"Stern" blickt in Jubiläums-Ausgabe zurück

50 Jahre nach “Wir haben abgetrieben!” Was hat sich in Deutschland getan?

50 Jahre nach Erscheinen des Titels "Wir haben abgetrieben" blickt der "Stern" zurück.
50 Jahre nach Erscheinen des Titels "Wir haben abgetrieben" blickt der "Stern" zurück.
© Stern

02. Juni 2021 - 17:43 Uhr

„Stern“-Titel „Wir haben abgetrieben“ wird 50 Jahre alt

50 Jahre nach dem "Stern"-Titel "Wir haben abgetrieben" widmet das Magazin dem kontroversen Thema sowie dem Thema Gleichberechtigung abermals eine komplette Ausgabe. Darin beschreiben erneut Frauen ihre Erfahrungen, die sie bei Abtreibungen gemacht haben. Was hat sich im Vergleich zu damals verändert, was ist gleich geblieben?

Geburtsstunde der deutschen Frauenbewegung

Im Juni 1971 erschien der berühmte "Stern"-Titel "Wir haben abgetrieben". Darin forderten 374 Frauen die Abschaffung des umstrittenen Paragrafen 218 des Strafgesetzbuches (StGB). Die Frauen, die damals öffentlich zugaben, dass sie einen Schwangerschaftsabbruch hatten vornehmen lassen, mussten mit Ablehnung aus dem privaten und beruflichen Umfeld rechnen, sondern auch mit strafrechtlicher Verfolgung. Trotzdem trauten sie sich – und stießen damit eine Diskussion an, die bis heute weitergeführt wird. Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die damals maßgeblich hinter "Wir haben abgetrieben" steckte, betrachtet die Aktion heute als Geburtsstunde der deutschen Frauenbewegung, wie sie im Interview mit dem "Stern" verrät.

Doch wie viel hat sich seitdem wirklich für Frauen verändert? Das will auch der "Stern" wissen und nimmt das Jubiläum seines Titels "Wir haben abgetrieben" zum Anlass, auf die letzten 50 Jahre zurückzublicken und zu betrachten, wie weit unsere Gesellschaft seitdem bei der Gleichberechtigung vorangeschritten ist.

Frauen berichten von ihren Abtreibungserfahrungen

Parallel dazu startet der "Stern" am Mittwoch (02.06.) eine digitale Frauen-Themenwoche unter dem Motto #dasGleichebitte. Darin berichten unter anderem abermals Frauen von ihren Erfahrungen bei Abtreibungen. Dabei zeigt sich: Auch heute noch fühlen sich viele wie Kriminelle dabei – und bekommen diesen Eindruck teils sogar von Ärzten vermittelt.

Diese Erfahrungen hat auch die Pädagogin Janine Wieser gemacht, wie sie dem "Stern" erzählt. Die heute 37-Jährige wurde als Studentin ungewollt schwanger und geriet an einen Arzt, der ihr vor der Abtreibung gesagt habe: "Sie wissen, dass Sie jetzt einen Mord begehen?" Auch die 24-jährige Marie H. berichtet "Stern", dass es sich für sie "richtig böse" angefühlt habe, unterzeichnen zu müssen, dass sie bei ihrem Schwangerschaftabbruch eine Straftat begehe.

Lese-Empfehlung: Wann ist ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt - und was macht er mit dem Körper?

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"Wir sind weiter, aber noch nicht am Ziel"

Auch wenn sich in den vergangenen 50 Jahren im Hinblick auf Frauenrechte in der Gesellschaft einiges getan hat: Auch heute werden Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland nicht nur weiterhin kontrovers diskutiert, sondern sind auch rechtlich gesehen nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. Und auch wenn sich die Gesellschaft heute offener mit den Themen sexuelle Belästigung und Diskriminierung auseinandersetzt, würde wohl selbst im Jahr 2021 niemand behaupten, dass Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt sind.

"Die Sichtweisen darauf, wie weit wir tatsächlich vorangekommen sind, sind sehr unterschiedlich", erklären auch "Stern"-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier und -Chefredakteur Florian Gless in einer Pressemitteilung zur neuen Ausgabe des Magazins. Die Bilanz des Magazins lautet: "Wir sind weiter, aber noch nicht am Ziel."

Im Podcast "heute wichtig": Warum Schwangerschaftsabbrüche immer noch ein Tabuthema sind

Mit der Co-Produktion von STERN, RTL und ntv, "heute wichtig", starten Sie von Montag bis Freitag mit Michel Abdollahi und seinem Team gut informiert in den Tag. Unter anderem spricht Michel Abdollahi im Podcast mit Adriana Beran, die selbst abgetrieben hat und die Petition "Weg mit § 218" gegründet hat.

Erfahren Sie, worüber Deutschland heute spricht. Den Podcast gibt es kostenfrei auf AUDIO NOW und bei allen weiteren Podcast-Plattformen.