Impfstoff-Knappheit

Hausärzte schlagen wegen Biontech-Kürzungen Alarm

Impfungen bei Hausärzten spielen eine wichtige Rolle in der Impfkampagne.
Impfungen bei Hausärzten spielen eine wichtige Rolle in der Impfkampagne.
© dpa, Nicolas Armer, nar

14. April 2021 - 10:58 Uhr

Umverteilung von Impfdosen

Sie war angekündigt, dennoch trifft sie die Impfkampagne hart: Die Biontech-Knappheit in dieser Woche. Hausärzte bekommen deutlich weniger Dosen des Impfstoffs. Die gehen stattdessen an Impfzentren, doch die Impfquote zeigt einen deutlichen Knick.

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Weniger Biontech, mehr AstraZeneca für Arztpraxen

Die niedergelassenen Ärzte schlagen wegen Biontech-Lieferkürzungen Alarm und kritisieren eine Benachteiligung gegenüber Impfzentren. "Den Praxen werden in den kommenden Wochen viel weniger Biontech-Dosen zugewiesen als versprochen, weil der Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren geht", sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "Die Zuteilung für die Hausärzte wurde halbiert. Daher wächst bei den niedergelassenen Ärzten die Sorge, dass sie in den kommenden Wochen eher weniger als mehr am Impfgeschehen teilhaben können."

Zwar erhalten die Arztpraxen als Ausgleich für Biontech-Kürzungen mehr Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs. "Aber das wird so nicht aufgehen", warnte Gassen. "Wenn die Impfzentren komplett den vergleichsweise unproblematischen Impfstoff erhalten, die Praxen aber den umstrittenen, der zumal den unter 60-Jährigen nicht gespritzt werden darf, wird die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten. Das darf nicht passieren!"

Aktuelle Impfquote

Die Erklärungen zu dieser Grafik können Sie hier nachlesen.

Das Impf-Monitoring des RKI zeigt, dass die Impf-Rekorde von vergangener Woche mittlerweile in weite Ferne gerückt sind. Statt wie vor einer Woche über 670.000 Menschen, wurden am 12. April beispielsweise nur rund 399.000 Menschen geimpft. Am 11. April waren es sogar nur knapp über 250.000. Die detaillierten Aufschlüsselungen der einzelnen Bundesländer finden Sie hier.

Arztpraxen sind wichtiger Faktor für Herdenimmunität

Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn seine Zuteilungsstrategie nicht wieder ändere, gerate die Herdenimmunität in weite Ferne, so der KBV-Chef. "Kommt nicht mehr Impfstoff in die Praxen, wird das Impfversprechen, wonach im Sommer alle Willigen immunisiert sein können, nicht zu halten sein." Die Lieferreduzierungen in dieser und der kommenden Woche ließen "das Schlimmste befürchten". Dabei könnten die Praxen bis zu fünf Millionen Menschen pro Woche impfen. "Rund 75.000 Arztpraxen stehen dafür bereit. Erhalten die Praxen genug Impfstoff, könnten wir schon im Juni die Herdenimmunität erreicht haben."

Auch der Ständigen Impfkommission (Stiko) warf Gassen vor, mehr Impftempo zu verhindern: Die Hausärzte hätten nicht die Zeit, "um bei jedem Patienten AstraZeneca-Vorbehalte auszuräumen, zumal die Ständige Impfkommission hier Verwirrung gestiftet hat", sagte er. "Von der Stiko muss deshalb jetzt ganz schnell eine klare Ansage kommen, für wen AstraZeneca gut geeignet ist. Dafür haben wir die Kommission ja." Auch müsse für das Vakzin die Priorisierung sofort aufgehoben werden. "Dann finden sich schnell sehr viele Menschen, die sich damit impfen lassen werden." Auch er selbst habe sich bereits mit AstraZeneca immunisieren lassen, sagte der KBV-Chef.

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Quelle: DPA/rtl.de

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