Neue Studie aus Heidelberg

Long Covid: Nur 23 Prozent aller Patienten nach einem Jahr symptomfrei

In einer Fachklinik für Neurologie sprechen der Chefarzt und eine Sporttherapeutin mit einem Long-Covid-Patienten das Trainingsprogramm auf einem Ergometer ab.
In einer Fachklinik für Neurologie sprechen der Chefarzt und eine Sporttherapeutin mit einem Long-Covid-Patienten das Trainingsprogramm auf einem Ergometer ab.
© picture alliance, dpa, Waltraud Grubitzsch

08. Juli 2021 - 13:55 Uhr

Erste Erfolge im Kampf gegen Long Covid

Wie ernst ist die Gefahr, die von Long Covid ausgeht? Fest steht: Krankenkassen und Krankenhäuser melden eine stete Zunahme an Fällen, Experten erwarten für die Zukunft einen relevanten Bedarf nach Rehabilitation für Long-Covid-Patienten. Während es auf der einen Seite aus der Medizin Erfolgsmeldungen gibt, was die Ursachen und die Heilung der bei rund 20 Prozent aller Covid-Fälle auftretenden Langzeitfolgen angeht, schreckt auf der anderen eine neue Studie aus Heidelberg auf: Demnach war nur etwas mehr als ein Fünftel der Long-Covid-Patienten, die von den Forschern beobachtet wurden, nach einem Jahr ganz symptomfrei.

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Langfristige Beobachtung von fast 100 Patienten

Von Long Covid sprechen Mediziner, wenn die Symptome der Erkrankung noch über drei Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion bestehen bleiben. Um den Langzeitverlauf und ursächliche Zusammenhänge der Symptome besser zu verstehen, haben Forscher um Medizinerin Jessica Seeßle vom Universitätsklinikum Heidelberg eine Gruppe von 96 Covid-19-Patienten für eine vorausschauende Studie langfristig beobachtet. Bei allen lag die Erkrankung mindestens 5 Monate zurück. 32,3 Prozent wurden hospitalisiert, knapp mehr als die Hälfte waren Frauen. Untersucht wurden antinukleäre Antikörper (ANA), der Sars-CoV-2-Antikörperspiegel und die allgemeine Lebensqualität der Patienten. Antinukleäre Antikörper sind Autoantikörper, die das Immunsystem gegen Kernbestandteile der eigenen Körperzelle bildet.

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Kurzatmigkeit, Konzentrationsprobleme, Wortfindungsprobleme

Das Ergebnis der Studie: Nach zwölf Monaten waren nur 22,9 % der Patienten völlig frei von Symptomen. Die häufigsten Symptome waren verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Konzentrationsprobleme, Wortfindungsprobleme und Schlafprobleme. Frauen zeigten dabei signifikant mehr neurokognitive Symptome als Männer. Die Forscher schlussfolgern: Neurokognitive Long-Covid-Symptome können mindestens ein Jahr nach Beginn der Symptome bleiben und die Lebensqualität der Patienten erheblich reduzieren. Sie stehen wahrscheinlich mit den gefundenen hohen ANA-Werten in Zusammenhang, was auf eine Autoimmunerkrankung hinweist. Zum gleichen Ergebnis kamen Forscher des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin.

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Kritiker bemängeln die geringe Fallzahl

"Wer nach fünf Monaten noch Symptome hat, behält sie meist ein Jahr", kommentiert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Studie auf Twitter. "Wortfindungs- und Konzentrationstörungen zeigen, wie stark das Gehirn betroffen ist. Tote sind nicht alles was zählt." Auch der ehemalige Direktor der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC, Tom Frieden, teilte die Studie in dem sozialen Netzwerk. Kritiker bemängeln die geringe Fallzahl und die hohe Anzahl hospitalisierter Patienten. Allerdings seien Forschungsergebnisse zu Long Covid im Hinblick auf Kinder, die die Symptome nicht gut artikulieren könnten, genau zu beobachten.

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Long-Covid-Patient mit Herzmedikament geheilt

Auf der Suche nach den Ursachen des Long-Covid-Phänomens vermeldete die Max-Planck-Gesellschaft Ende Juni einen Erfolg: Forscherinnen und Forscher vom Max-Planck-Zentrum für Physik und Medizin in Erlangen sei es gelungen, die wahrscheinlichen Gründe der Symptome zu identifizieren. Sie stellten fest, dass eine Covid-19-Erkrankung die Größe und Beschaffenheit roter und weißer Blutkörperchen deutlich verändert – und das auch teilweise über Monate hinweg. Den Medizinern gelang es in der Folge auch, einen Long-Covid-Patienten mit einen Herzmedikament erfolgreich zu therapieren. (ija)

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