Erfahrungen einer RTL-Redakteurin

Warum man Impf-Nebenwirkungen unbedingt melden sollte

RTL-Reporterin Eileen Breuer lag nach Ihrer Corona-Schutzimpfung zwei Tage lang flach. 39,5 Grad Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen plagten sie.  Außerdem fühlte es sich an, als würde jemand ihr die Brust zusammenschnüren.
RTL-Reporterin Eileen Breuer lag nach Ihrer Corona-Schutzimpfung zwei Tage lang flach. 39,5 Grad Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen plagten sie. Außerdem fühlte es sich an, als würde jemand ihr die Brust zusammenschnüren.
© iStock/RTL, Aja Koska

19. Mai 2021 - 9:45 Uhr

Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen

Von Eileen Breuer

Endlich der erlösende Piks: Vergangene Woche ließ ich mich beim Hausarzt gegen Corona impfen. Mit leichten Nebenwirkungen hatte ich gerechnet, doch nicht damit: Neben hohem Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen litt ich unter Atemproblemen. Deshalb rief ich meinen Hausarzt an. Das ist nicht nur wichtig, um die Symptome abzuklären. Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einer Impfung sollte man auf jeden Fall melden. Das ist inzwischen mit wenigen Klicks möglich.

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Heftige Nebenwirkungen: Als säße jemand auf meinem Brustkorb

Als ich mich am vergangenen Donnerstag auf den Weg zu meinem Impftermin machte, strahlte die Sonne. Vor meinen Augen flatterten Bilder von Urlaub, Biergärten und all den weiteren Freiheiten, die mit dem kurzen Stich in den Oberarm einhergehen würden. Ich könnte meine Omi wieder in den Arm nehmen – mit einem geringeren Risiko, sie mit dem Coronavirus zu infizieren. Jede Impfung bringt uns dem normalen Leben ein Stück näher. Jede Impfung trägt dazu bei, dass weniger Menschen auf Intensivstationen liegen und dort um ihr Leben kämpfen. Dafür war ich bereit, jede Nebenwirkung in Kauf zu nehmen. Dafür war ich bereit, mich mit jedem Vakzin impfen zu lassen, auch mit AstraZeneca. Für mich überwiegt der Nutzen einer solchen Impfung definitiv den Kosten – trotz der Nebenwirkungen, die mich zwei Tage lang ausgeknockt haben.

Direkt nach der Corona-Impfung fühlte ich mich noch fit: Nicht mal mein Oberarm schmerzte an diesem Morgen. Nachmittags schlich sich das Fieber an, meine Glieder schmerzten. Bis ich dann abends kaum mehr aus dem Bett kam: Das Fieberthermometer zeigte 39,5 Grad Celsius an. Das alles waren Nebenwirkungen, die ich aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis kannte. Mit einer solchen Impfreaktion hatte ich gerechnet, doch damit nicht: Das Atmen fiel mir schwerer als sonst. Es fühlte sich an, als säße jemand auf meinem Brustkorb. Ich atmete gegen das Gewicht an. Ich ermahnte mich, tief Luft zu holen und ruhig zu bleiben. Eine Mütze Schlaf hilft, dachte ich mir und schlief ein.

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Zunächst ist eine Impfreaktion ein gutes Zeichen

Dass der Körper mit Fieber und Co. auf den verabreichten Impfstoff reagiert, ist erst mal ein gutes Zeichen. Denn die Nebenwirkungen zeigen, dass das Immunsystem auf den Impfstoff reagiert: Es bildet Antikörper und Gedächtniszellen – und die können beim Kontakt mit dem echten Krankheitserreger diesen sofort bekämpfen: "Wenn ich jetzt Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen an der Einstichstelle bekomme, dann sind das eigentlich nach Definition keine Nebenwirkungen, sondern Ausdruck der gewünschten Hauptwirkung, der Immunreaktion", erklärt Allgemeinmediziner und Medizin-Experte Dr. Christoph Specht. Nach etwa 24 Stunden erreichen die Nebenwirkungen ihren Höhepunkt, zeigt eine Studie.

Doch neben dieser Impfreaktion gibt es auch noch unerwünschte Nebenwirkungen. Wenn die Reaktion auf die Impfung über das gewünschte Maß hinaus geht, spreche man von einer Impfkomplikation, sagt Dr. Specht. Bei dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca zählen dazu zum Beispiel die selten aufgetretenen Sinusvenen-Thrombosen.

Diese Impfkomplikationen haben mich beunruhigt

Um solche Impfkomplikationen frühzeitig zu erkennen, sollten geimpfte Personen schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen: Vor allem, wenn nach der Impfung Symptome wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Arm- oder Beinschwellungen auftreten. Das rät das Paul-Ehrlich-Institut. Auch Personen, die in den Tagen nach der Impfung kleine punktförmige Einblutungen oder Blutergüsse über die Impfstelle hinaus entwickeln sowie unter starken oder anhaltenden Kopfschmerzen leiden, sollten sich bei ihrem Arzt melden. Wie lang sie Nebenwirkungen beobachten sollten, erfahren Sie hier. Ich habe mich deshalb entschieden, meinen Hausarzt zu kontaktieren.

Nebenwirkungen per App und Formular dem Paul-Ehrlich-Institut melden

Auf der einen Seite ist es für die eigene Gesundheit wichtig, Impf-Nebenwirkungen abzuklären. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum Sie Impfreaktionen melden sollten. Mit den vorliegenden Daten kann das Paul-Ehrlich-Institut nämlich die Verträglichkeit des neu zugelassenen Covid-19-Impfstoffs weiter prüfen – und das über die Zulassung hinaus: "Das Melden von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen ist eine zentrale Säule für die Beurteilung der Sicherheit von Arzneimitteln. So können zeitnah neue Signale detektiert und das Nutzen-Risiko-Profil der Impfstoffe kontinuierlich überwacht werden", schreibt das PEI auf seiner Webseite. Welche Rolle das PEI beim Impfstoff spielt, lesen Sie hier.

Dafür sind nicht nur schwerwiegende Reaktionen interessant: Auch normale Impfreaktionen sollten Geimpfte melden. Diese Optionen haben Sie:

  • Hausarzt: Wer unerwünschte Reaktionen nach der Impfung hat, kann sich an den Hausarzt wenden. Die Hausärzte melden unerwünschte Reaktionen nach der Impfung den Gesundheitsämtern – und die geben die anonymisierten Daten weiter an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI).
  • Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellt auf seiner Webseite ein Meldeformular bereit. Das können Nutzer online ausfüllen und abschicken. Aber auch ein Formular zum Ausdrucken steht bereit. Dies finden Geimpfte auf der Webseite des Paul-Ehrlich-Instituts.
  • App SafeVac des Paul-Ehrlich-Instituts: Ein weiterer Weg, Impfreaktionen zu melden, ist nur wenige Klicks entfernt. Dafür müssen Smartphone-Nutzer nur den App-Store öffnen. Das PEI hat die App SafeVac entwickelt. Geimpfte können dort digital Auskunft darüber geben, wie sie die Impfung vertragen haben. Je mehr Personen daran teilnehmen und Informationen übermitteln, desto aussagekräftiger seien die entsprechenden Daten, so das PEI.

Trotz Impfreaktion keine Reue

Auch ich meldete meine Nebenwirkungen. Die Arzthelferin am Telefon zitierte mich sofort in die Praxis. Dort hörte der Arzt meine Lunge ab und maß den Sauerstoffgehalt im Blut. Er konnte keine akute Bedrohung feststellen, aber riet mir, weiter achtsam zu sein – und im Notfall lieber zu früh den Notruf zu wählen als zu spät. Nachdem ein Arzt mich untersucht hatte, meldete ich meine Nebenwirkungen außerdem über den Online-Fragebogen des Paul-Ehrlich-Instituts.

Von Fieber, Gliederschmerzen und Co. spüre ich inzwischen nichts mehr. Und trotz der heftigen Impfreaktion bereue ich nicht, mich impfen lassen zu haben. Wer weiß, welche Folgen eine Corona-Infektion für mich gehabt hätten. Ich setze darauf, dass mein Immunsystem Antikörper bildet und ich zumindest vor einem schweren Verlauf geschützt bin. Und am meisten freue ich mich darauf, an Pfingsten meine Liebsten in den Arm zu nehmen, die alle die Impfung schon hinter sich haben.

Im Video: Wie wirken die mRNA- und Vektor-Vakzine im Körper?

Nachdem zunächst die Vakzine von Biontech und Moderna zugelassen wurden, hat die Europäische Kommission Ende Januar auch grünes Licht für den schwedisch-britischen Wirkstoff von AstraZeneca gegeben. Seit Mitte März ist noch ein vierter Impfstoff dazu gekommen – mit einer Besonderheit: denn der Wirkstoff von Johnson & Johnson braucht als einziger nur eine Dosis. Was die Impfstoffe können und wo die Unterschiede sind – das Video bietet eine Übersicht.