Laura Sophie Dornheim im RTL-Interview

Grünen-Politikerin über ihren Schwangerschaftsabbruch: „Das war kein Kind, das war eine befruchtete Zelle“

Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim über ihre Abtreibung: "Das war kein Kind, das war eine befruchtete Zelle."
Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim über ihre Abtreibung: "Das war kein Kind, das war eine befruchtete Zelle."
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05. Juni 2021 - 9:09 Uhr

Bundestagskandidatin Laura Sophie Dornheim spricht über ihre Abtreibung

Die 37-jährige Grünen-Politikerin und Managerin Laura Sophie Dornheim ist bereits Mutter eines Kindes und aktuell im 9. Monat schwanger. Sie hat bereits einen Schwangerschaftsabbruch hinter sich: Bei einem gynäkologischen Vorsorgetermin im März 2015 wurde ihre Schwangerschaft festgestellt, obwohl sie verhütet hat. Sie fiel aus allen Wolken und entschied sich – nach langem Überlegen – gegen das Kind.

Wieso sie ihre Entscheidung bis heute nicht bereut, hat sie uns im RTL-Interview erklärt.

Warum die Grünen-Politikerin ihre Entscheidung nicht bereut

Dass Laura Sophie Dornheim geschockt war, als sie das erste Mal, bei einer Routine-Untersuchung, von ihrer nicht-geplanten Schwangerschaft erfahren hat, liegt auf der Hand. Damit habe sie "überhaupt nicht gerechnet", es folgte ein Auf und Ab der Gefühle. Sie entschied sich jedoch für einen Abbruch und machte dafür den doch recht langwierigen Prozess mit: Beratungsstelle suchen, Termin ausmachen, Beratungsschein besorgen, sich dem engsten Umfeld anvertrauen und vor allem viel nachdenken. Besonders die Tatsache, dass sie sich bei einer fremden Person "intimst" offenbaren musste, missfiel der Wahl-Berlinerin sehr.

Trotzdem bereut sie ihre Entscheidung nicht. Stellt sie sich manchmal vor, was aus dem Kind geworden wäre? Nein. Für Laura spielt das keine Rolle, denn: "Das war kein Kind, das war eine befruchtete Zelle." Auch wenn die Entscheidung alles andere als leicht war, hat sie sie für sich getroffen – so verantwortungsvoll und so selbstbestimmt wie möglich. Den Rest ihres Lebens wird der Entschluss nicht bestimmen, da es für sie richtig war.

Mythos: Nach einem Abbruch kann man nicht mehr schwanger werden

Viele Frauen haben Angst davor, nach einem vergangenen Schwangerschaftsabbruch nicht mehr schwanger werden zu können. Das ist jedoch ein Mythos. Auch Bundestagskandidatin der Grünen, Laura Sophie Dornheim, beweist das Gegenteil: Sie ist bereits Mutter und erwartet in Kürze ihr zweites Kind. Auf eine spätere (Wunsch-)Schwangerschaft hat ein Abbruch keine Auswirkungen.

Trotzdem gibt es ein großes Problem. In Deutschland erfolgen die meisten Abtreibungen operativ, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon lange empfiehlt, dass Schwangerschaftsabbrüche bis zur 9. Woche medikamentös vonstattengehen sollten. Der Grund: Dabei handelt es sich um einen kleineren Eingriff und es besteht ein niedrigeres Risiko im Vergleich zu einer OP.

Lese-Tipp: Wann ist ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt - und was macht er mit dem Körper?

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Was passiert, wenn sich nichts ändert?

Auf die Frage, ob das Thema Abtreibung heute gesellschaftlich anerkannter ist als früher, hat die Politikerin eine klare Antwort: 50 Jahre, nachdem der berühmte "Stern"-Titel "Wir haben abgetrieben" im Juni 1971 erschienen ist, hat sich kaum etwas verändert. Damals forderten 374 Frauen die Abschaffung des umstrittenen Paragraphen 218 des Strafgesetzbuches (StGB), der besagt, dass alle Abtreibungen nach der zwölften Schwangerschaftswoche entweder mit einer Freiheits- oder mit einer Geldstrafe geahndet werden. Leider bislang ohne Erfolg, der Paragraph existiert und gilt im Jahr 2021 immer noch, was auch Laura Sophie Dornheim aufwühlt: "Die Tatsache, dass es eine Situation gibt, in der Frauen für eine Entscheidung über ihr Leben, über ihren Körper zu Straftäterinnen gemacht werden, macht mich irre." Der Bedarf an Abbrüchen ist konstant. Solle sich an der Lage nichts ändern, sieht sie Gefahren.

Ein weiterer Dämpfer: Die Versorgungslage wird immer schlechter, da immer weniger Ärzte und Krankenhäuser Abbrüche anbieten. Dass Frauen teils hunderte von Kilometern fahren müssen, sei laut Laura mehr als dramatisch. Vor allem weil jede 4. Frau in Deutschland eine Schwangerschaft abbricht und die Abtreibungen mit zu den häufigsten gynäkologischen Eingriffen zählen, so die Politikerin weiter. Trotzdem ist sie froh darüber, dass immer mehr Bewusstsein geschaffen wird.

Die Hoffnung gibt Laura Sophie Dornheim nicht auf. Sie glaubt an Veränderung. (vdü)

Im Podcast "heute wichtig": Warum Schwangerschaftsabbrüche immer noch ein Tabuthema sind

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