Betroffene bemerken sie oft nicht

Herzrhythmusstörungen erkennen - Mediziner erklärt: Bei diesen Symptomen sofort zum Arzt!

Eine Frau in der Küche, vermutlich gerade am kochen, fasst sich an die Brust.
Wie Sie Herzrhythmusstörungen richtig erkennen.
milangucic@gmail.com

Sie können im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand, einem Schlaganfall oder einem plötzlichen Herztod führen: Die Rede ist von Herzrhythmusstörungen. Auch Elvis-Tochter Lisa Marie Presley, die am 12. Januar starb, soll daran gelitten haben.

Doch kann man als Betroffener überhaupt feststellen, dass das Herz nicht richtig schlägt? RTL hat den Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht dazu befragt. Wie Sie Herzkomplikationen bemerken und was Sie tun können.

Was genau sind eigentlich Herzrhythmusstörungen?

Wenn der menschliche Herzschlag in unregelmäßigen Abständen oder in einer von der Norm abweichenden Abfolge schlägt, spricht man von Herzrhythmusstörungen. Dabei muss jedoch zwischen harmlosen und gefährlichen Herzrhythmusstörungen unterschieden werden, da Letztere im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand und damit zu einem plötzlichen Herztod führen können. Ursache ist meist eine organische Erkrankung des Herzmuskels oder eine isolierte Störung in den Reizbildungs- sowie Reizleitungsstrukturen des Herzens.

„Vorhofflimmern ist eine häufige Form von Herzrhythmusstörungen, wenn nicht sogar die häufigste. Sie betrifft – wie der Name schon sagt – den Vorhof. Und wir erinnern uns: Das Herz hat zwei Vorhöfe und zwei Kammern“, erklärt Allgemeinmediziner Dr. Specht. Von Vorhofflimmern spricht man immer dann, wenn sich die beiden Vorhöfe viel zu schnell zusammenziehen, was man auch kontrahieren nennt. Man könnte meinen, dass das ja eigentlich effektiv wäre – ein schneller schlagendes Herz?

Herzrhythmusstörungen: Dr. Christoph Specht erklärt, was dahinter steckt

Darauf hat der Mediziner aber eine klare Antwort: „Das ist nicht gut, weil es sich um ein Flimmern handelt. Das Herz zittert quasi vor sich hin, was dazu führt, dass das Blut nicht richtig weiter transportiert wird und in den Vorhöfen hängen bleibt. Und das ist schlecht, da es daraufhin woanders im Kreislauf fehlt.“ Und: „Steht das Blut zu lange rum und kann nicht fließen, verklumpt es im schlimmsten Fall. Im Vorhof sind diese Klumpen an sich nicht schlimm, aber wenn sie weiter in die Kammern fließen, dann wird es problematisch.“

Man muss dabei, so Dr. Specht, zwischen dem rechten und linken Vorhof unterscheiden. Wenn die Gerinnsel zum Beispiel vom rechten Vorhof in die rechte Kammer und dann in die Lunge fließen, verästelt sich das Gefäß dort und es kommt zu Verstopfungen. Man spricht, in einem Worst-Case-Szenario dann auch von einer Lungenembolie. Auf der linken Seite wird es noch gefährlicher, denn: Hier sitzt die Hauptschlagader. Im schlimmsten Fall kann das Vorhofflimmern also auf diese Art zu einem Schlaganfall führen: „Das ist die eigentliche Gefahr des Vorhofflimmerns. Dass eine so hohe Schlaganfall-Gefahr besteht“, erläutert Specht weiter.

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Wie bemerkt man Herzrhythmusstörungen überhaupt?

Ein EKG schreibt die Herzfrequenz eines Patienten.
Mithilfe eines EKG kann die Herzfrequenz gemessen werden, sodass etwaige Herzrhythmusstörungen ausfindig gemacht werden können.
Kerrick

Das Vorhofflimmern würden Leute nicht unbedingt bemerken, es geht mit einem „komischen Gefühl einher, man kann sich leistungsschwächer fühlen als sonst und eine gewisse Brustenge verspüren. Aber so richtig kriegt man das nicht mit.“ Nur über ein Elektrokardiogramm (EKG) könne eine definitive Diagnose gestellt werden.

Andere Herzrhythmusstörungen wiederum seien teilweise „Störungen, die man deutlich erkennen kann. Wenn zum Beispiel die Kammer flattert, dann merkt man das, etwa an unregelmäßigen Herzschlägen und Herzaussetzern. Das Herz stolpert dann“, so Dr. Specht. Wenn es dazu kommt, ist das ein großes Problem und „es braucht Medikamente, um die Herzaktivität wieder in Einklang bringen zu können.“ Trotzdem spricht der Medizinjournalist außerdem ein weiteres Problem an: „Alle Medikamente, die man für die Normalisierung der Herzrhythmusstörungen einnimmt, können selbst für Herzrhythmusstörungen sorgen. Daher muss man stets vorsichtig sein bei der Dosierung. An einem Ausprobieren, welches Mittel wirklich das Richtige ist, kommt man nicht vorbei.“

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Symptome, auf die Sie achten sollten

Haben Sie es mit einer Herzrhythmusstörung zu tun, kann sich das – laut der Deutschen Herzstiftung – auch in Kombination mit folgenden Symptomen äußern:

  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Unregelmäßiger Herzschlag
  • Innere Unruhe, Angespanntheit und Nervosität
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Übelkeit
  • Schweißausbrüche

Was also tun bei Herzrhythmusstörungen?

Wird beim EKG ein Vorhofflimmern erkannt, muss das mit blutverdünnenden Mitteln bekämpft werden, denn das Blut muss flüssiger werden, damit es erst gar nicht verklumpen kann, weiß Dr. Specht. „Man kann auch mit einem Katheter einen Eingriff vornehmen. Da geht es dann an die Erregungsstellungen des Flimmers, die Zellen werden dort weggebruzelt, denn die Nerven sind hier das Problem. Das klappt manchmal, ist aber manchmal auch gar nicht so effektiv. Daher ist die Therapie des Blutverdünners so essenziell, damit die Gerinnsel erst gar nicht entstehen können.“

In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden. „Kardiologen müssen auch immer gute Psychologen sein.“ Warum? „Weil häufig gar nichts hinter dem vermeintlichen Herzschmerz steckt, viele unserer Leiden sind psychosomatisch, werden also aufs Herz projiziert. Wenn man aber wirklich den Eindruck hat, dass etwas nicht stimmt, muss das in jedem Fall ernst genommen werden“, sagt Dr. Specht. Weil: Das Herz ist ein zentrales Organ, auf das man Acht geben sollte. (vdü)