Kein Geld mehr für Ungeimpfte in Quarantäne

Gewerkschaften und Gesundheitsexperten kritisieren Entscheidung

23. September 2021 - 14:23 Uhr

Keine Lohnfortzahlung für Ungeimpfte

Wer ab dem 1. November ungeimpft in Corona-Quarantäne muss, bekommt vom Staat keine Entschädigung mehr gezahlt. Das haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern gestern beschlossen. Schluss mit der Lohnfortzahlung für Ungeimpfte also. Aber diese Entscheidung stößt nicht nur auf Zustimmung. Gewerkschaften, aber auch Gesundheitsexperten stellen sich gegen die Entscheidung.

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"Enormer Druck"

Es sei "ziemlich herb", dass damit "enormer Druck" auf die Beschäftigten ausgeübt werden solle, sagte NRW-Landesbezirksleiterin Gabriele Schmidt auf WDR 5. Es handele sich um eine "Existenzfrage". Zu befürchten sei Unruhe in den Betrieben und eine weitere Spaltung. Auch Reiner Hoffmann, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, stellte klar: "Es kann nicht sein, dass die Politik die Verantwortung für den Kampf gegen die Pandemie einfach bei den Beschäftigten ablädt. Eine Impfpflicht durch die Hintertür lehnen wir weiterhin ab." Außerdem bedeute die Neuregelung auch, dass Beschäftigte dem Arbeitgeber ihren Impfstatus offenlegen müssten.

Karl Lauterbach kritisiert die Entscheidung der Gesundheitsminister.
Karl Lauterbach hält die getroffene Entscheidung für ethisch bedenklich
© RTL

Streeck: "Wir arbeiten mit Strafen"

Auch der Virologe Hendrik Streeck bemängelte die geplante Neuregelung in der ARD-Talksendung "Maischberger". "Wir arbeiten mit Strafen und das führt zu einem Druck, wo der Mensch am Ende sagt: Ich sage meinem Arbeitgeber gar nicht, dass ich Corona habe", meinte Streeck. Schlimmstenfalls gingen Ungeimpfte infiziert ins Büro und trügen das Virus weiter. Ähnlich sieht das auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der gestern im RTL-Interview klarstellte, dass er den eingeschlagenen Weg für ethisch bedenklich hält. Andere Verbände begrüßen dagegen die Entscheidung der Gesundheitsministerkonferenz.

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Montgomery begrüßt Vorschlag

"Es ist eine individuelle Entscheidung, sich trotz des bestehenden Angebotes nicht impfen zu lassen", sagte Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das bedeutet aber auch, dass die Konsequenzen dieser Entscheidung selbst zu tragen sind." Es gebe keinen Grund, weshalb die Allgemeinheit in diesen Fällen die Entschädigung finanzieren sollte.

Ähnlich sieht das auch der Deutsche Städtetag: "Ich halte es für richtig, die Fortzahlung von Verdienstausfällen bei Quarantäne für Ungeimpfte auslaufen zu lassen", sagte Präsident Burkhard Jung (SPD) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Unterstützung bekommt er vom Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery: Wer sich nicht impfen lasse, der müsse auch die Konsequenzen seines Handelns tragen, sagte Montgomery der "Augsburger Allgemeinen". (dpa, xst)