Die Leber mit der richtigen Ernährung regenerieren lassen

"Fleck-xikon" F wie Fettleber: Doc Fleck erklärt, was Sie jetzt sofort vom Speiseplan streichen sollten

Dr. Anne „Doc“ Fleck verstärkt das Team von RTL Deutschland
Dr. Anne „Doc“ Fleck
RTL (Kommunikation)

von Vera Dünnwald

Ohne unsere Leber wären wir – und unser menschlicher Organismus – ganz schön aufgeschmissen! Denn: Das Organ sorgt nicht nur dafür, dass unser Körper entgiftet wird, sondern hilft bei Stoffwechsel- und Verdauungsvorgängen. Kein Wunder also, dass Dr. Anne Fleck, Fachärztin für Innere Medizin und Bestseller-Autorin, unsere Leber als „heimliche Heldin der Gesundheit“ bezeichnet.

Umso wichtiger, dass wir auf diese Heldin achtgeben und sie gut behandeln, damit es nicht zu Beeinträchtigungen kommt. Die Leber hat leider kein Frühwarnsystem, das warnt, wenn die Leber in Gefahr gerät. Und sie ist gefährdet: Denn wer ständig kohlenhydratlastiges Essen und literweise zuckerhaltige Getränke oder gar Alkohol in sich hineinschüttet, der muss damit rechnen, dass die Leber anschwillt und zu einer Fettleber mutieren kann. Und die entsteht schneller, als man denkt! Etwa 30 Prozent der Menschen hierzulande sind betroffen. Doc Fleck klärt auf.

Auch schlanke Menschen betroffen! Was genau ist eine nicht-alkoholische Fettleber?

Rund ein Drittel der Erwachsenen und jedes dritte, meist übergewichtige Kind hat laut der Deutschen Leberstiftung eine durch Fetteinlagerung vergrößerte Leber – die sogenannte Fettleber. Doch auch äußerlich schlanke Menschen, die keinerlei „Symptome“ aufzeigen, können betroffen sein, wie Doc Fleck im RTL-Interview erklärt.

Zumeist geht die Fettleber mit einem schleichenden Prozess einher. Die Betroffenen haben – in der Regel – keinerlei Beschwerden. Allerdings kann es im späteren Verlauf zu unterschwelligen Druck- und Völlegefühlen im rechten Oberbauch kommen; Betroffene sind zudem anfangs häufiger müde und sie haben meist Konzentrationsstörungen. Auch eine Leberentzündung (Hepatitis) kann symptomatisch für eine Fettleber stehen.

Wichtig: Fettleber ist nicht gleich Fettleber. Zunächst einmal ist es wichtig, die nicht-alkoholische Fettleber von der alkoholischen Fettleber zu unterscheiden. Eine alkoholische Fettleber ist – wie der Name schon sagt – auf die Folgen von langjährigem Alkoholkonsum zurückzuführen. Und die nicht-alkoholische Fettleber? „Man weiß, dass die nicht-alkoholische Fettleber auf dem Boden einer Fehlernährung entstanden ist. Und man vermutet auch eine schlechte Zusammensetzung der Darmbakterien dahinter, wenn ein gestörtes Mikrobiom vorliegt. Das ist der ganz moderne Ansatz der Ursachenmedizin, der auch neue Therapiestrategien eröffnet“, sagt die Ärztin.

Unter einer Fehlernährung versteht man:

  • zu häufige Mahlzeiten (Mahzeitenfrequenz über drei Hauptmahlzeiten am Tag, mit häufigen Snacks)
  • zu viele Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln)
  • zu viel Zucker (Süßigkeiten, Kuchen, Schokolade, Eiscreme, Puddingspeisen, Softdrinks)
  • Süßstoffe (als Zuckersatz)
  • zu viele minderwertige Fette (z.B. Transfette aus Chips, Fertigprodukten, frittierten Speisen)

Lese-Tipp: Fettleber-Gefahr durch Fruchtsäfte! Diese Ernährungsfehler schaden dem Detox-Organ

Wieso Sie in Zukunft lieber auf Ihr Wurstbrötchen verzichten sollten

Ein Junge hält ein Wurstbrötchen in der Hand.
Erschreckend: Auch immer mehr Kinder sind von einer Fettleber betroffen. Ein - zugegeben leckeres - Wurstbrötchen ist wenig förderlich.
Angelafoto

Vor allem die Kombination aus Kohlenhydraten und ungesunden Fetten könne eine Fettleber begünstigen: „Wenn man zum Beispiel ein Brötchen mit Belag nimmt und außerdem vielfach am Tag eine solche Brotzeit verzehrt, hat man das Problem des stärkeren Blutzuckerreizes durch die Kohlenhydrate. Denn je größer der Kohlenhydratreiz, umso stärker ist die Insulinausschüttung. Und je stärker die Insulinausschüttung, umso schneller werden alle Nährstoffe in die Fettzelle reingepresst.“ Heißt also: Selbst ein harmlos wirkendes Wurstbrötchen am Morgen kann die Entstehung einer Fettleber fördern, wenn man sich zu wenig bewegt und zu viele Kohlenhydrate zu sich nimmt. Deswegen lohne es sich, auf die Zusammensetzung zu achten.

Problematisch wird es, wenn auf das deftige Frühstück ein Sandwich oder ein großer Pastateller zum Mittagessen und dann auch noch das gute alte „Abendbrot“ mit Belag folgt. Aber keine Angst: „Es geht nicht nur um die Zusammensetzung der Mahlzeiten, sondern auch um die Mahlzeiten-Frequenz. Wer sich im Alltag viel bewegt, kann mehr Kohlenhydrate vertragen.“

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Darum ist es gefährlich, eine Fettleber zu haben

Aber was macht die Fettleber überhaupt so gefährlich? „25 Prozent der Fettleber-Fälle – sowohl bei nicht-alkoholischer und alkoholischer Fettleber – führen unbehandelt zu einer Fettleber-Hepatitis. Davon wiederum 25 Prozent führen zu einer Leberzirrhose. Wenn es hart auf hart kommt, bekommen davon weitere 25 Prozent der Betroffenen Leberzellkrebs“, so Doc Fleck.

Aber nicht nur das. Die Medizinerin erklärt: „Eine Fettleber bringt auch eine Reihe von Folgeerkrankungen mit sich. Sie kann zu einer Insulinresistenz führen, Diabetes herbeiführen – was wiederum eine Rampe zur Demenz ist –, sie kann Herz-Kreislauf-Krankheiten verursachen – das ist ein Riesenthema. Jüngste Studien von Universitäten aus Südkorea belegen, dass die Fettleber der Motor für Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwund sind, ein sozioökonomisch bedeutsames Thema für unser Gesundheitssystem.“

Ihre Meinung ist gefragt: Haben Sie sich schon einmal mit dem Thema Fettleber auseinandergesetzt?

Daran erkennen Sie, ob Sie eine Fettleber haben

Eine Frau lässt ihre Leber beim Arzt untersuchen.
Wie erkennt man, ob eine Fettleber vorliegt?
Henadzi Pechan

„Deswegen ist es so bedeutend, die Gefahr zu erkennen. Man sollte früh schauen, ob man Gefahr läuft, eine Fettleber zu entwickeln“, so Doc Fleck. Denn: „Die Leberwerte können komplett in Ordnung sein, sogar die Ultraschallaufnahme der Bauchorgane kann noch total unauffällig aussehen – und trotzdem kann man an einer Fettleber leiden.“ Aufschlussreich sind aus Sicht der modernen Präventivmedizin die Untersuchung der Leberwerte, eine Sonografie und der sogenannte Fettleber-Index (FLI). „Das ist ein kostengünstiges Instrument der modernen Medizin zur Frühdetektion einer nicht-alkoholischen Fettleber. Es setzt sich zusammen aus dem Body-Mass-Index, verschiedenen Blutwerten und dem Bauchumfang.“ Laut der Medizinerin mache ein Wert über 60 Prozent das Vorliegen einer nicht-alkoholischen Fettleber sehr wahrscheinlich.

Das Problem: Der innovative Fettleber-Index sei in der Behandlungspraxis noch nicht so weit verbreitet, so Doc Fleck gegenüber RTL.

Mehr zum Thema Fettleber gibt's außerdem in Doc Flecks Podcast

Geheimtipp Kaffee, No-Go Cerealien: Mit der richtigen Ernährung gegensteuern!

Vor allem die Tatsache, dass es inzwischen sogar Kinder mit einer Fettleber gibt, „sollte uns aufhorchen lassen“, erklärt die renommierte Internistin. Besonders wenn Kinder täglich Cerealien frühstücken, erweise sich das als problematisch: „Da kann man auch gleich Kekse kleinbröseln und als Frühstück vorsetzen. Da liegt ein ganz hoher Anteil an Kohlenhydraten vor, gepaart mit viel Zucker. Außerdem sind auch oft minderwertige Fette in ‘Müsli’ dieser Art enthalten. Es muss zwingend etwas passieren.“

Zum Glück könne man mit der richtigen Ernährung gegensteuern: „Die Leber hat eine hohe Regenerationsfähigkeit. Wenn man eine Fettleber hat: nicht verzagen! Denn sie ist ernährungsinterventionell heilbar.“ Doc Fleck erklärt: „Studien haben gezeigt, dass wenn man zwei Wochen lang eine Art Fastenkur macht und sich auf eine Kalorienzufuhr von 500 bis 600 Kalorien beschränkt, dann kann man die Fettleber stark beeinflussen.“ Wichtig: Das Ganze sollte man natürlich nicht ohne ärztliche Kontrolle durchführen. Allerdings brauche es bei weitem keine strenge Fastenkur, um die Leber zu generieren.

Ebenfalls zum Erfolg führt folgende Strategie: Man begrenzt sich am Tag auf zwei, maximal drei Mahlzeiten, die dafür aber hochwertige Eiweiße liefern und einen hohen Ballaststoffanteil haben. Doc Fleck sagt: „ Lebensmittel wie Gemüse, Pilze, Geflügel, Eier, Fisch und einmal die Woche Fleisch, morgens einen Apfel, eine Handvoll Nüsse – all das kann dabei helfen, die Fettleber langfristig zu reduzieren.“ Sofern keine genetische Disposition vorliegt, lässt sich einer Fettleber auch verhältnismäßig leicht vorbeugen.

Lese-Tipp: Diese fünf Lebensmittel reinigen unsere Leber

Heißt also: „Man leidet nicht sein ganzes Leben darunter. Mit Ernährung und Bewegung kann man dagegen vorgehen“, so die 50-Jährige. Gute Nachrichten also für all diejenigen, die eine Fettleber haben oder Angst davor haben, eine zu entwickeln. Was ebenfalls hilft: „Bitterstoffe. Diese können in Form eines alkoholfreien Sprays zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden oder aber in Form von Gemüse wie Lauch, Rauke oder Löwenzahn – auch als Tee. Die Spray-Bitterstoffe gibt es mittlerweile sogar mit Vitamin-B12-Zusatz, was spielerisch die Aufnahme des wichtigen Vitamins erleichtert. Um einen heilenden Effekt zu erzielen, werden Bitterstoffe mindestens zwei Mal am Tag zugeführt.“

Auch Kaffee sei ein echter Bitterstoff-Lieferant. Einzige Voraussetzung: Er muss schwarz sein. „Bis zu drei Tassen schwarzer (Filter-)Kaffee am Tag wirken sogar leberschützend. Aber es sollte natürlich vorher individuell geschaut werden, wie empfindlich jemand darauf reagiert. Auch sollte man bedenken: Kaffee hat eine Halbwertzeit von 7 Stunden, der Schlaf sollte nicht beeinträchtigt werden durch den Kaffeegenuss.“

Alkoholische Fettleber: Das gilt es zu beachten

Zwei Freundinnen sitzen gemeinsam im Restaurant und trinken Bier und essen einen Burger.
Alkohol und fettiges Essen können dazu beitragen, dass sich eine Fettleber entwickelt.
Zorica Nastasic

Eine alkoholbedingte Fettleber ist auf langjährigen Alkoholkonsum zurückzuführen. Was jetzt hilft, ist der absolute Verzicht. Hier hänge es vom toxischen Schaden der Leberzellen ab, inwieweit ernährungsinterventionell dagegen gesteuert werden kann. Möglich sei es allemal: „Wenn es noch nicht zu dramatisch ist und die Fettleber noch nicht in eine Entzündung, also in eine Hepatitis oder sogar in eine Leberzirrhose übergegangen ist, dann kann man auch als Alkoholiker mit Lebensstilveränderungen und Alkoholstopp gegenwirken und sukzessiv die Leber etwas regenerieren.“

Ist aus einer Fettleber Hepatitis entstanden, „ist das eine deutliche Alarmstufe.“ Zeichen der Leberbelastung können Betroffenen an der Haut abgelesen werden, zum Beispiel an den gelben Augen und Häuten, der sogenannte Ikterus. Oder man erkennt die Leberbelastung anhand des Juckreizes. Oft gehe eine Hepatitis mit einer Leberwerterhöhung einher. „Eine fachärztliche Betreuung gehört da unbedingt mit ins Boot“, erzählt Doc Fleck.

Haben Sie Alkoholprobleme und wollen Ihre Sucht bekämpfen, können Sie sich an Experten bei einer Suchtberatungsstelle oder Selbsthilfegruppe für Alkoholiker melden. Die wichtigsten Adressen haben wir hier zusammengefasst.