Gesundheitsminister beschließen

Für Ungeimpfte in Quarantäne gibt's bald kein Geld mehr

23. September 2021 - 10:47 Uhr

Bisher gibt's auch in Quarantäne fast immer Gehalt

Wer wegen Corona in Quarantäne muss und nicht arbeiten gehen kann, bekommt derzeit in den meisten Bundesländern trotzdem sein Gehalt. Bisher springt der Staat in diesem Fall ein und erstattet den Betrieben die sogenannte Lohnfortzahlung. Ab dem 1. November ist das aber Geschichte.

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Spahn gibt Entscheidung bekannt

"Wir haben uns verständigt, dass bei Nicht-Geimpften keine Lohnersatzleistung mehr gezahlt werden", sagt Gesundheitsminister Jens Spahn und ergänzte: "Es ist gut, dass wir eine bundeseinheitliches Vorgehen beschlossen haben." Dass der Beschluss ab dem 1. November greift, führte Spahn darauf zurück, dass Ungeimpfte jetzt noch die Möglichkeit hätten, sich impfen zu lassen.

Betroffen sind davon nur Menschen, für die es eine Impfempfehlung gibt und die sich auch impfen lassen können. Zuvor hatte "Business Insider" darüber berichtet. Grundsätzlich haben Beschäftigte, die wegen einer Quarantäne-Anordnung zu Hause bleiben müssen, in den ersten sechs Wochen Anspruch auf Lohnersatz durch den Staat in voller Höhe, ab der siebten Woche noch in Höhe von 67 Prozent. Arbeitnehmer müssen sich um nichts kümmern und bekommen ihr Geld weiterhin direkt vom Arbeitgeber, der es sich bei der zuständigen Behörde erstatten lassen muss. Erst ab der siebten Woche müssen Arbeitnehmer die Entschädigung selbst beantragen.

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Karl Lauterbach
Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, kritisiert die geplante Regelung.
© deutsche presse agentur

Kritik von Gewerkschaftern und Gesundheitsexperten

Die Gesundheitsexperten von SPD und Grünen, Karl Lauterbach und Janosch Dahmen, sorgen sich jedoch, dass sich ungeimpfte Angestellte aus Sorge vor Quarantäne nicht mehr testen lassen. Dann könne eine "verdeckte Pandemie" entstehen, sagte Dahmen der "Rheinischen Post". "Aus meiner Sicht ist das ein ethisch sehr bedenklicher Weg. Wir haben ja keine Impfpflicht und deshalb müsste die Quarantäne, die angeordnet wird, auch mit Lohn verbunden sein", sagt Lauterbach im RTL-Interview.

Und auch bei den Arbeitgebervertretern sind nicht alle glücklich: "Hier sind einfach die ganzen arbeitsrechtlichen Konsequenzen überhaupt nicht durchdacht worden. Das halte ich für ein Defizit", sagte Reiner Hoffmann, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dem Deutschlandfunk. Für ihn sei es nicht der richtige Weg so den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen. (xst, dpa)