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Formel 1: Kevin Magnussen - ein harter Brocken für Mick Schumacher, „Typ Knäckebrot und Nussknacker in Duellen"

„Typ Knäckebrot“

Kevin Magnussen - ein harter Brocken für Mick Schumacher

 SCHUMACHER Mick F1 Team Haas mit MAGNUSSEN Kevin FIA F1 Saison 2022 Test in Bahrain 1.Tag am 10.03. 2022 Bahrain International Circuit *** SCHUMACHER Mick F1 Team Haas with MAGNUSSEN Kevin FIA F1 season 2022 test in Bahrain 1 day on 10 03 2022 Bahra
Mick Schumacher und Kevin Magnussen.
www.imago-images.de, IMAGO/Laci Perenyi, IMAGO/Jerry Andre

von Emmanuel Schneider

Der Neue ist ein alter Bekannter. Kevin Magnussen ist zurück beim Formel-1-Rennstall Haas – und das gleich für mehrere Jahre. Was macht den Dänen aus und was bedeutet der Haas-Comeback-Coup für Mick Schumacher?

Haas-Coup mit Magnussen überrascht

Als der Anruf von Haas kam, war Kevin Magnussen selbst überrascht. Zwei Jahre lang war der Däne raus gewesen aus dem Formel-1-Zirkus, die Tür zur Königsklasse quasi schon zu. Zumal Magnussen inzwischen auch schon 29 Jahre alt ist und keine Millionenbeträge wie ein Guanyu Zhou oder der eben geschasste Nikita Mazepin mitbringt.

Doch dann schwang diese Tür zur Formel 1 plötzlich wieder auf, weit auf. Möglich machte das die kurzfristige Trennung des Rennstalls vom russischen Hauptsponsor Uralkali und der damit verbundene Rauswurf Mazepins. Und plötzlich wurde die Erfahrung und Geschichte von „K-Mag“ zum Trumpf für ihn.

Denn das amerikanische Team um CEO Gene Haas und Teamchef Günther Steiner musste nach dem Doppel-Aus Uralkali/Mazepin improvisieren. Die Zeit drängte, schon am Donnerstag starteten die Testfahrten und in der kommenden Woche beginnt die neue Saison. Das Profil des Neuen war klar umrissen: Vor allem erfahren sollte er sein und das Team aufwerten. Zwar galt Magnussen anfangs nur als unrealistischer Außenseiter für den Posten, doch mit jedem Tag wurde diese Option realistischer. Für Haas war er in dieser Not-Situation der perfekte Mann. 119 GP-Einsätze hat er auf dem Buckel, er kennt das ganze Team. Dann folgte der Anruf.

Drähte nie abgebrochen

Magnussen feierte seine erfolgreichste Formel-1-Zeit in Reihen des amerikanischen Teams. Nach ersten Stationen bei McLaren (ab 2014) und einer einjährigen Stippvisite bei Renault, zog Magnussen 2017 zu Haas weiter. Und bei dem eher kleinen und familiären Team kam er gut zurecht – auch wenn dann früher der Schlussstrich kam, als ihm lieb war.

2020 teilte Teamchef Steiner sowohl Magnussen als auch Romain Grosjean frühzeitig mit, dass Haas auf zwei jüngere Talente setzen wolle. Mazepin und Mick Schumacher. Ein Jahr lang sollten die Rookies Erfahrung sammeln für 2022 – Startpunkt der neuen Regel-Ära. Dann sollte der neue Haas-Angriff erfolgen.

Trotz der Enttäuschung ging Magnussen im Guten. Ihm wird ein entspanntes und vertrautes Verhältnis zu Steiner nachgesagt. Nachtreterei blieb aus, auch wenn die Performance von Mazepin geradezu einladend war. „Die Drähte zwischen Günther Steiner und Magnussen sind niemals abgebrochen. Das hat man auch bei der emotionalen Verabschiedung damals gesehen“, erklärt RTL/ntv-Reporter Felix Görner.

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Zwei Jahre abseits der Formel 1

Die Rückkehr jetzt ist dennoch eine dicke Überraschung, gibt selbst der Däne zu. „Ich war schon überrascht, als der Anruf kam. Aber ich habe mich auch riesig gefreut. Ich wollte meine Karriere neu ausrichten, aber ich habe immer gesagt – ich schließe eine Rückkehr in die Formel 1 nicht aus“, sagte Magnussen zum neuen Haas-Deal.

Nach dem vorzeitigen F1-Aus zog er weiter, fuhr andere Serien. Magnussen ging in der US-Sportwagenserie IMSA für Chip Ganassi an den Start, bei der Langstrecken-WM war er für Peugeot eingeplant. Auch bei einem Indy-Rennen sprang er ein. Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans fuhr er sogar an der Seite seines Vater Jan Ellegaard Magnussen, der einst ebenfalls in der Formel 1 startete.

Ein Vorteil: Seine guten Beziehungen mit Peugeot und Ganassi ermöglichten einen schnellen Ausstieg aus den aktuellen Verträgen. Offenbar war er sogar in solch einer guten Verhandlungsposition, dass er einen mehrjährigen Vertrag bei Haas bekam.

„Unverblümt, frech, unerschrocken, knallhart"

Auswirkungen hat die Rückholaktion auch für Mick Schumacher. Die Saison könnte nicht nur wegen der neuen Regeln und Autos sehr anders werden als noch 2021.

Der Däne wird Schumi jr wichtige Tipps geben können, allerdings auch das interne Team-Duell deutlich spannender machen und anheizen. Denn anders als Mazepin wird Magnussen den Deutschen auch auf der Strecke ernsthaft herausfordern. Im Qualifying und im Rennen. Im Zweifelsfall macht der Deal somit auch Schumacher stärker.

„Magnussen ist der Typ Knäckebrot, ein Nussknacker in Duellen“, beschreibt Görner den Rennstil des Dänen und erinnert an ein unvergessliches Wort-Gefecht zwischen Magnussen und Nico Hülkenberg, als es dann doch etwas unter die Gürtellinie ging. Genau das zeige, wie er tickt, so Görner. „Unverblümt, frech, unerschrocken, knallhart, im Zweikampf und auch im Teamduell“.

Schon mit seinem letzten F1-Kollegen Romain Grosjean lieferte er sich teils knackige Duelle, nach denen beiden ausschieden. „Daran sieht man seine Kompromisslosigkeit“, sagt der RTL-Experte und zieht einen Vergleich zu Jarno Trulli, der den Ruf hatte, nur sehr schwer überholbar zu sein. „Magnussen ist so etwas wie der Trulli unserer Zeit.“

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Magnussen wird nicht zurückstecken

Das Fazit: „Magnussen ist ein harter Brocken für Mick Schumacher.“ Görner ist sich sicher: Der 29-Jährige werde Schumi jr. Probleme auf der Strecke bereiten und nicht zurückstecken. „Vielleicht ist er sogar angestachelt vom großen Namen Schumacher, um dem Jungen zu zeigen, was ein gestandener Formel-1-Fahrer ist.“

Die Stärke von Magnussen sieht er in der großen Erfahrung und Reife. „Er ist einer, der sich sehr schnell an neue Autos und Reglements gewöhnen kann.“ Und genau das ist auch wichtig auch fürs Haas-Team. Bei dem runderneuerten Auto ist der Rennstall auf Feedback der Fahrer angewiesen. Gerade Haas, die schon bei den ersten Tests technische Probleme hatten und den Beginn des zweiten Tests wegen Frachtproblemen verpassten. Umso wichtiger: schnell justieren und den VF-22 verbessern.

Das bringt uns auch wieder zu Magnussen. Sein bestes Gesamtergebnis in der Formel 1 holte er 2018 im Haas. Zwei fünfte Plätze, elf Platzierungen in der Top Ten bescherten ihm am Ende Rang neun in der Gesamtwertung. Ein echter Erfolg für das kleine Team. Davon ist Haas noch weit entfernt, aber die Hoffnung ist da. Kevin Magnussen verkörpert sie.