Zwei Fälle in Japan

Krebs bei vaginaler Geburt auf Kinder übertragen

27. Januar 2021 - 11:12 Uhr

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In Japan haben offenbar zwei schwangere Frauen bei der vaginalen Geburt Krebszellen auf ihre Kinder übertragen. Wie das "New England Journal of Medicine" mitteilte, konnten japanische Onkologen dies anhand von Genanalysen bestätigen. Bisher waren nur Fälle bekannt, bei denen Krebs über die Plazenta an die Kinder übertragen wurde – nicht aber bei der Geburt. "Bild" hatte zunächst über die Fälle berichtet.

Babys sollen Krebszellen bei Geburt eingeatmet haben

Bei der Geburt ihrer Kinder hatten beide Mütter Gebärmutterhalskrebs, welcher durch HP-Viren ausgelöst wird. Später wurde bei den Söhnen der Frauen Lungenkrebs diagnostiziert. Die japanischen Wissenschaftler vermuten, dass die Kinder die Krebszellen bei der Geburt eingeatmet hatten.

In den Lungentumoren der Kinder wurden die gleichen Genveränderungen nachgewiesen, die auch in den Krebszellen der beiden Mütter gefunden wurden. "Bei den kindlichen Krebszellen fehlte das männliche Y-Chromosom", zitiert "Bild" den Gynäkologen Prof. Peter Hillemanns. "Das bedeutet, dass der Krebs weiblich war. Das allein ist schon ungewöhnlich." Hinzu komme, dass das kindliche Immunsystem das weibliche Krebsgewebe nicht als fremd erkannt und bekämpft habe.

16 Fälle von Krebsübertragung bekannt

Dass Krebs von der Mutter auf das Kind übertragen wird, ist extrem selten. Seit 1949 sind weltweit 16 weitere Fälle bekannt, bei denen Krebszellen von der Mutter an das Kind weitergegeben wurde. Laut der japanischen Forscher sei der Krebs hier aber über die Plazenta übertragen worden. Bei den nun bekannt gewordenen Fällen hingegen wurden die Krebszellen offenbar bei der vaginalen Geburt weitergegeben.

Auch wenn diese Fälle Einzelfälle sind, raten die Forscher bei einem diagnostizierten Tumor im Gebärmutterhals (Zervixkarzinom) zu einem Kaiserschnitt statt zu einer natürlichen Geburt.

Beide Mütter starben

Beide Frauen sind im Zuge ihrer Krebserkrankung gestorben, ihre Kinder überlebten. Im ersten Fall wurde der Krebstumor (Zervixkarzinom) erst Monate nach der Geburt des Kindes bei der Mutter festgestellt. In der Schwangerschaft war der Gebärmutterhalsabstrich noch unauffällig. Kurz vor seinem zweiten Geburtstag erkrankte dann der Sohn der Frau. Bei ihm hatten sich Tumore um die Bronchien gebildet.

Bei einer anschließenden Genomanalyse wurde festgestellt, dass sowohl der Tumor der Mutter als auch der Tumor des Sohnes die gleichen Auffälligkeiten im Erbgut vorwiesen. Weil zusätzlich auch noch derselbe HPV-Typ gefunden wurde, gehen die Experten davon aus, dass die Krebszellen von der Mutter auf das Kind übertragen wurden.

Während die Behandlung bei dem erkrankten Kind anschlug und er nach einem Jahr wieder krebsfrei war, konnte die Mutter nicht gerettet werden.

Kinder überlebten

Im zweiten nun bekannt gewordenen Fall wusste die schwangere Mutter bereits bei der Geburt ihres Kindes, dass sie einen Tumor hatte. Da dieser nicht weiter wuchs, wurde von ärztlicher Seite nichts weiter unternommen. Einige Monate nach der Geburt wurde der Mutter Krebs diagnostiziert, der Tumor anschließend operiert. Dennoch starb die Mutter zwei Jahre später.

Ihr Sohn erkrankte mit sechs Jahren an Lungenkrebs. Dank einigen Chemotherapien konnte der Tumor so verkleinert werden, dass er anschließend operativ entfernt wurde. Auch ein Lungenflügel musste entfernt werden.

Auch hier konnte dasselbe HP-Virus im Krebsgewebe festgestellt werden. Während die Mutter auch in diesem Fall starb, war der Krebs bei ihrem Kind rund ein Jahr nach der Erkrankung nicht mehr nachweisbar.

Gebärmutterhalskrebs vorbeugen: Darum ist die Impfung so wichtig

Die beste Möglichkeit, Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen, ist die Impfung gegen die den Krebs auslösenden humanen Papillom-Viren (HPV). Wie eine im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Auswertung der schwedischen Gesundheits- und Bevölkerungsregister ergab, erkrankten Frauen, die als Jugendliche gegen HPV geimpft wurden, viel seltener an der Gebärmutterhalskrebs – und zwar ganze 88 Prozent weniger. Für wen die HPV-Impfung wichtig ist und ob es auch Sinn macht, sich noch im späteren Alter impfen zu lassen, lesen Sie hier.