Nicht alle haben Anspruch auf den Impfstoff

Nach Impfempfehlung der Stiko: Wer sollte sich jetzt gegen die Affenpocken impfen lassen?

Impfpass, Impfdose, Spritze und Typ Imvanex
Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Impfempfehlung gegen die Affenpocken für Kontaktpersonen und Risikogruppen herausgegeben.
www.imago-images.de, IMAGO/Bihlmayerfotografie

von Jessica Bürger

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Impfempfehlung gegen die Affenpocken herausgegeben. Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt, worauf es jetzt ankommt.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen zu den Affenpocken finden Sie in unserem Liveticker auf RTL.de

Wer sollte sich jetzt impfen lassen?

Zuerst werden vor allem zwei Gruppen Zugang zur Affenpocken-Impfung haben: Kontaktpersonen und Risikopersonen, wobei Erstere noch einmal Vorrang vor Risikopersonen haben, laut Specht. Heißt genau: Menschen, die erstmalig Kontakt mit dem Affenpocken-Virus hatten, also alle, die nach 1976 und 1982 geboren wurden. Das waren nämlich die Jahre, in denen in der BRD und später in der DDR die Pockenimpfung nicht mehr verpflichtend war.

„Das nennt sich auch Postexpositionsprophylaxe“, erklärt Specht gegenüber RTL. Der Mensch sei dem Virus zwar schon ausgesetzt gewesen, die Erkrankung sei aber noch nicht ausgebrochen. Die Impfung wirke demnach prophylaktisch, also vorbeugend, der Erkrankung. „Die Krankheit will sich ausbreiten, doch die Impfung kann das relativ gut verhindern“, so der Allgemeinmediziner. Das gleiche Prinzip wende man zum Beispiel auch bei Tollwut-Impfungen an.

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Zu den Risikogruppen wiederum zählt die Stiko „Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben, sowie Personal in Speziallaboratorien nach einer Risikobewertung“. Das heiße natürlich nicht, dass die Affenpocken eine Affinität für homosexuelle Männer haben, stellt Specht klar. Das sei Blödsinn. Es gehe vielmehr um das Kriterium der Promiskuität, dem „Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern“, so Specht. Da die Impfung jedoch von der Verfügbarkeit des Impfstoffes abhängig sei, werden bisher erst einmal nur direkte Kontaktpersonen geimpft.

Wann ist eine Auffrischimpfung angebracht?

Eine Auffrischimpfung ist dann angebracht, wenn man zu den obigen Personengruppen zählt, jedoch bereits einmal Kontakt zum Pockenvirus hatte. Laut der Nachrichtenagentur Reuters erfolge „eine Immunisierung durch zwei Impfdosen, die in einem Abstand von mindestens 28 Tagen verabreicht werden. Für Personen, die in der Vergangenheit bereits gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine einmalige Impfung.“

„Man geht davon aus, dass auch der alte Impfstoff oder die alte Immunität noch ausreicht“, erklärt Specht. Man könne aber eben nicht zu einhundert Prozent sicher sein. Deshalb werde mit nur einem Piks nachgeimpft.

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Was wissen wir über den Impfstoff Imvanex?

Imvanex wird von dem deutsch-dänischen Biotech-Unternehmen „Bavarian Nordic“ hergestellt, das unter anderem auch den Impfstoff gegen Ebola vertreibt. Laut der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ist der Pockenimpfstoff seit Juli 2013 in der EU zugelassen. Der Impfstoff sei für Erwachsene gedacht und enthalte „eine lebende, modifizierte Form des Vacciniavirus, das mit dem Pockenvirus verwandt ist“, schreibt die EMA auf ihrer Website. „Dieser Impfstoff wird in Situationen angewendet, in denen es als erforderlich gilt, in Übereinstimmung mit offiziellen Empfehlungen gegen Pocken zu immunisieren“, heißt es weiter.

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Das Gute an diesem Impfstoff ist laut Specht, dass Imvanex nicht vermehrungsfähig sei, anders als der alte Impfstoff aus den 1970ern und 1980ern. „Den könnten immunschwache Menschen zum Beispiel nicht nehmen“, so der Medizinjournalist. Bei Imvanex rät die EMA bloß Allergikern zur Vorsicht. Der Impfstoff beinhalte unter anderem Spuren von Hühnereiweiß, Benzonase und Gentamicin, weshalb Imvanex nicht bei Patienten angewendet werden sollten, die allergisch gegen diese Bestandteile seien.

Laut der Deutschen Presseagentur ist die Impfempfehlung noch nicht gültig. „Der Beschlussentwurf der Empfehlung muss nun noch in ein sogenanntes Stellungnahmeverfahren mit den Bundesländern und beteiligten Fachkreisen“, heißt es in einer Meldung. Dann erst handele es sich um eine endgültige, offizielle Impfempfehlung.