebevoller Erinnerung“). Es waren die persönlichen Abschiedsworte der Queen an die Liebe ihres Lebens. Unvergessen auch der Brief auf dem Sarg der 1997 verstorbenen Prinzessin Diana. Den Brief mit dem Titel „Mummy" hatten ihre beiden Söhnen William und Harry geschrieben.

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Rituale der "königlichen Trauer"

Entgegen der Meinung vieler lebt die royale Familie ihren Schmerz nicht nur im Privaten, sondern trägt ihn auch nach außen – durch besondere Traditionen und Trauerrituale. Denn ab dem Zeitpunkt des Todes von Queen Elizabeth II. bis zu ihrer Beerdigung, zehn Tage später, werden die offiziellen Rituale der "königlichen Trauer" durchgeführt. Neben Gottesdiensten und Gedenkfeiern besticht diese Zeit auch durch einen besonderen Ritus: Die Queen wird drei Tage im Palace of Westminster aufgebahrt, wo ihr Sarg 23 Stunden am Tag für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. So bekommt auch das Volk eine Möglichkeit, sich von seiner Königin zu verabschieden. „Das ist eine gesunde Art der kollektiven Trauer, diese Möglichkeit, sich in der Kathedrale zu verabschieden“, findet Christine Kempkes.

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Das Puzzlestück, um zu begreifen, was passiert ist

Und auch sonst könne man sich einiges von den Royals ins Sachen Trauer abschauen, sagt die Trauerbegleiterin – vor allem den persönlichen Abschied von der Verstorbenen. In Deutschland werde der Kontakt mit Toten häufig abgelehnt, erinnert sich Kempkes noch aus ihrer Zeit als Bestatterin. Dabei sei gerade das so wichtig.

"Die Queen hat bis zum Schluss noch offizielle Termine gemacht. Sie hat am Dienstag noch die Premierministerin in Empfang genommen". Besonders für die Familienangehörigen, die kurz vor dem Tod der Queen auf Anraten der Ärzte nach Balmoral gereist waren, werde es daher besonders wichtig gewesen sein, sich auch vom Leichnam ihres geliebten Familienmitglieds zu verabschieden, weiß Christine Kempkes. "Denn sonst hat man nur diese letzten Momente, wo sie gelebt hat – und irgendwann wird ein Sarg in die Erde gelassen. Und dazwischen fehlt das Puzzlestück, um zu begreifen, was passiert ist".