Drei Frauen sterben, viele Menschen verletzt

Messerattacke von Würzburg: Diese drei Freunde stellten sich dem Angreifer (24) in den Weg

28. Juni 2021 - 10:12 Uhr

Drei Tote und viele Verletzte nach Bluttat von Würzburg

Michi, Elvis (19) und Dietrich (21) kamen gerade aus der Sparkasse am Würzburger Barbarossaplatz, als sie fassungslos zusehen mussten, wie ein Mann mit einem Messer auf Passanten losging. Azubi Dietrich habe eine Frau am Boden liegen sehen und sofort gedacht: "Elvis, wir müssen was unternehmen!" Die drei Freunde zögerten nicht, packten alles, was nicht niet- und nagelfest war und stellten sich dem Angreifer in den Weg. Wie sie die Horrortat erlebt haben, erzählen die drei Freunde im Video.

Würzburg: Viele Menschen halten Angreifer in Schach, bis die Polizei kommt

Mehrere Tote bei Messerattacke in Würzburger Innenstadt - Täter durch Polizeischüsse gestoppt Reporter auf Anfahrt ANKÜNDIGUNG - Unser Reporter ist auf Anfahrt - Baden-Württemberg, 97070 Würzburg, Deutschland *** Several dead in knife attack in Würzb
Mehrere Tote bei Messerattacke in Würzburger Innenstadt - der Täter wurde durch Polizeischüsse gestoppt.
© imago images/7aktuell, 7aktuell.de Alexander Hald via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Als Helden wollen die jungen Männer nicht bezeichnet werden, was sie getan haben sei nur menschlich. "Ich bin direkt drauf losgerannt, ohne zu überlegen", sagt Bundeswehrsoldat Elvis im RTL-Gespräch. In welche Gefahr die drei sich in diesem Moment begeben haben, dämmert ihnen erst später. Der somalische Flüchtling hatte am Freitagnachmittag drei Frauen (24, 49 und 82 Jahre alt) erstochen und sieben Menschen verletzt, fünf davon lebensgefährlich – unter ihnen sind auch zwei Kinder (elf und 16 Jahre alt).

Ein Augenzeuge hatte RTL geschildert, dass der Mann gezielt Jagd auf Frauen und Mädchen gemacht habe. Eine Beobachtung, die die Polizei bei einer Pressekonferenz jedoch zunächst nicht kommentieren wollte. Der Täter wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Unklar ist bisher, inwieweit die Psyche des wiederholt auffällig gewordenen Mannes eine Rolle bei der Tat gespielt hat.

Mit Stühlen, Fahrrädern und Absperrung bewaffnet

Nach der Messerattacke in der Würzburger Innenstadt stellten viele Menschen Kerzen auf.
Nach der Messerattacke in der Würzburger Innenstadt stellten viele Menschen Kerzen auf.
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh sei

Die drei Freunde jedenfalls haben sich ihm in den Weg gestellt, ihn abgelenkt und so womöglich von weiteren Angriffen abgehalten. Dabei setzten sie sich selbst einem hohen Risiko aus. "Der Attentäter hat ihn (Elvis; Anm. d. Red.) gesehen und ist schon so mit dem Messer auf ihn draufgegangen", schildert Dietrich die Situation und zeigt, wie der Somalier das Messer auf Schulterhöhe mit der Spitze voran auf seinen Freund richtete.

Die drei hätten sich mit Stühlen, Fahrrädern und einer Baustellenabsperrung bewaffnet, um den Angreifer abzuwehren. "Dann kamen auch schon immer mehr Leute dazu." Gemeinsam schafften es die couragierten Zivilisten, den Mann in Schach zu halten, bis die Polizei ihn schließlich überwältigte. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lobte den Einsatz und die große Hilfsbereitschaft der Menschen bei einem Gedenkgottesdienst für die Opfer.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Messerangreifer soll von „Beitrag zum Dschihad“ gesprochen haben

Bei der Messerattacke in der Würzburger Innenstadt wurden zahlreiche Menschen verletzt.
Bei der Messerattacke in der Würzburger Innenstadt wurden zahlreiche Menschen verletzt, drei starben.
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand, kjh

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sieht einen "eklatanten Verdacht" auf einen islamistischen Hintergrund bei der Messerattacke von Würzburg. "Es spricht sehr viel angesichts dessen, was wir aufgefunden haben, dafür, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handeln könnte", sagte der CSU-Politiker der "Bild". Tatsächlich habe die Polizei bei der Durchsuchung der Unterkunft des 24-Jährigen in einem Obdachlosenheim etwa islamistisches Propagandamaterial und Schriften gefunden, die Hassbotschaften enthalten sollen. Außerdem habe der Verdächtige selbst von seinem "Beitrag zum Dschihad" und seinem "heiligen Krieg gegen Ungläubige" gesprochen.

Das Material wurde sichergestellt, für die Auswertung müssen die Unterlagen aber erst übersetzt werden, ebenso wie Nachrichten auf den beiden Handys des Mannes. Dafür müssten Dolmetscher gefunden werden, die bei der Auswertung von Handynachrichten oder Schriftstücken helfen könnten, erklärte ein Sprecher des Landeskriminalamtes. (cwa)