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Affenpocken: Kann ich mich noch gegen Pocken impfen lassen?

Das sagt der Mediziner

Affenpocken: Kann ich mich noch gegen Pocken impfen lassen?

Diese elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2003, die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellt wurde, zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen.
Die Fälle von Affenpocken häufen sich. Kann und sollte ich mich jetzt impfen lassen?
vco, dpa, Cynthia S. Goldsmith

von Vera Dünnwald

Seit Corona weiß man: Impfungen sind immer noch der beste Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe. Daher liegt die Vermutung nah, dass es auch bei den gehäuften Fällen an Affenpocken-Viren nicht anders ist. Infrage dafür kommt die Pockenimpfung, die bis vor wenigen Jahrzehnten in Deutschland sogar Pflicht war.

Alles rund um die Impfung und ob man sich jetzt am besten gegen Pocken impfen lassen sollte, hat der Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im RTL-Interview erklärt.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen zu den Affenpocken finden Sie in unserem Liveticker auf RTL.de

Dr. Specht: Es gibt aktuell gar keinen geeigneten Pockenimpfstoff!

„In Westdeutschland war die Pockenimpfung bis 1976 Pflicht, in der DDR wurde diese Pflicht sogar erst im Jahr 1982 aufgehoben. Eltern mit Kindern, die jünger waren als ein Jahr, mussten diese impfen lassen“, sagt Dr. Specht gegenüber RTL. Heißt: All diejenigen, die zu der Zeit geboren wurden, „haben wahrscheinlich einen ganz guten Schutz gegen Pocken. Hier besteht eine gewisse Immunität.“ Da das Bundesgesundheitsministerium aktuell davon ausgeht, dass eine Pockenimpfung vermutlich auch gegen Affenpocken schützt, stellt sich die Frage, was nun mit all denjenigen passiert, die nach 1976 beziehungsweise 1982 geboren wurden. Sollen sie sich jetzt schnellstmöglich um ihre Impfung kümmern, wo sich die Fälle immer mehr häufen?

„70 Prozent der Bevölkerung haben bisher keinen Kontakt zur Pockenimpfung gehabt“, so der Mediziner. Aber: „Es macht keinen Sinn, sich jetzt dagegen impfen zu lassen.“ Der Grund: Es gibt gar keinen passenden Impfstoff. „Bei dem Pockenimpfstoff, der verfügbar wäre, handelt es sich um den alten von damals.“ Diesen zu nutzen sei laut Dr. Specht keine gute Idee, da „ältere Impfstoffe immer ein gewisses Risiko mit sich bringen.“ Es gebe zwar einen neuen Impfstoff, der sogar in Deutschland entwickelt wurde – doch dieser sei noch gar nicht zugelassen und somit nicht verfügbar. „Und wenn er gebraucht werden sollte, kommt er erst mal in andere Länder.“

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Und: Selbst wenn es einen geeigneten Impfstoff gäbe, sieht der Mediziner für die meisten Menschen aktuell noch keinen Anlass, sich gegen Pocken impfen zu lassen. Laut der Deutschen Presse-Agentur sei aktuell noch in fachlicher Klärung, inwieweit eine Pockenimpfung für Kontaktpersonen und Risikogruppen empfohlen werde.

Was Sie tun können, um sich zu schützen

„Pocken werden aktuell noch unter STI („Sexually transmitted infections“), also sexuell übertragbare Infektionen, geführt. Man muss daher einfach etwas mehr aufpassen und über sein Verhalten nachdenken, damit sich das Virus nicht noch weiter ausbreitet“, erklärt der Allgemeinmediziner. Heißt also auch, dass man sich im Zweifelsfall in Quarantäne begibt, sollte man beispielsweise einen Hautausschlag entdecken und sich abgeschlagen fühlen.

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Auch wenn wir alle, nach mehr als zwei Jahren Coronavirus-Pandemie, für Infektionskrankheiten sensibilisiert wurden: „Man kann Corona und Affenpocken miteinander vergleichen – aber nicht gleichsetzen. Das, was man gelernt hat, will man jetzt automatisch übertragen, wenn man Wörter wie ‘Endemie’ oder ‘Virus’ hört. Aber dazwischen liegen in dem Fall Unterschiede wie Tag und Nacht, denn man muss in der Biologie die einzelnen Erreger voneinander unterscheiden.“ Und wer wirklich Angst haben sollte: Stand jetzt sieht Dr. Specht „keine Gefahr für eine Pandemie.“