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Formel 1: Sieben steile Thesen zur Saison 2022 - Lewis Hamilton rächt sich, Sebastian Vettel staubt ab

Hamilton rächt sich, Vettel staubt ab

Sieben steile Thesen zur Formel-1-Saison 2022

Lewis Hamilton (m.) ist auch 2022 ein Favorit auf dem WM-Titel.
Lewis Hamilton (m.) ist auch 2022 ein Favorit auf dem WM-Titel.
RTL Collage

von Emmanuel Schneider und Martin Armbruster

Ein epischer WM-Kampf zwischen den Rennsport-Alphatieren Max Verstappen und Lewis Hamilton samt Drama im Titelfinale. Die Formel-1-Saison 2021 war die spannendste seit langem. Mehr geht nicht? Mal sehen! Einiges spricht dafür, dass 2022 noch einen draufsetzt – und zwar unsere Thesen zur anstehenden Formel-1-Saison.

1. Hamilton bekommt seine Vendetta - und sagt dann Tschö

Lewis Hamilton holt sich seine WM-Krone 2022 von Max Verstappen zurück und erklimmt mit Titel Nummer 8 endgültig den F1-Gipfel. Warum? Weil der Rekordchampion motiviert wie nie in die Saison startet. Die unglaublich bittere (manche würden sagen unverdiente und ungerechte) Niederlage von Abu Dhabi setzt bei Sir Lewis noch einmal ein paar Extra-Prozente frei.

Nichts wird der Brite dem Zufall überlassen, alles wird er daran setzen, Verstappen zu schlagen. „Ihr werdet den Besten Lewis aller Zeiten sehen“, drohte Hamilton im Vorfeld der Konkurrenz schon einmal vorsorglich . Der 37-Jährige will es noch einmal allen zeigen, will beweisen, dass er besser ist als Verstappen. Hamilton möchte unbedingt Rekord-Titel Nr. 8 einsacken, auch wenn er die Bedeutung dieser Marke stets herunterspielt.

Der beste Hamilton ever – das heißt: topfit, hochmotiviert, detailversessen, kaltblütig. Er wird es schaffen, aber Körner lassen. Und weil dem so ist, verabschiedet sich Hamilton am Jahresende als alleiniger Titel-Rekordler in die F1-Rente.

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2. Ferrari mischt mit, zumindest am Anfang

 Formula 1 2022: Bahrain March testing BAHRAIN INTERNATIONAL CIRCUIT, BAHRAIN - MARCH 12: Charles Leclerc, Ferrari F1-75 during the Bahrain March testing at Bahrain International Circuit on Saturday March 12, 2022 in Sakhir, Bahrain. Bahrain. PUBLICA
Ferrari will aus dem Zwei- einen Dreikampf machen
www.imago-images.de, IMAGO/Motorsport Images

Ben tornato, Ferrari! Die Scuderia ist wieder da. Das Team aus Maranello ging als großer Gewinner aus den Testfahrten in Barcelona und Bahrain hervor. Eines stach heraus: Die Zuverlässigkeit des F1-75. Und auch der neue Motor im Heck der Roten röhrt.

Zwar galt Ferrari schon in vergangenen Jahren vor Saisonstart als Mercedes-Herausforderer, holte sich dann aber eine Packung auf der Strecke ab. Doch mit dem neuen Reglement hat das Team von Mattia Binotto tatsächlich einen Sprung nach vorne gemacht. Vor allem zu Beginn wird der Rennstall aus Maranello voll mitmischen und die Dominanz der Platzhirsche Mercedes und Red Bull bröckeln lassen.

Carlos Sainz und Charles Leclerc sind durchaus in der Lage, Lewis Hamilton und Max Verstappen zu ärgern. Vielleicht gelingt ja schon in Bahrain zum Start der erste Ferrari-Streich. Seit 2019 wartet das Team auf einen Sieg. Der letzte Rennsieger hieß: Sebastian Vettel. Dass Ferrari aber über die ganze Saison mit dem Weltmeister-Team von Verstappen und den Silberpfeilen mithalten kann, ist unwahrscheinlich. Aus dem Dreikampf wird über die lange Strecke (Rekordkalender!) dann doch wieder ein enger Zweikampf zwischen Red Bull und Mercedes, vor allem, wenn Mercedes die Kinderkrankheiten des W13 in den Griff bekommt und die gefürchteten Updates an den Renner bringt. Für Ferrari ist 2022 ein wichtiger Zwischenschritt, um dann 2023 wieder bis zum Schluss um den Titel zu fahren.

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3. Russell heizt Hamilton ein - Sainz macht Leclerc die Hölle heiß

2022 wird auch deshalb eine Hammersaison, weil in mindestens zwei Topteams ganz heiße Stallduelle programmiert sind. Vorbei ist die Zeit bei Mercedes, als Hamilton in Valtteri Bottas einen treuen Wingman an der Seite hatte, der brav Platz machte. Der junge George Russell will ganz nach oben, ist ehrgeizig ohne Ende und hat vor Hamilton null Bammel.

Wie kompromisslos Russell sein kann, hat er schon bewiesen. Auch im Zweikampf mit seinem großen Landsmann wird er nicht klein beigeben, sondern bis zum letzten Zentimeter Asphalt (und darüber hinaus!) kämpfen. Zwar wird der Brite feststellen, wie schwer es ist, Hamilton als Garagen-Nachbarn zu haben. Auf der anderen Seite aber werden Russells natürlicher Speed und seine Jugend dem Platzhirsch die Hölle heiß machen. Bei den Silberpfeilen spricht vieles für einen „Krieg der Sterne“. In den WM-Kampf mit Max Verstappen und Red Bull bringt das noch mehr Pfeffer. Der Holländer muss ab sofort beide Mercedes-Piloten auf dem Zettel haben.

Auch bei Ferrari wird die Post abgehen. Schon im Vorjahr versetzte Carlos Sainz dem designierten Maranello-König Charles Leclerc mehrere Nadelstiche, lag am Ende gar vor dem Monegassen. Dieser Fight wird sich 2022 hochschaukeln. Bisher mochten sich Sainz und Leclerc. Bisher hatte Ferrari aber auch kein Siegerauto. Das ist dieses Jahr anders. Vor allem zu Beginn, später punktuell, werden die Roten um Siege kämpfen. Und dann kennen F1-Piloten keine Freunde mehr.

Video: Danner über Chancen von Mick und Vettel

4. Daniel Ricciardos Stern geht nicht mehr auf

Daniel Ricciardo (re.) und Lando Norris
Daniel Ricciardo (re.) und Lando Norris.
Imago Sportfotodienst

Traurig, aber die große Zeit von Daniel Ricciardo in der Formel 1 ist leider vorbei. Dem Australier wird es bei McLaren ergehen, wie Sebastian Vettel in seiner Endphase bei Ferrari mit Charles Leclerc. Heißt: Der junge Lando Norris wird Ricciardo auch 2022 alt aussehen lassen.

Für den „Honigdachs“ bleibt in der Truppe von Teamchef Andreas Seidl nur die Position der Nummer 2, die verlässlich Punkte sammelt und den aufstrebenden Nummer-1-Fahrer unterstützt. Ricciardo wird sich lange sträuben, wird hadern, wird fluchen und sein breites Grinsen eine Weile lang verlieren, ehe er sein Schicksal annimmt und als Teamplayer für McLaren noch eine wichtige Rolle spielt.

Wir geben zu: Hoffentlich irren wir uns und der sympathische Aussie pulverisiert unsere These.

5. Mick Schumacher holt seine ersten Formel-1-Punkte

Schluss mit dem Hinterherfahren! 2021 war in vielerlei Hinsicht ein Lehrjahr für Mick Schumacher. Im Haas gab es nichts zu holen, nur Teamkollege Nikita Mazepin wurde in Regelmäßigkeit gebügelt. In seinem zweiten Jahr in der Königsklasse deutet viel darauf hin, dass das US-Team Schumi jr. einen konkurrenzfähigen Renner hingestellt hat. Sogar ein zweiter Platz am Abschluss-Testtag stand am Ende in der Statistik. Mick selbst sagt: Da steckt noch Power drin, wir haben noch nicht alles gezeigt.

Haas wird die Rote Laterne abgeben und einen Satz mitten rein ins Mittelfeld machen. Schumachers neuer Bolide sei "wirklich ganz, ganz ordentlich, damit kann man in Richtung Punkte fahren", sagt auch RTL-Experte Christian Danner . Ob Schumacher mit dem VF-22 regelmäßig in den Zählern landet, steht in den Sternen. Aber der ein oder andere Ausflug in die Top 10 ist je nach Rennverlauf absolut realistisch.

Der 22-Jährige wird zudem von seinem neuen Stallkollegen profitieren. Kevin Magnussen ist ein harter Hund auf der Piste, abseits der Strecke aber handzahm . Im Gegensatz zu Mazepin wird der Däne Schumacher pushen und fordern. Und davon profitiert vor allem einer: Mick Schumacher.

6. Sebastian Vettel holt einen "Abstaubersieg"

Wir schließen uns unserem Experten Christian Danner an: Aus eigener Kraft wird Sebastian Vettel auch 2022 kein Rennen gewinnen können. Aber: Dank der neuen Regeln ist das Feld dieses Jahr viel enger beisammen, „Abstauber-Siege“ à la Gasly (2020), Ocon (2021) und Ricciardo (2021) sind deshalb öfter möglich.

Einen solchen Abstauber-Sieg fährt auch Vettel 2022 ein. Dank seiner Erfahrung wird er zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein und seinen 54. GP-Triumph feiern. Wir legen noch einen drauf: Auch Altmeister Fernando Alonso wird nach fast zehn Jahren Sieges-Dürre wieder ganz oben auf dem Podest stehen.

7. Williams kriegt wieder die Rote Laterne - leider

Top-Talent weg, Reifen-Nachteil, Test-Ärger: Die Saison für Williams beginnt unruhig. Der britische Traditionsrennstall muss den Abgang von George Russell verkraften, ins Lenkrad greifen 2022 Rückkehrer Alex Albon und Nicholas Latifi. Nicht unbedingt das stärkste Fahrer-Duo, wenn man ein Team nach vorne bringen will – und genau dorthin soll es laut Williams-Plan eigentlich gehen. Stattdessen fällt der Traditionsrennstall wieder ans Ende des Feldes zurück.

Vor allem am Anfang dürfte Williams hinterherfahren. Das Team hat einen großen Reifen-Nachteil, wie Teamchef Jost Capito im RTL-Interview einräumte. Als 2021 die Rennställe die neuen 18-Zoll-Pneus testeten, war Williams nicht dabei. 2020 hatte man sich – damals unter alter Teamführung – aus Kostengründen dagegen entschieden – und beendete die Saison in der Teamwertung auf dem letzten Platz.. Nun fehlen also wichtige Daten. Schon bei den Tests in Bahrain wurde deutlich, dass sich Williams im Vergleich zu den Mittelfeldkonkurrenten nicht so sehr strecken konnte, auch die Long-Run-Zeiten gaben kaum Anlass zur Hoffnung. Tiefpunkt: Nach Bremsproblemen ging der Williams von Latifi in Flammen auf. Leider ein Menetekel für die Saison 2022.