12. Todestag der Gorch-Fock-Kadettin

Vater von Jenny Böken: „Jenny wurde an Bord vergewaltigt und entsorgt"

Marine-Kadettin Jenny Böken
© dpa, Uwe Böken, hgr sab

05. September 2020 - 9:32 Uhr

Jenny ging am 3. September 2008 über Bord

Ihr zwölfter Todestag ist für Jennys Vater und ihre beiden Brüder ein weiterer Tag zwischen Trauer und Wut. Um Punkt 10 Uhr legen sie in Berlin, am Ehrenmal der Bundeswehr, einen Kranz nieder. Zu dieser Uhrzeit erhielt die Familie Böken vor genau 12 Jahren die Nachricht, dass Jenny über Bord des Marineschiffs "Gorch Fock" gegangen ist. Für ihre Familie sind die Tage um den 04. September die schwerste Zeit des Jahres. "Morgen wäre ihr Geburtstag gewesen. Diese Tage sind jedes Jahr aufs Neue höchstbelastend für uns."

Was geschah mit Jenny Böken?

Ihr zwölfter Todestag ist für Jennys Vater und ihre beiden Brüder ein weiterer Tag zwischen Trauer und Wut.
Ihr zwölfter Todestag ist für Jenny Bökens Vater und ihre beiden Brüder ein weiterer Tag zwischen Trauer und Wut.
© change.org

Die Kadettin hatte in der Nacht vom 03. auf den 04. September 2008 Wachdienst auf der "Gorch Fock". Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Segelschiff der deutschen Marine mitten auf der Nordsee. Kurz vor Mitternacht soll Jenny von Bord gestürzt sein. Trotz großer Suche wurde ihre Leiche erst elf Tage später im Meer gefunden. Die Ermittler gehen bis heute von einem tragischen Unfall aus und haben den Fall abgeschlossen.

Doch Jennys Vater Uwe Böken ist sich sicher, dass seine Tochter Opfer eines grausamen Verbrechens wurde. "Jenny wurde an Bord vergewaltigt und als sie diesen Übergriff anzeigen wollte, wurde sie entsorgt.", sagt Uwe Böken und stützt sich dabei auf drei unabhängige Zeugenaussagen.

Wurde ein Mord vertuscht?

Eine Zeugin wurde zwar mittlerweile von der Staatsanwaltschaft als unglaubwürdig eingestuft, doch Uwe Böken will weitere Beweise für das Verbrechen an seiner Tochter kennen. "Jenny hatte ihre benutzten Slips in ihrem Wertfach eingeschlossen. Die Slips wurden aber nie an uns weitergeben", sagt er und nennt weitere Details, die auf eine Vertuschung hindeuten: "Ihr Spind wurde noch auf See von der Schiffsbesatzung, ohne Staatsanwaltschaft, geöffnet. Ich frage mich warum und vor allem warum schließt eine junge Frau ihre benutzte Unterwäsche im Wertfach ein."

Familie will den Fall neu aufrollen

"Wir haben im August neue Hinweise bekommen, die das Tötungsdelikt bestätigen.", sagt Uwe Böken, der im Internet eine Petition für die Wiederaufnahme des Verfahrens gestartet hat. Mittlerweile hat er dafür mehr als 150.000 Unterschriften gesammelt. Unterstützung, die den Böken nochmal Anlass zu Hoffnung gibt.

Verteidigungsministerium will Schritte für neue Ermittlung einleiten

Nach der Kranzniederlegung hat das Verteidigungsministerium Uwe Böken und seine Familie zu einem privaten Gespräch eingeladen, um sich die Vorwürfe und neuen Beweise die Uwe Böken gesammelt hat anzuhören. Im Anschluss an das Gespräch hat das Ministerium versprochen neue Schritte einzuleiten, um die Ermittlungen innerhalb der Bundeswehr in Gang zu setzen.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.