Arzt verrät Tipps gegen Heuschnupfen

Maske, Nasendusche & Co.: Das hilft wirklich bei Allergien

Der Frühling ist da - aber etwas hält uns immer von der Freude darüber ab: Heuschnupfen.
Der Frühling ist da - aber etwas hält uns immer von der Freude darüber ab: Heuschnupfen.
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15. Juni 2021 - 9:37 Uhr

Endlich wieder raus in die Sonne! Wenn da nicht die Allergie wäre...

Die Nase kitzelt, der Hals kratzt, die Augen tränen und der ganze Körper fühlt sich schlapp, träge und müde an: Es ist Allergiezeit. Die Gräser blühen, die Pollen fliegen und am liebsten würden wir uns drinnen verkriechen. Und das ausgerechnet jetzt, wo wir nach dem langen, tristen Corona-Herbst und -Winter endlich wieder Zeit in der Sonne verbringen wollen. Was also, wenn uns zu Hause die Decke auf den Kopf fällt und wir uns zum Spazierengehen oder Joggen in den Park, den Wald oder an den See trauen? Allgemeinmediziner Prof. Dr. Thomas Kurscheid weiß, wie wir den Pollenflug in diesem Jahr und in Zukunft überstehen.

Pollenflug verschlimmert sich von Jahr zu Jahr

Grafik: Zu diesen Zeiten ist die Pollenbelastung besonders hoch.
Zu diesen Zeiten ist die Pollenbelastung besonders hoch.
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Jedes Jahr leiden Allergiker unter dem Pollenflug im Frühjahr. Die Allergie an sich ist eine Überreaktion des Immunsystems auf die eigentlich harmlose Polle. Vor allem in den letzten Jahren wurden Allergiegeplagte aber auf eine besonders harte Probe gestellt, denn der Pollenflug ist stärker geworden.

Die Gründe: "Es wird immer wärmer und das Frühjahr fängt immer früher an", erklärt Kurscheid im Interview. Und das wird in den nächsten Jahren aufgrund des Klimawandels voraussichtlich auch nicht besser. Hinzu kommen immer mildere Winter, die dafür sorgen, dass die Knospen viel früher aufgehen.

Welche Pollen wann und wo unterwegs sind, verrät unsere Pollenflugkarte.

Was hilft bei Allergie? Tipps vom Mediziner

Beugen Sie vor!

RTL NEWS empfiehlt

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  • Draußen: Machen Sie nur draußen Sport, wenn es gerade geregnet hat oder tragen Sie eine Atemmaske. Um die Pollen bei Allergiebeschwerden herauszufiltern, reicht hier aber keine selbstgemachte Stoffmaske. Für den gewünschten Effekt sollte es eine FFP2-Maske sein, rät Kurscheid.
  • Drinnen: Installieren Sie in Ihrer Wohnung einen Luftwäscher. Dieser "wäscht" die Luft im Raum immer wieder durch Wasser. Pollen werden so herausgefiltert. Außerdem können Sie die Pollen selbst aus Ihrer Nase waschen - mit einer Nasendusche.
  • Vorm Zubettgehen: Waschen Sie abends immer Ihre Haare, damit die Pollen, die sich darin verfangen haben, nicht mit ins Bett gehen. Zudem sollten Sie Ihre Straßenkleidung nicht offen im Schlafzimmer lagern, da sich auch darin über den Tag Pollen verfangen.
  • Weiterhin sollten Sie öfter staubsaugen und weitestgehend auf Teppiche verzichten. Darin können sich Pollen nämlich festsetzen, die dann immer wieder aufgewirbelt werden, wenn man über den Teppich läuft.

Allergie auf Dauer loswerden:

  • Um die Allergie auf Dauer loszuwerden, hilft leider nur eins: die Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung. Hierbei werden die Pollen über Jahre in geringer Dosis in den Körper gespritzt, damit sich dieser daran gewöhnt. Die Erfolgschancen liegen bei 80 Prozent, so Kurscheid. Die Therapie wird von den Krankenkassen übernommen.

Diese Medikamente können Linderung verschaffen

Sind die Beschwerden schon vorhanden, können Sie diese mit speziellen Allergie-Nasensprays und Allergie-Tabletten mildern. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten, was zu Ihren Symptomen passt. Denn je nach Schwere gibt es unterschiedliche Mittel.

Los geht es mit den Antihistaminika als Tablette, Nasenspray oder Augentropfen. Diese bekämpfen vor allem den Juckreiz, Niesen und Naselaufen, erklärt Prof. Jörg Kleine-Tebbe, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). Spätestens wenn die Nase dauerverstopft ist, und noch andere Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten hinzukommen, ist es damit aber nicht mehr getan.

Kleine-Tebbe empfiehlt dann Nasensprays mit Cortison: "Das hat noch immer einen schlechten Ruf", sagt er. "Lokal in die Nase gesprüht, gibt es aber die gefürchteten Nebenwirkungen gar nicht." Cortison-Tabletten verschreiben Ärzte dagegen nur in schweren Einzelfällen. Und Cortisonspritzen ins Gesäß, die es früher gab, werden heute nicht mehr empfohlen.

Sinnvoll kann aber sein, Cortison-Sprays und Antihistaminika gemeinsam anzuwenden oder Kombinationspräparate einzunehmen, so der Experte – das verknüpft die eher langsame, anhaltende Wirkung des Cortisons mit der Akutwirkung der Antihistaminika. Wermutstropfen dabei: Das wird eventuell teuer. Denn Cortison-Sprays und Antihistaminika sind meistens rezeptfrei, die Krankenkassen zahlen dafür nur noch in schweren Ausnahmefällen.

Video: Pollenallergie - das sollten Sie beachten

Haben Sie eine Allergie?

Allergien entwickeln sich oft erst im Laufe unseres Lebens. Ob Sie eine Allergie haben oder anfällig dafür sind, in Zukunft eine zu bekommen, können Sie in unserem Test überprüfen.

Allergie oder Corona?

Gerade in der aktuellen Corona-Krise fragt man sich bei allergieähnlichen Beschwerden schneller mal, ob es sich nicht doch um eine Infektion mit dem Coronavirus handeln könnte. Woran Sie erkennen, ob Sie eine Allergie oder das Coronavirus haben, erklärt Prof. Dr. Kurscheid im Video. Weitere Unterschiede erklärt Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht hier. (dpa/RTL)