Sie wollte sich offenbar von ihm trennen

Esra C. (35) auf offener Straße erstochen: Ehemann muss lebenslang ins Gefängnis

Foto: RTL Nord
Hüseyin C. (rechts) und sein Verteidiger (links) zur Urteilsverkündung.
RTL Nord

von Daniel Kandora und Kristina Hoffmann

Es ist das Urteil in einem emotionalen Prozess: Weil der Angeklagte Hüseyin C. (38) seine Ehefrau Esra C. (35) im Mai vergangenen Jahres in Burgdorf bei Hannover mit mindestens 13 Messerstichen tödlich verletzt haben soll, muss er lebenslänglich ins Gefängnis – wegen heimtückischen Mordes. Auch bei der Urteilsverkündung am Freitagmorgen waren zahlreiche Angehörige und Freunde der Getöteten im Gerichtssaal. Wieder in schwarz gekleidet, um ihre Anteilnahme und Trauer auszudrücken.

Hüseyin C. soll die Tat geplant haben

Die Kammer stellt bei der Urteilsverkündung heraus, dass der Angeklagte die Wehrlosigkeit seiner Frau ausgenutzt haben soll. Wegen der bevorstehenden Trennung soll er so verzweifelt gewesen sein, dass er keinen anderen Ausweg gesehen habe. Der Richter hebt hervor: „Er konnte sich ein Leben ohne Esra nicht vorstellen, wusste aber nicht, was er noch tun soll, damit sie zu ihm zurückkehrte“. Während weitere Schilderungen der langsam auseinanderbrechenden Ehe von Esra und Hüseyin im Saal verlesen werden, weint der Angeklagte bitterlich, ein Vollzugsbeamter bietet ihm Taschentücher an. Die Kammer betont: „Diese Tat, dass Sie ihre Frau getötet haben, wird immer Teil ihrer Biografie sein. Das können Sie nicht abschütteln.“ Die besondere Schwere der Schuld wurde verneint, da der Angeklagte die Tat bereits gestanden und sich reumütig gezeigt habe.

Das Paar soll oft gestritten haben - Esra wollte sich trennen

Am Tag dieser Tragödie soll Esra C. ihrem Ehemann eröffnet haben, dass sie sich von ihm trennen wollte. Sie habe jemanden kennengelernt, sei bereits seit Ende 2021 mit einem anderen Mann eng befreundet gewesen, wovon der Angeklagte nichts gewusst habe. Auch habe Esra eine Freundin gehabt, die sie in ihrem Vorhaben sich zu trennen bestärkt habe. Sie sei ein Dorn im Auge des Angeklagten gewesen, da er glaubte, sie habe einen schlechten Einfluss auf seine Frau, heißt es heute im Gerichtssaal. Hüseyin C. hielt dies offenbar nicht aus, soll seine Ehefrau vor der Kanzlei ihres Anwalts abgefangen und mit einer knapp 20 Zentimeter langen Klinge auf sie eingestochen haben. Erst als mutige Passanten eingreifen, soll er von ihr abgelassen haben. Hüseyin C. flüchtet, stellt sich später der Polizei. Die 13 Stiche haben die 35-jährige Mutter so schwer verletzt, dass sie trotz mehrerer Reanimationsversuche im Krankenwagen verblutet. Das Gericht kann sich bis zum Schluss nicht erklären, wie diese Ehe so zu Ende gehen konnte. Die Kammer sieht es als erwiesen an, dass es nicht so weit gekommen wäre, wenn Hüseyin C. von der neuen Beziehung seiner Frau gewusst hätte. Er hätte sie dann vermutlich „gehen lassen“.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Das Ende eines emotionalen Prozesses

Foto: RTL Nord
Vier Schwestern von Esra C. sind Nebenklägerinnen.
RTL Nord

Während der zahlreichen Prozesstage waren immer wieder Angehörige und Freunde von Esra C. im Zuschauerraum des Gerichtssaals. Viele bringen Fotos der Verstorbenen mit und sind ganz in schwarz gekleidet – ein deutlicher Ausdruck ihrer Trauer und des Verlustes eines geliebten Menschen. Auch kochen die Emotionen im Saal über. Unter den Zuschauenden sind zu Beginn auch die zwei Söhne von Esra C. Einer der beiden beschimpft den Angeklagten wüst. Auch an den folgenden Prozesstagen kommt es immer wieder zu emotionalen Ausbrüchen, sodass stets ein großes Polizeiaufgebot dabei ist. Besonders betroffen sind auch vier Schwestern von Esra, sie sind Nebenklägerinnen. Auch bei ihnen rollen heute Tränen, während immer wieder Einzelheiten des Vorfalls geschildert werden. Durch die vergangenen Prozesstage, an denen es häufig laut wurde, stellt der Richter zum Abschluss heraus: „Ich habe großen Respekt, dass Sie bei dieser Urteilsbegründung so ruhig geblieben sind.“ Die Verteidigung des Angeklagten will nun über eine mögliche Revision beraten.