RTL-Redakteure rechnen mit sich selbst ab

Formel-1-Prognose: Unsere dicke Hamilton-These war der größte Rohrkrepierer

 FORMULA 1 AWS GRAND PRIX DU CANADA 2022 / 19.06.2022, Circuit Gilles-Villeneuve, Montreal, FORMULA 1 AWS GRAND PRIX DU CANADA 2022 , im Bild 3.Platz für Lewis Hamilton GBR, Mercedes-AMG Petronas Formula One Team *** FORMULA 1 AWS GRAND PRIX DU CANAD
Lewis Hamilton erlebte im Vorjahr eine F1-Saison zum Vergessen
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von Emmanuel Schneider und Martin Armbruster

Die Formel-1-Saison 2023 wirft ihre Schatten voraus, schon in ein paar Wochen lassen die Teams die Hüllen fallen, zeigen ihre neuen Boliden. Wenn alle F1-Kätzchen aus dem Sack sind, werden wir auch wieder mit unseren Prognosen zur Saison ums Eck kommen. Zunächst aber wollen wir einmal schauen, was wir im Vorjahr so verzapft haben. Zur Erinnerung: 2022 hatten wir sieben Thesen aufgestellt. Zeit für eine (Selbst-)Abrechnung!

These 1: Hamilton wird zum achten Mal Weltmeister und hört auf - voll daneben!

These 1 entpuppte sich direkt mal als heftiger Rohrkrepierer. Lewis Hamilton war 2022 von seinem Rekordtitel Nummer 8 so weit weg wie Williams (dazu später mehr) von einem Grand-Prix-Sieg. Erstmals gewann der Brite in einer Saison kein einziges Rennen, wurde in der Fahrer-Wertung zudem vom jungen George Russell geschlagen (ein Kunststück, das zuvor nur Jenson Button und Nico Rosberg gelungen war).

Ein totaler Griff ins Klo auch Teil 2 der Vorhersage. Hamilton hat noch lange nicht fertig. Im Gegenteil: Der 38-Jährige und Silber-Häuptling Toto Wolff betonen seit geraumer Zeit, dass Sir Lewis noch einige Jährchen im Tank habe. Nicht umsonst soll Hamilton derzeit mit Mercedes über einen rekordträchtigen Vertrag verhandeln.

These 2: Ferrari mischt mit, zumindest am Anfang - Treffer!

„Ferrari mischt mit, zumindest am Anfang“, prophezeiten wir. Rückblickend auch die Zusammenfassung der Scuderia-Saison. Die Roten waren zu Beginn der Saison die wohl größte Überraschung, lösten Mercedes als Herausforderer Nummer 1 von Red Bull ab.

„Vor allem zu Beginn wird der Rennstall aus Maranello voll mitmischen und die Dominanz der Platzhirsche Mercedes und Red Bull bröckeln lassen“, schrieben wir: „Vielleicht gelingt ja schon in Bahrain zum Start der erste Ferrari-Streich.“ So kam es dann auch. Charles Leclerc raste in der Wüste zum Auftaktsieg, gewann auch in Australien und führte anfangs der Saison die Fahrerwertung an.

Die von uns (mit Blick noch auf 2021) gelobte „Zuverlässigkeit“ des roten Renners löste sich aber bald in Rauch auf, gleich mehrmals streikte der F1-75. Hinzu kamen taktische Fehlentscheidungen vom Kommandostand, was schlussendlich auch zum Aus von Teamchef Mattia Binotto führte. Wo wir daneben lagen: Auf lange Sicht sahen wir einen Zweikampf zwischen Mercedes und Red Bull, es zeigte sich: Die Silberpfeile waren erst im Endspurt siegfähig, die Bullen insgesamt einfach viel zu stark für eine spannende WM.

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These 3: Russell heizt Hamilton ein, Sainz macht Leclerc die Hölle heiß - 50:50!

Mit Blick auf das teaminterne Duell der Silberpfeile lagen wir richtig, waren sogar zu vorsichtig. George Russell heizte Lewis Hamilton nicht nur ein – er schlug ihn sogar und das vor allem in der ersten Saisonhälfte. Im Gegensatz zu seinem deutlich erfahreneren Stallnachbarn leistete sich Russell im zunächst so heftig hoppelnden Mercedes W13 kaum Fehler, sammelte anfangs mit eichhörnchen-artiger Konstanz Punkte. Im Saisonverlauf wurde Hamilton zwar immer stärker, sein junger Landsmann aber blieb stets auf Augenhöhe. Der Lohn für Russell: Ein Sieg in Brasilien, 275 Punkte und Platz 4 in der Fahrer-WM – vor Rekordchampion Hamilton (240 Zähler, P6).

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Carlos Sainz ließ uns dagegen böse im Stich. Hatte der Spanier 2021 noch einen vorzüglichen Eindruck bei Ferrari hinterlassen, patzte Sainz 2022 in unschöner Regelmäßigkeit. Im Duell mit Scuderia-Rivale Charles Leclerc machte er keinen Stich: Während der Monegasse Red-Bull-Pilot Sergio Perez im Kampf um die Vize-WM schlug und drei Siege einfuhr, landete Sainz im Gesamt-Tableau nur auf Rang 5. Immerhin gewann Sainz in Silverstone den ersten Grand Prix seiner F1-Karriere.

Formula One Sao Paulo Grand Prix at Autodromo Jose Carlos Pace on 12/11/2022, in Sao Paulo, Brazil. Photo by Sam Bloxham/Motorsport Images. * Editorial use only to German and UK newspapers and non-motor racing or automotive publications or digital pl
George Russell gewann 2022 das vorletzte Saisonrennen in Brasilien vor seinem Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton
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These 4: Daniel Ricciardos Stern geht nicht mehr auf - Volltreffer!

„Traurig, aber die große Zeit von Daniel Ricciardo in der Formel 1 ist leider vorbei. Der junge Lando Norris wird Ricciardo auch 2022 alt aussehen lassen“, lautete unser Abgesang auf den sympathischen Australier. Und genauso kam es.

Ricciardo sah bei McLaren wie schon 2021 gegen Norris kein Land. Das Team aus Woking war mit der Leistung des „Honigdachses“ sogar so unzufrieden, dass der Routinier mitten in der Saison abgesägt wurde. Mit Oscar Piastri wird diese Saison eine weitere „Young Gun“ im McLaren-Renner Platz nehmen. Ricciardo dagegen steht ohne Stammcockpit dar: Er kehrt zwar zu Red Bull zurück – aber nur ins dritte Glied hinter Max Verstappen und Sergio Perez.

These 5: Mick Schumacher holt seine ersten Formel-1-Punkte - Treffer!

Die ersehnten Punkte gab’s, den Durchbruch aber nicht. Mick Schumacher erlebte eine Achterbahn-Saison. In seinem zweiten Jahr in der Königsklasse machte er einen Schritt nach vorne, fuhr in Silverstone als Achter erstmals in die Punkte, legte danach in Österreich sofort nach und wurde Sechster. Mit dem Hinterherfahren war in der Tat Schluss.

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Allein: Es blieb bei den zwölf Zählern, zu wenig im Vergleich zum stärkeren Teamkollegen Kevin Magnussen. Immer wieder crashte Schumi jr. er seine Bilanz – im wörtlichen Sinne. Teamchef Günther Steiner war nicht überzeugt genug. Er setzt in der kommenden Saison auf den erfahrenen Routinier Nico Hülkenberg, Schumacher wird bei Mercedes als Ersatzmann ein weiteres Lehrjahr verordnet.

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These 6: Sebastian Vettel holt einen "Abstaubersieg" - daneben!

Na gut, das war auch ein optimistischer Tipp. Sebastian Vettel erlebte zwar vor allem in den letzten Rennen eine Art vierten Frühling, zu einem Abstaubersieg reichte es aber nicht. Bestes Ergebnis waren zwei sechste Ränge in Baku und Japan. Dass in ihm aber noch eine echter Racer mit ordentlich Bock auf F1 steckt, bewies er immer wieder, zum Beispiel in einem spektakulären Rad-an-Rad-Duell mit dem ewigen Rivalen Fernando Alonso in Suzuka. Den Angriff des Spaniers in der letzten Kurve parierte Vettel in einem irren Foto-Finish. Auch in puncto Alonso lagen wir falsch: Der 41-Jährige setzte zwar immer wieder Ausrufezeichen, ihm gelang allerdings wie Vettel kein Abstauber-Triumph.

These 7: Williams kriegt wieder die Rote Laterne - Volltreffer!

Die Saison für Williams begann unruhig und endete mit einem Punkte-Desaster. Nur acht Zähler fuhr das Duo Alex Albon und Nicholas Latifi ein. Wie prophezeit, blieb der Rennstall am Ende des Feldes kleben. Das Team kämpfte von Beginn an gegen einen Reifen-Nachteil. In der Vorsaison waren die Briten bei den Tests der neuen Pirelli-Reifen nicht dabei gewesen. Konkurrenten wie Haas legten hingegen zu.

In der kommenden Saison kann es eigentlich nur besser werden. Williams geht mit neuem Teamchef James Vowles (von Mercedes abgeworben) und neuer Paarung an den Start. Rookie Logan Sargeant (USA) ersetzt den glücklosen Nicholas Latifi.