Nach Durchbruch im Panzer-Streit

Was bringt der Leopard der Ukraine?

ARCHIV - 28.04.2022, Niedersachsen, Munster: Ein Kampfpanzer der Bundeswehr vom Typ Leopard 2 A7V steht auf dem Übungsplatz. Seit Monaten wird über die Unterstützung der Ukraine mit Leopard-Panzern diskutiert. (zu dpa-Korr: «Zählen statt liefern: Noc
Noch kein Marschbefehl für Leopard-Panzer
phs nic mre, dpa, Philipp Schulze

Letztlich hat wohl der Lieferantrag Polens den Entscheidungsprozess beschleunigt. Deutschland gibt grünes Licht für die Lieferung von Leopard-Panzern an die Ukraine und will das Waffensystem auch selbst bereitstellen. Doch was macht den Leopard-Panzer eigentlich so besonders? Und kommen die Panzer jetzt noch rechtzeitig? Alle Fragen und Antworten finden Sie hier.

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Warum braucht die Ukraine den Leopard so dringend?

Vom ersten Kriegstag an hat die Ukraine die russischen Angreifer mit ihren militärischen Fähigkeiten überrascht: Der Vormarsch wurde gestoppt und im Laufe der inzwischen elf Kriegsmonate auch zurückgedrängt. Aber Russland lässt nun neue gepanzerte Kräfte für einen erwarteten großen Vorstoß aufmarschieren, bei dem die Ukraine schwere Verluste erleiden oder weitere Gebiete verlieren könnte. Der frühere Nato-General Hans-Lothar Domröse etwa erwartet, wie andere Experten auch, „eine fürchterlich blutige Frühjahrsoffensive“.

Auf Twitter betont Wladimir Klitschko die Dringlichkeit von Leopard-Panzerlieferungen an die Ukraine. Ukrainische Soldaten würden jeden Tag sterben, weil sie nicht genügend Ausrüstung hätten und ungeschützt seien. Er befürchtet ebenfalls eine neue russische Offensive im Frühling, bei der auch wieder die Hauptstadt Kiew angegriffen werden könnte. Waffen dürften nicht wieder zu spät geliefert werden, so wie es zu Kriegsbeginn der Fall gewesen sein soll.

"Chancellor Scholz must make history!", sind die eindringlichen Worte an den Bundespräsidenten. Er betont, dass Deutschland bereits viel für die Ukraine getan hätte, aber das Zurückhalten von Leopard-Panzern falsch und gefährlich sei. Nicht nur an Deutschland, sondern alle anderen Länder, die Leopard-Panzer liefern können, appelliert Klitschko: "Release the Leos!"

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Welche Kampfpanzer hat die Ukraine bisher, was können die Leopard-Panzer besser?

Die Ukraine hat aus eigenen Beständen und von Partnern („Ringtausch“) hunderte Schützenpanzer sowie Kampfpanzer aus sowjetischer Entwicklung. Darunter sind ältere Kampfpanzer wie T-72 oder T-80 und - als Beute-Panzer, von russische Truppen zurückgelassen - auch das Folgemodell T-90.

Westliche Kampfpanzer, hier vor allem der Leopard, sollen nun die Fähigkeit der Ukraine zur Offensive erhöhen, also zur Rückeroberung besetzter Gebiete. Diese Panzer sind vor allem in den moderneren Versionen dem russischen Gerät überlegen und können den Gegner im „Duell“ vielfach zerstören. Der Leopard gilt bei Fachleuten dabei in seiner jeweiligen Generation als bester Kampfpanzer weltweit.

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Gibt es noch andere Kampfpanzer, die für die Ukraine von Bedeutung sind?

Großbritannien hat schon angekündigt, den Challenger 2 an Kiew geben zu wollen. Und auch die US-Regierung soll einem Medienbericht zufolge nun doch die Lieferung von Abrams-Kampfpanzern in die Ukraine in Betracht ziehen. Für den Einsatz der Waffensysteme ist es aber von Vorteil, wenn das Gerät möglichst einheitlich ist. Für die Instandsetzung muss das Großgerät womöglich sogar wieder aus der Ukraine herausgefahren werden. So haben der Panzerbauer KMW und das deutsche Verteidigungsministerium ein Werkstattzentrum im Grenzgebiet der Slowakei zur Ukraine aufgebaut, um Systeme wie die Panzerhaubitze 2000 nach dem Fronteinsatz zu reparieren und Verschleißteile auszutauschen.

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Könnte die Bundesregierung Leopard-Panzer noch rechtzeitig zur befürchteten Frühjahrsoffensive Russlands liefern?

Die Bundeswehr hatte im Kalten Krieg mehr als 2100 Leopard 2 im Bestand, die im Zuge der Abrüstung verkauft, weggegeben oder zerstört wurden. Im vergangenen Jahr verfügte die Bundeswehr noch über 312 Leopard-2-Panzer, darunter aber kein einziges Modell der älteren Version Leopard 2A4, wie sie von Polen übergeben werden sollen. Nach RTL-Informationen wird in einem ersten Schritt eine ukrainische Kompanie mit Leopard 2A6 aus Beständen der Bundeswehr ausgestattet. Später können weitere Panzer aus den Lagern der Industrie, die aber erst noch noch einer Instandsetzung bedürfen, geliefert werden.

Rheinmetall-Chef Armin Papperger sagte dem Stern, bis Ende März seien rund 29 Kampfpanzer Leopard 2A4 einsatzbereit, die für den Ringtausch mit Tschechien und der Slowakei vorgesehen sind. Tschechien hat am Dienstag schon deutlich gemacht, dass sie nicht darauf verzichten werden.

Umfrage: Was sagen Sie zur Entscheidung, Leopard-Panzer an die Ukraine zu liefern?

Anmerkung der Redaktion: Ergebnisse unserer Opinary-Umfrage sind nicht repräsentativ.

Wie viele Leopard-Panzer stehen zur Verfügung?

Der US-Sender ABC News berichtete am Dienstag unter Berufung auf einen ukrainischen Regierungsvertreter, dass zwölf Staaten grundsätzliche Bereitschaft zur Lieferung von Leopard-Panzern signalisiert hätten, darunter auch Spanien, die Niederlande und Dänemark. Insgesamt stehe schon damit eine Zahl von 100 Leopard zur Verfügung, wird die ukrainische Seite zitiert. Die Zusicherungen seien bereits in der vergangenen Woche bei den Ukraine-Gesprächen in Ramstein gemacht worden. Nimmt man die Zahlen, müssten praktisch alle europäischen Leopard-Nutzer außer der Türkei ihre Bereitschaft signalisiert haben. Der Leopard-Hersteller Krauss-Maffei Wegmann hat bisher deutlich über 3500 Leopard 2 gebaut, wobei der Großteil von Ländern zur eigenen Verteidigung eingeplant ist. (khe/mit dpa)

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