Covid-Arm, Kopfschmerzen, Fieber & Co

Heftigere Impfreaktionen bei der 2. Impfung: Wie kann ich sie verhindern?

Vor allem bei jüngeren Menschen gibt es nach der zweiten Impfung häufiger Impfreaktionen.
Vor allem bei jüngeren Menschen gibt es nach der zweiten Impfung häufiger Impfreaktionen.
© picture alliance, picture alliance/dpa, Fabian Sommer

16. Juni 2021 - 9:57 Uhr

Nach der zweiten Dosis mRNA häufiger Impfreaktionen

Impfstoffe haben manchmal sogenannte Impfreaktionen – und das ist auch gut so. Denn die zeigen, dass unser Immunsystem auf den Impfstoff reagiert. Wer also Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen an der Einstichstelle bekommt, kann sich freuen - die Impfung funktioniert. Keine Sorge - ohne Impfreaktionen funktioniert sie auch. Nach der zweiten Dosis mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech oder Moderna können die Impfreaktionen sogar häufiger auftreten - vor allem bei jüngeren Menschen. Kann man das verhindern? Und das ist überhaupt sinnvoll?

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Finger weg von Antihistaminika!

"Schluck' Antihistaminika" oder "Wirf dir vorher Grippostad ein" - es gibt einige Tipps, die helfen sollen, Impfreaktionen zu verhindern, je nachdem, wen man fragt. Von Antihistaminika ist dabei aber generell abzuraten. Denn: Würden durch die Vorgeschichte eines Patienten allergische Reaktionen durch eine Impfung vermutet, könnten durch diese Hautreaktionen unterdrückt werden, die ein wichtiges Frühwarnsystem für eine Anaphylaxie darstellen, so der Deutsche Allergie und Asthmabund (DAAB). Eine schwere allergische Reaktion könne dann erst verspätet bemerkt werden.

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Gegen den Covid-Arm helfen Kühlpacks

"Wer nach einer Stunde keinen anaphylaktischen Schock bekommen hat, bekommt auch keinen mehr", sagt dazu Präventivmediziner Dr. Christoph Specht. Das ist die einzig bekannte schwerwiegende Folge. Ansonsten könne nach fünf bis sechs Tagen noch der sogenannte Covid-Arm auftreten: "Schwere Anschwellung, aber harmlos und kein Grund für Panik. Der Arm schwillt in der Regel von selbst wieder ab", so Specht. In diesem Falle helfen Kühlpacks in der Zwischenzeit am besten.

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"Wer Angst hat, empfindet sie tragischer"

Insgesamt ist für Specht der Umgang mit Impfreaktionen und Nebenwirkungen reine Einstellungssache. "Nebenwirkungen können passieren und das ist nicht schlimm", sagt er. "Wichtig ist, sich zu sagen, dass eine Impfung lokale Reaktionen mit sich bringt: Kopfschmerzen, Fieber oder ein geschwollener Arm können auftreten", so Specht. "Sie zeigen, dass das Immunsystem reagiert." Sie seien Ausdruck der Hauptwirkung der Impfung - und keine Nebenwirkung. "Wer Angst hat vor Nebenwirkung, bekommt sie auch und empfindet diese auch tragischer als jemand, der entspannt zur zweiten Impfung geht."

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Vorab-Einnahme von Schmerzmitteln schwächt Lerneffekt ab

Dass man sich nach der Impfung etwas krank und schlapp fühle, sei genau die beabsichtigte Reaktion des Immunsystems, erklärt auch Mediziner, TV-Moderator und Autor Eckart von Hirschhausen. "Impfen ist ein Training für den Körper." Von dem immer wieder gehörten Tipp, schon vor der Impfung vorsorglich Mittel gegen Schmerzen einzunehmen, rät von Hirschhausen tatsächlich ab: "Schmerzmittel wirken ja über die Entzündungsreaktion des Körpers." Es sei zwar noch nicht bewiesen, aber plausibel, dass die Einnahme zu vieler Schmerzmittel den Lerneffekt des Immunsystems abschwächen.

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Frühestens sechs Stunden nach Impfung zu Tabletten greifen

"Nun soll auch keiner unnötig leiden", rät er für die Zeit nach der Impfung. "Das heißt, wer starke Symptome hat, kann sich mit einem frei verkäuflichen Schmerzmittel helfen: Ibuprofen, Paracetamol." So sieht es auch Specht: "Wer Schmerzen hat, sollte frühestens sechs Stunden nach der Impfung ein Mittel einnehmen."

Impfreaktionen vs. Nebenwirkungen

Wird von der Corona-Impfung gesprochen, hört man oftmals im nächsten Satz die Frage nach den Nebenwirkungen, die man gespürt hat - oder eben nicht. Gemeint sind damit aber meist nicht Nebenwirkungen, sondern Impfreaktionen. Diese Begriffe sollte man nicht verwechseln. Der Unterschied:

Impfreaktionen sind die Reaktionen des Körpers, die direkt im Anschluss an die Impfung auftreten. Diese dauern meist nur einen Tag, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Internetseite infektionsschutz.de erklärt. Impfreaktionen sind damit Zeichen einer Immunreaktion des Körpers und deshalb unbedenklich. In den jeweiligen Aufklärungsmerkblättern, die man bei der Impfung bekommt, findet man sämtliche Impfreaktionen sowie Zahlen dazu, wie häufig diese auftreten.

Von Nebenwirkungen ist die Rede, wenn man im Zeitraum von vier bis 16 Tagen nach der Impfung ungewöhnliche Reaktionen des Körpers wie anhaltende Kopfschmerzen oder punktuell auftretende Hautblutungen feststellt. Dann sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Stellt man bei sich oder einer nahestehenden Person Nebenwirkungen fest, rät die BZgA, diese dem Paul-Ehrlich-Institut unter www.nebenwirkungen.bund.de melden. Die Meldung geht direkt an die zuständigen Bundesoberbehörden. (ija)

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