Neuer CDU-Vorsitzender Friedrich Merz im RTL-Interview

"Wir haben heute beschlossen: Wir werden in Zukunft Präsidiumssitzungen ohne Handys machen"

22. Januar 2022 - 19:25 Uhr

Mit großer Mehrheit hat die CDU Friedrich Merz zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Mit 94,62 Prozent bestätigen die Delegierten den gebürtigen Ostwestfalen im Amt. Wenn auch spät, ist es der wohl größte Triumph im politischen Leben des 66-Jährigen. Er soll die Partei jetzt erneuern und zu alter Stärke führen. Kann er die Erwartungen erfüllen? Die Baustellen sind riesig. Im Interview mit RTL-Politikchef Nikolaus Blome gibt Merz erste Einblicke.

Friedrich Merz gibt sich als Teamplayer

"Ich bin mit einem für mich unerwartet gutem Ergebnis zum Parteivorsitzenden der CDU Deutschlands geworden", sagt Merz im RTL-Interview. Die CDU stehe vor drei großen Aufgaben, so der konservative Politiker: Die Union müsse eine überzeugende Oppositionsarbeit im Bund leisten, die in diesem Jahr anstehenden vier Landtagswahlen gewinnen und ein neues Grundsatzprogramm vorlegen – sozialer und bürgerlicher soll es werden. Dabei gibt sich Merz als Teamplayer: "Ich bin auch Teil eines Teams. Markus Söder gehört dazu, Ralph Brinkhaus auch. Und wir drei sind jetzt diejenigen, die auch die Arbeit in der Union machen."

Um die Union zu einen, soll auch ein Verbot helfen

"Starke Basis - klarer Kurs" unter diesem Motto stand der CDU-Parteitag. Ein Leitsatz, der sich durch alle Reden zog. Merz will die Partei also wieder einen - helfen soll dabei auch ein Verbot. "Wir haben heute beschlossen, wir werden in Zukunft Präsidiumssitzungen ohne Handys machen. Das hat sich heute schon bewährt, das geht." Es müsse mehr darum gehen, miteinander zu reden, ohne währenddessen Nachrichten zu verschicken oder zu telefonieren, sagt der CDU-Politiker weiter. "Wir machen Sitzungen und wir machen Kommunikation. Beides muss nicht zur gleichen Zeit stattfinden."

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CDU-Parteichef Merz: Merkel könnte Scholz in Ukraine-Krise beraten

In seiner Bewerbungsrede um den Vorsitz warf Merz Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mangelnde Führung gerade in der Russland-Krise vor. Der 66-Jährige kritisierte, dass Scholz sich zu wenig um eine Abstimmung etwa mit den USA und Russland bemühe. "Ich habe Bundeskanzler Scholz aufgefordert, mit Anderen die Initiative zu ergreifen." Merz betont dabei, dass die europäischen Regierungschefs jetzt gemeinsame Maßnahmen beschließen müssten, um zu zeigen, dass sie die Situation an der ukrainisch-russischen Grenze ernst nehmen. "Russland gefährdet die territoriale Integrität eines europäischen Landes. Deshalb muss die Europäische Union jetzt eine Antwort finden."

Auf die Frage von RTL-Politikchef Nikolaus Blome, ob Angela Merkel eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen einnehmen sollte, sagt Merz: "Man kann mit vielen über diese Lage reden. Denn es gibt viele die intime Kenntnisse über die Lage vor Ort haben. Und Angela Merkel gehört ohne Zweifel dazu." Merz hebt dabei hervor, dass am Ende allein Bundeskanzler Scholz die Entscheidung darüber fällen könne, wen die Bundesregierung in dem Konflikt zu Rate zieht: "Er muss führen und er muss entscheiden."

Im Video: So lief der CDU-Parteitag

Ob Friedrich Merz auch den Chefposten der Bundesfraktion anstrebt, bleibt erst mal offen. Der amtierende Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus (CDU) hat mehrfach deutlich gemacht, dass er das Amt gerne behalten würde. Juristisch gültig ist die Wahl von Merz übrigens erst ab dem 1. Februar, wenn die Delegierten ihre Stimme per Brief eingereicht haben. (kra)