RKI testet nur 2 Prozent aller positiven Tests

Baut sich die Omikron-Wand in Deutschland gerade schon auf?

Experten gehen von einem rasanten Wachstum der Omikron-Infektionen aus.
Experten gehen von einem rasanten Wachstum der Omikron-Infektionen aus.
© iStockphoto, iStock, Bihlmayer Fotografie

18. Dezember 2021 - 13:56 Uhr

Omikron wird keine Welle mehr sein

Die Zahlen sind schwindelerregend: In Großbritannien gehen Wissenschaftler von einer Million Neu- oder Reinfektionen mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron bis Jahresende aus. Die große Sorge: Omikron wird keine Welle, sondern eine Wand. Denn: Die neue Variante soll vier bis sechsmal so ansteckend sein wie die jetzt vorherrschende Delta-Variante. Dann schießt die Linie der Infektionsrate schnell steil nach oben. Welches Szenario kommt jetzt auf Deutschland zu?

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Prognosen sind düster

Mittlerweile melden schon 92 Länder bestätigte Infektionen mit der Variante. Vor zwei Tagen waren es noch 76. Der niederländische Mediendienst BNO prüft in Zusammenarbeit mit NewsNodes die einlaufenden Meldungen der Behörden nach bestätigten Infektionszahlen weltweit. Aktuell führt Großbritannien diese Liste mit 11708, dicht gefolgt von Dänemark mit 9.009 gemeldeten Fällen an.

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Norwegen (1.792 Fälle) und Südafrika (1.247 Fälle) sind die einzigen beiden Ländern, die derzeit schon im 1.000er Bereich liegen (Stand 17.12.). Das Problem mit den absoluten Zahlen: Erst wenn dazu die Anzahl der vorgenommenen Sequenzierungen ins Verhältnis mit der Bevölkerungszahl und anderen Werten gesetzt wird, bekommen diese Daten Aussagekraft. Genau das tun Modellierer - und deren Prognosen sind düster.

In Deutschland bislang "nur" 518 bestätigte Omikron-Infektionen

In Deutschland wird der Wert laut Gisaid-Datendienst derzeit mit nur 178 Fällen angegeben, laut RKI sind es 183. Das von Twitter-Nutzer @sven9161 geführte Projekt "Tracking Covid-19-Omikron-Variante in Germany" gab am Freitag in Deutschland 518 bestätigte Omikron-Infektionen und 219 Verdachtsfälle, insgesamt also 630 Fälle an. Diese Zahlen sind aktueller also die vom RKI. Das Institut gibt sie mit bis zu zwei Wochen Verzögerung heraus. Für Deutschland erscheinen die Werte nicht besorgniserregend hoch. Aber die Entwicklungen in Großbritannien und Dänemark zeigen, dass die Situation auch in Deutschland schnell ernst werden kann.

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Zahl der Covid-19-Todesfälle würde sich auf 28700 erhöhen

In einer fortlaufenden Preprint-Studie gehen Wissenschaftler der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) nämlich am 11. Dezember davon aus, dass sich bis zu 23,4 Millionen Menschen infizieren werden. Dieses Szenario gilt aber nur für den Fall, dass weitere Maßnahmen eingeführt werden und die Booster-Impfung gegen die Variante besteht. Die Hospitalisierungen erreichen in diesem Szenario 60 Prozent der Winterwelle 2020. Bis 30. April würde sich die Zahl der britischen Covid-19-Opfer um bis zu 28.700 Tote erhöhen.

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Modellierer gehen von fast 40 Millionen Infizierten aus

"Nach allen Erkenntnissen aus Modellierungsstudien wird es so sein, dass es so kommen wird wie in Großbritannien", sagte Physiker Dirk Brockmann, Leiter der Projektgruppe Epidemiologische Modellierung von Infektionskrankheiten am RKI, bei einer Online-Veranstaltung des ScieneMediaCenter. Die Fähigkeit des Virus, den Immunschutz zu umgehen, und seine Ansteckungsfähigkeit seien die ausschlaggebenden Faktoren dafür, dass sich - je nach Maßnehmen - noch einmal 30 bis 40 Millionen Menschen damit infizieren werden.

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Deutschland testet viel zu wenig

"Ich bin außerordentlich besorgt", sagte Brockmann. "Besorgt, weil wir es hier mit einer Variante zu tun haben, die sehr schnell die Dynamik übernimmt und quasi in eine Wirtspopulation mit wenig Abwehr zieht und hoch ansteckend ist." In Dänemark wird möglichst jeder positive PCR-Test auf die Variante getestet. Laut RKI wurden in der letzten Novemberwoche nur etwas mehr als 2 Prozent der positiven Tests sequenziert – weil die Labore überlastet seien. Brockmanns Sorge scheint also berechtigt: Denn vielleicht baut sich die Wand in Deutschland gerade schon auf – ohne dass wir es überhaupt mitbekommen. (ija)

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