Wie kann man ihn vermeiden?

Plötzlicher Herzanfall: Es kann jeden Sportler treffen

In nahezu allen Fällen liegt dem plötzlichen Herzanfall oder -tod  beim Sport eine unerkannte Herzerkrankung zugrunde.
In nahezu allen Fällen liegt dem plötzlichen Herzanfall oder -tod beim Sport eine unerkannte Herzerkrankung zugrunde.
© RTL, RTL NEWS

13. Juni 2021 - 12:47 Uhr

Plötzlicher Kollaps von Fußballprofi Eriksen verunsichert

Regelmäßiger Sport gilt als eine der besten Maßnahmen, um das Herz lange gesund und leistungsfähig zu halten. Doch Ereignisse wie der plötzliche Kollaps von Fußballprofi Christian Eriksen beim gestrigen Euro-Gruppenspiel Dänemark gegen Finnland verunsichern sehr viele Menschen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei Eriksens Kollaps das Herz eine Rolle gespielt hat. Je nach Studie liegt die Häufigkeit des plötzlichen Herzanfalls oder -tods beim Sport laut Deutscher Herzstiftung zwischen 0,7 und 3,0 Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden pro Jahr. Was kann man tun, um ihn zu vermeiden?

Es kann "aus heiterem Himmel auftauchen"

Plötzlicher Herzanfall: Es kann jeden Sportler treffen
Christian Eriksen sackt plötzlich während des Spiels zusammen, muss reanimiert werden.
© imago images/Ritzau Scanpix, Mads Claus Rasmussen via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Es waren höchstdramatische Szenen beim Euro-Gruppenspiel Dänemark gegen Finnland: Der Däne Christian Eriksen sackt plötzlich während des Spiels zusammen, muss reanimiert werden. Minuten lang sind Team, Mitspieler, Zuschauer und Eriksens Freundin voller Angst um den Fußballprofi. Dann die erlösenden Szenen: Eriksen lebt! Aus dem Krankenhaus heraus bittet er seine Mitspieler, die Partie für ihn fortzuführen. Ob es sich um einen plötzlichen Herzanfall handelte, ist noch nicht bestätigt, gilt aber als höchstwahrscheinlich.

LESE-TIPP: So reagiert das Netz auf Eriksens Aufwach-Nachricht

"Es ist nicht ungewöhnlich", so Präventivmediziner Dr. Christoph Specht, "dass Menschen sich an den Tagen vorher völlig wohlfühlen, es ist nichts zu erkennen, dann aber passiert es – meist in Form einer Herzrhythmusstörung." Es gebe angeborene Formen, es gebe welche, die aus heiterem Himmel auftauchen. "Wenn das der Fall ist, kann man es vorher nicht erkennen", so Specht, "so etwas passiert." Solche Herzanfälle seien auch im Laiensport verbreitet, schon alleine deswegen, weil es viel mehr Laiensportler gibt. "Entscheidend ist, dass solche Ereignisse in der Öffentlichkeit passieren", sagt der Mediziner, "und schnell eine gute Herzmassage eingeleitet wird, dann haben diese Menschen eine gute Chance, das zu überleben."

LESE-TIPP: Dänemarks Mannschaftsarzt schildert dramatische Rettung von Christian Eriksen – "Wir haben es geschafft, ihn zurückzuholen"

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

Bei nahezu allen Fällen liegt unerkannte Herzerkrankung vor

Beim Sport beschleunigt sich der Herzschlag naturgemäß deutlich – für ein gesundes Herz ist das kein Problem. "Ist das Organ jedoch vorgeschädigt, kann der schnelle Herzschlag bedrohliche Herzrhythmusstörungen, das sogenannte Kammerflimmern, auslösen, das unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zum Tod führt", so Michael Wichert von der Deutschen Herzstiftung in einer Pressemitteilung. In nahezu allen Fällen liege dem plötzlichen Herzanfall oder -tod beim Sport eine unerkannte Herzerkrankung zugrunde. Je nach Alter unterscheide sich allerdings die Art der zugrundeliegenden Erkrankungen.

LESE-TIPP: Herzkrankheiten – das sind die Symptome der häufigsten Herzerkrankungen

Auch Amateursportler sollten ihre Herzfunktionen in regelmäßigen Abständen chedken lassen.
Auch Amateursportler sollten ihre Herzfunktionen in regelmäßigen Abständen chedken lassen.
© iStockphoto, iStock, RealPeopleGroup

Herzmuskelentzündung durch vorangegangene Erkrankung

Auch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann bei jüngeren als auch bei älteren Sportlern zum plötzlichen Herzanfall oder -tod führen. Sie kann durch eine vorangegangene Erkrankung entstanden sein, bereits bei banalen Infekten als Begleiterscheinung auftreten – ohne dass in Ruhe Herzbeschwerden gespürt werden. "Eine aktuelle Studie zeigt, dass fast alle jungen Sportler, die aufgrund einer Myokarditis gestorben waren, vorher eine Infektion der oberen Atemwege durchgemacht hatten", so die Herzstiftung.

Koronare Herzkrankheit ab 35 Jahren meist die Ursache

Bei Sportlern ab 35 Jahren ist laut der Stiftung die koronare Herzkrankheit (KHK) mit etwa 80 % die mit Abstand häufigste Ursache des plötzlichen Herzanfalls oder -tods während des Sports. Dies geschieht, wenn sich Ablagerungen in den Koronargefäßen bilden. Diese Gefäßablagerungen (Arteriosklerose) verengen die Gefäße und behindern den Blutstrom. Sind sie nahezu verschlossen, dann wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauer- und Nährstoffen versorgt. Die Folge: Es kommt zum Herzinfarkt, der zu Kammerflimmern und schließlich zum Herztod führen kann.

Herz untersuchen lassen!

Sportlich aktiven Menschen, spätestens wenn sie Leistungs- oder gar Extremsport betreiben, ist deswegen ein regelmäßiger sportmedizinischer Herzcheck beim Hausarzt oder Kardiologen zu empfehlen. "Weltweit sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. Hinsichtlich der Ursache ist zu unterscheiden zwischen Sportlerinnen und Sportlern unter 35 Jahren und darüber. Daher sollten auch junge Menschen, bevor sie aktiv Sport betreiben, ihr Herz untersuchen lassen", sagt Kardiologe Jürgen Scharhag der Deutschen Herzstiftung.

GUT ZU WISSEN: Erste-Hilfe-Maßnahme - so funktioniert die Herzdruckmassage

Wären Sie bereit und in der Lage mit einer Herzdruckmassage Leben zu retten? Nur 15 Prozent der Deutschen beginnen vor Eintreffen professioneller Helfer mit Reanimationsmaßnahmen. Dabei ist es gar nicht so schwierig. Wir erklären Ihnen hier Schritt-für-Schritt, wie Sie Erste Hilfe leisten können.

Auch interessant