Wirbel um Nyke Slawiks "Entfremdung"

Lützerath: Grünen-Politikerin stimmt Räumung zu - und demonstriert jetzt dagegen!

Grünen-Politikerin Nyke Slawik 2021 bei einem Wahlkampf-Auftritt für die Kölner Grünen.
Zuerst dafür - nun dagegen. Grünen-Politikerin Nyke Slawik äußert sich nicht nur auf Twitter kritisch zu der Räumung des Braunkohledorfes Lützerath.
Christoph Hardt, picture alliance

Der Konflikt um die Räumung des kleinen Braunkohle-Dörfchens Lützerath in NRW wird zur Zerreißprobe für die Grünen. Den persönlichen politischen Überzeugungen steht nun die Partei-Politik im Bundestag gegenüber. Doch die Kritik der Grünen-Politikerin Nyke Slawik auf Twitter stößt manchen sauer auf: Die Politikerin wettert online gegen die Räumung Lützeraths, der sie selbst zugestimmt hatte. Online hagelt es Kritik für diese Doppelmoral!

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Auf Twitter rechnet die Grünen-Politikerin Nyke Slawik ab: "Ich habe mich entfremdet"

Es klingt fast wie ein Statement nach einer Trennung. Doch die Grünen-Abgeordnete schreibt auf Twitter nicht etwa über eine in die Brüche gegangene Liebe. Es ist mehr eine Abrechnung – mit der eigenen Politik. Sie habe sich entfremdet, von der Räumung Lützeraths und dem Deal mit RWE, schreibt die 29-Jährige. Massive Kritik an der eigenen Partei und dem Kompromiss, den die Grünen-Politiker Robert Habeck und Mona Neubauer präsentiert hatten.

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Kritik an der Partei - auch an sich selbst?

Im Twitter-Thread schreibt Nyke Slawik weiter, dass es ein Erfolg für ihre Partei und die Klimabewegung sei, dass der Kohleausstieg in Westdeutschland auf das Jahr 2023 vorgezogen wurde – der Abbau der Kohleschichten unter Lützerath sei aber „weder gesellschaftlich noch wissenschaftlich zeitgemäß“. Die Abmachung mit RWE, so fährt sie fort, sei vor fünf bis zehn Jahren noch ein „guter Deal“ gewesen, doch die Klimakrise sei zu weit fortgeschritten, um sich jetzt noch damit zufriedenzugeben. Ihre Abrechnung beendet sie mit „Wir sehen uns am Samstag in Lützerath. Sprecht mich gerne an. #AlleDörferBleiben“.

Auch wenn einige zustimmend kommentieren, so wie dieser Twitter-User: „Danke für deine sachlich-kritischen Worte, Nyke“, so manch ein Twitter-Follower bleibt nach ihren Tweets ratlos zurück. Denn: Nyke Slawik hat erst im Dezember 2022 im Bundestag selbst für den vorgezogenen Braunkohleausstieg und damit für die Abbaggerung der Kohle unter Lützerath gestimmt.

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Auch die Grüne Jugend steht nicht geschlossen hinter den Entschlüssen ihrer „Mutter-Partei“. Der Landessprecher der Grünen Jugend NRW, Rênas Sahin, sieht in Lützerath mehr als nur „ein bloßes Symbol“ und fordert den Erhalt Braunkohle-Dorfes. „Die Entscheidung Lützerath abzubaggern, ist eine Entscheidung gegen das Klima. Mitten in der Klimakrise ein weiteres Dorf der Kohle zu opfern, ist falsch und Klima-politisch fatal. Die Verfeuerung der Kohle unter Lützerath bedroht unsere Klimaziele ganz massiv. Zudem gefährdet die drohende Räumung den sozialen Frieden in der Region“, so der Nachwuchs-Politiker.

Es ist ein Konflikt, der öffentlich ausgetragen wird. Bundessprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, äußerte sich im ZDF-„Morgenmagazin“ zum Konflikt mit den Grünen. Viele Wähler und Aktivisten vor Ort in Lützerath seien von der Partei enttäuscht. „Wir haben eine Schlagzeile nach der nächsten, dass wir unsere Klimaziele in jedem Bereich eigentlich reißen“, so Heinrich.

Die Baumhäuser im Kohle-Dorf fallen Räumung von Lützerath
00:34 min
Räumung von Lützerath
Die Baumhäuser im Kohle-Dorf fallen

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Der Zweck heiligt die Mittel: Grüne Erklärungsversuche

Es ist keine leichte Situation für die Grünen: Auch wenn sie, wie die Aktivisten vor Ort, das Klima schützen wollen, so betonen viele die Rechtmäßigkeit der Vereinbarungen mit RWE. Nordrhein-Westfalens Grüner Umweltminister Oliver Krischer äußerte gegenüber dem WDR sein Bedauern über die Räumung von Lützerath: „Das ist eine schwierige Zeit, der Umweltminister schläft schlecht, weil mir das weh tut“.

Den mangelnden Schlaf nimmt er wohl in Kauf – Hauptsache, es werde mit der Abbaggerung von Lützerath „das letzte Kapitel beim Kohleausstieg in NRW geschrieben“, so Krischer. (sso/dpa)

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