Ein letzter Piks im Messezentrum

Abschied von den Impfzentren - Frankfurt räumt die Festhalle frei

Monatelang wurden hier Menschen mit der Impfung gegen das Corona-Virus geschützt
Monatelang wurden hier Menschen mit der Impfung gegen das Corona-Virus geschützt
© dpa, Boris Roessler, brx sb

20. September 2021 - 15:02 Uhr

Wehmut in den Hessischen Impfzentren

Nach Millionen verabreichter Impfdosen schließt die Mehrheit der hessischen Impfzentren zum Ende des Monats. Dem Personal fällt der Abschied schwer.

Nach langen Warteschlangen, nun "alles easy going"

Obwohl sich im Frankfurter Impfzentrum in der Festhalle täglich noch bis zu tausend Menschen ihren Piks abholen, ist auf dem Messegelände nicht mehr viel los. Stressige Zeiten habe man schon seit Wochen nicht mehr erlebt, berichtet Security-Mitarbeiter Alp Boztepe vor dem Eingang der Festhalle: "Wir hatten hier teilweise riesen Warteschlangen. Jetzt ist hier alles easy going."

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4,6 Millionen Impfungen in hessischen Impfzentren

Daher machen bis Ende September alle 28 Impfeinrichtungen im Land dicht. Landesweit wurden seit Dezember 2020 in den Zentren rund 4,6 Millionen Dosen verabreicht worden, sagt Benjamin Crisolli, Sprecher im zuständigen Innenministeriums. Ab Oktober gibt es die Injektionen dann nur noch bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Betriebsmedizinern und den mobilen Impfteams.

Das Frankfurter Impfzentrum wird sich allerdings nicht ganz verabschieden, es wird sich erstmal nur verkleinern. "Wir werden in einer Halle nebenan weiter ein Impfzentrum betreiben. Es wird eine geringere Kapazität haben", sagt Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamtes. Dort seien dann noch 500 bis 1000 Impfungen am Tag möglich.

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Vor dem Umzug kommt bei Benedikt Hart Wehmut vom Deutschen Roten Kreuz auf. Im Sinne des Kampfes gegen die Pandemie und des Impffortschritts freut sich der Leiter des Impfzentrums über die Verkleinerung. "Eine kleine Träne darüber, in dieser schönen Kulisse nicht weitermachen zu können, das drückt aber schon auf die Stimmung".

Die feierliche Szenerie der Festhalle habe vielleicht sogar einigen die Angst vor dem Impfen genommen, meint Marion Verg vom Gesundheitsamt Frankfurt. Über die Treppen, die sonst nur Stars im Innenraum des Bühnengebäudes betreten dürfen, seien jetzt auch normale Bürger gelaufen, sagt Hart. "Das fanden einige ganz nett."

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© deutsche presse agentur

Verg bleibt vor allem eine über 90 Jahre alte Frau in guter Erinnerung, die zu den ersten Geimpften in der Festhalle gehörte. "Sie ist so aufgeblüht, sie hat so viel erzählt und sie fand das alles so toll." Es sei extrem berührend gewesen, vor allem die alten Erzählungen der Frau zur Festhalle. Bei der zweiten Impfung habe sie dann berichtet, wie viel Lebensqualität sie dank der Impfung zurückgewonnen und dass sie ihren Freundinnen von der Aktion erzählt habe. "Das hat mich total berührt", sagt Verg sichtlich gerührt.

Andere Impfzentren machen komplett dicht

An anderen hessischen Standorten wie Darmstadt, Fulda und Gießen schließen die Impfzentren hingegen ganz. Die Impfungen werden dann überwiegend von mobilen Impfteams verabreicht. Unterstützung bekomme der Landkreis Gießen dabei etwa vom DRK und der Johanniter-Unfallhilfe. "Die können dann beispielsweise in Pflegeheimen oder Behindertenheimen, wenn es zum Beispiel darum geht, größere Personengruppen mit Auffrischungsimpfungen zu versehen, aushelfen", sagt der Sprecher des Kreises.

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Kassenärzte: "Impfzentren wird es nicht mehr brauchen"

Mit einem Comeback der großen Impfzentren rechnet der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamt, Peter Tinnemann, nicht. Sollte die ständige Impfkommission sich aber für eine Auffrischung der Impfungen aussprechen, sei es laut dem Experten allerdings kein Problem, die Kapazitäten der Impfzentren schnell wieder hochzufahren.

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Aus Sicht von Kritikern, wie etwa der Kassenärztlichen Vereinigung, sollte dies allerdings nicht notwendig sein. "Die Impfzentren wurden sicherlich gebraucht, vor allem zu Beginn und zum Schutz der vulnerablen Gruppen", sagt KV-Sprecher Karl Matthias Roth. Bei dem Status des Impffortschritts brauche es die Einrichtungen nun aber nicht mehr. Daher unterstütze die KV die Entscheidung zum Aus der Impfzentren. Auch Besucher kritisierten die Zentren im Vergleich zu Arztpraxen wegen langer Wartezeiten und viel Bürokratie. (dpa/bho)